Ärzte Zeitung, 27.01.2016

Überraschung in Mecklenburg-Vorpommern

Hausarztberuf macht Spaß

Alles schlecht, alles frustrierend? Eine Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern beweist das Gegenteil: Hausärzte im Nordosten sind mit ihrem Beruf keineswegs unzufrieden.

Von Dirk Schnack

Hausarztberuf macht Spaß

Daumen hoch: Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind sehr zufrieden mit ihrem Job.

© Robert Kneschke / fotolia.com

ROSTOCK. Negative Aspekte der Hausarzttätigkeit werden in den Medien möglicherweise überbewertet, wohingegen die positiven Seiten oft zu kurz kommen.

Diese Schlussfolgerung zieht Studienautorin Dr. Christin Löffler vom Institut für Allgemeinmedizin an der Universität Rostock aus den Ergebnissen über die Zufriedenheit von Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Studie hat ergeben, dass Hausärzte im Nordosten insgesamt eine hohe bis sehr hohe Berufszufriedenheit aufweisen und damit die Ergebnisse einer älteren Untersuchung aus dem Jahr 2005 widerlegt.

Auch die Ergebnisse zur Berufszufriedenheit von Hausärzten in anderen Bundesländern werden in Mecklenburg-Vorpommern übertroffen.

Studenten zeigen großes Interesse

"Angesichts eines sich abzeichnenden Hausärztemangels muss es zukünftig darum gehen, Faktoren, die die hausärztliche Berufszufriedenheit nachweislich positiv beeinflussen, zu stärken", heißt es als Schlussfolgerung in der Studie.

Löffler berichtete im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" von einem sehr hohen Interesse der Rostocker Medizinstudierenden an den Ergebnissen der Studie. Sie führt das auch darauf zurück, dass in den Medien, aber auch von Teilen der Berufspolitik ein anderes Stimmungsbild gezeichnet werde. "Negative Aspekte werden medial eher überbewertet", glaubt Löffler.

Für die Studie waren alle im Jahr 2011 in Mecklenburg-Vorpommern tätigen 1133 Hausärzte angeschrieben worden, die Hälfte von ihnen beteiligte sich. 24 Prozent der Teilnehmer gab an, dass sie derzeit "sehr zufrieden" mit ihrem Beruf seien, 49 Prozent "eher zufrieden".

19 Prozent aller Teilnehmer waren "mäßig zufrieden" und acht Prozent "eher unzufrieden oder "sehr unzufrieden". Insgesamt zeigte sich, dass Frauen, junge Ärzte und in Gemeinschaft arbeitende Kollegen größere Zufriedenheit erlangen. Keine nennenswerten Unterschiede konnten die Studienautoren zwischen Stadt- und Landärzten ausmachen.

Auch mit Arbeitsbelastung nicht unzufrieden

Zur Zufriedenheit beigetragen hat nach Angaben der Hausärzte in erster Linie das gute Verhältnis zu den Patienten. Dieser Punkt erreichte auf einer Skala von eins (sehr unzufrieden) bis fünf (sehr zufrieden) den Mittelwert 4,47.

Gute Werte erreichten auch das Verhältnis zu den Mitarbeitern (4,41) und den Kollegen (4,01). Auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen (4,54), das Landleben (4,17) und die Gemeinde oder Nachbarschaft (4,02) sind wichtige Treiber für die Zufriedenheit.

Mit den administrativen Verpflichtungen (2,49) sind die Ärzte zwar nicht einverstanden, lassen sich davon aber kaum in ihrer Berufszufriedenheit beeinflussen. Auch mit der Arbeitsbelastung (2,38) zeigen sich die Ärzte im Nordosten nicht zufrieden.

Das kulturelle Leben in Mecklenburg-Vorpommern stellt laut Studie 84 Prozent der Ärzte zufrieden. Dies überrascht, weil ein Mangel an kulturellen Angeboten in der Diskussion über Gründe für ausbleibende Nachfolger häufig genannt wird.

Sorge vor Arzneiregress

81 Prozent der Hausärzte gab an, dass die zahlreichen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten in der Natur im Nordosten ihre Lebensqualität steigern.

Zu den negativen Aspekten: 57 Prozent der Befragten gab an, dass die Zahl der zu betreuenden Patienten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei.

74 Prozent der Hausärzte wünschen sich mehr Zeit für die Betreuung des einzelnen Patienten. Allein die Möglichkeit eines Arzneimittelregresses wird von 84 Prozent der Teilnehmer als Geringschätzung der hausärztlichen Tätigkeit angesehen.

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