Ärzte Zeitung, 30.06.2016

Kommentar zum TK-Gesundheitsreport

Mehr als warme Worte nötig

Knapp 2/3 der Arbeitnehmer sind mit ihrem Job zufrieden, so der TK-Gesundheitsreport 2016. Was aber in den meisten Betrieben fehlt: Familienpflegezeit hat einen geringen Stellenwert.

Von Anne Bäurle

Zwar sind 70 Prozent der Arbeitnehmer, die für den Gesundheitsreport 2016 der Techniker Krankenkasse befragt wurden, mit ihrem Job zufrieden. Dennoch ist die Zahl derer, die sich wegen Zeitdrucks, hoher Arbeitsdichte und geringer Transparenz im Arbeitsalltag stark belastet fühlen, seit dem Jahr 2009 um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen.

Die Lösung sieht TK-Chef Dr. Jens Baas auch in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge: Die Führungskultur müsse sich ändern, Feedbackrunden und Wertschätzung Alltag werden.

Doch reichen warme Worte des Vorgesetzten wirklich aus, um im Spannungsfeld von Familie und Beruf gesund zu bleiben? Vielmehr sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter für das Thema Familie sensibilisieren - und zwar nicht nur mit Blick auf Geburt, Schwangerschaft und Familienplanung, sondern auch auf Pflegebedürftigkeit der Eltern.

Die Arbeitsbelastung wird in Zukunft nicht weniger, das sagt auch Baas. Wertschätzung ist wichtig, kann Stress im Arbeitsalltag aber nicht reduzieren.

Wahre Entlastung schaffen arbeitnehmerfreundliche Regelungen, wenn es etwa zur Betreuung pflegebedürftiger Eltern kommt. Die Bundesregierung hat mit der im Pflegestärkungsgesetz eingebundenen Familienpflegezeit einen wichtigen Schritt getan.

Lesen Sie dazu auch:
TK-Gesundheitsreport: Kinder als Schutzfaktor gegen Stress

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »