Ärzte Zeitung, 14.11.2016

ADHS

Versorgungslücken und Unwissen

Neues Eckpunktepapier zu Behandlungsoptionen und Informationslücken in der Bevölkerung vorgelegt.

KÖLN. Das Zentrale ADHS-Netz hat neue Eckpunkte zu den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen veröffentlicht. Prävention, interdisziplinäre Kooperation und Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema müssen verbessert werden, heißt es in dem Papier.

"Wir wollen mit den Eckpunkten deutlich machen, dass ADHS eine häufige psychische Störung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist, die oft chronisch verläuft und für die wirkungsvolle Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen", sagte Professor Manfred Döpfner von der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Köln, der Sprecher des Zentralen ADHS-Netzes.

Es gibt weiterhin Versorgungslücken, haben die Experten festgestellt, insbesondere bei der Behandlung von Erwachsenen sowie beim Wechsel der Behandlung durch den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit muss verbessert werden.

Dazu sollten die ADHS-Verträge einzelner Krankenkassen mit Leistungserbringern ausgebaut werden, schlagen die Experten.

In der Öffentlichkeit kursierten noch immer Fehlinformationen zum Bereich ADHS und den Behandlungsmöglichkeiten dieses Störungsbildes. Notwendig sei daher eine bessere Öffentlichkeitsarbeit – sowohl mit der Zielgruppe der Erziehungsinstitutionen von Kita bis Schule und den Einrichtungen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, als auch mit Blick auf die Medien.

Präventionsprogramme seien mittlerweile entwickelt und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegt, sagte Döpfner. Jetzt gelte es aber, sie systematisch einzusetzen, etwa bei Kindern im Vorschul- und Schulalter.

Die neuen Eckpunkte wurden gemeinsam mit 17 Fachverbänden entwickelt und lösen die bislang gültigen Eckpunkte aus dem Jahr 2002 ab. Von ADHS sind in Deutschland mehr als 500 000 Kinder und Jugendliche sowie über 900 000 Erwachsene betroffen. (kab)

[14.11.2016, 15:42:00]
Jörg Dreher 
ADHS-Ablehnung : Drohen Prozesse, wenn man Adhs einfach ignoriert ?
Liebe Kollegen,
Bekanntermaßen hat man ja ein halbes Jahr Zeit bis man eine "Kenntnisnahme von neuen fachwissenschaftlichen Erkenntnissen" in die eigene Praxis geleistet haben muss.(Urteil OLG Koblenz,
20.06.2012, 5 U 1450/11. )
Link zum Urteil:
http://www.iww.de/index.cfm?pid=1314&pk=158385&spid=1296&spk=1284&sfk=18

Also, produziert die Wissenschaft klare neue Erkenntnisse, hat der Patient ein Recht auf eine
demensprechende Behandlung.

Die Psychiatriegeschichte hat viele Beispiele, was man heute nicht mehr ungestraft tun darf. Seit 2003 gibt es
ein von der DGPPN veröffentlichte Leitlinien zu ADHS im Erwachsenenalter siehe:https://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/kurzversionleitlinien/leitlinienadhserwachsenenalter.pdf

Streng genommen sind wir also alle seit spätestens 2004 in der Klemme, einschließlich von mir selbst, habe
erst 2008 mit ADHSDiagnostik begonnen. Also Patienten ab 2004 könnten uns auch verklagen, da wir ja gezwungen werden neue Erkenntnisse anzuwenden. Bei neuen Erkenntnissen wie schweren Nebenwirkungen
bei Medikamenten kann es ja schnell gehen.

Wir behandeln also innerhalb eines Rechtsstaates, der zwischenzeitlich ADHS als Erkrankung des Erwachsenenalters anerkannt hat. Es kommt ja auch im ICD 10 vor, es kommt überarbeitet im DSM 5 vor. Die
Krankenkasse+ DRV bezahlt rechtlich verbindlich Klinikaufenthalte, ambulante Behandlungen und Psychostimulanzien, wenn jemand die ADHSDiagnose bekommen hat. Krankenkassen zahlen nur wenn sie
rechtlich zahlen müssen, das weiss hier jeder !

Also rechtlich existiert ADHS ohne jeden Zweifel ! Deshalb ist es wohl sehr mutig dies nicht in psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlungen zu integrieren. Und sei es nur als Aktennotiz, dass der Patient eine Stimulanzientherapie ablehnte, weil er im RTL-TV
gehört hat, dass dies eine Erfindung der Pharmaindustrie
sei. Dies kleine Notiz kann dann vor Gericht den Unterschied ausmachen. z.B. Wenn der junge Mann sich 4 Wochen später mit dem Auto gegen den Baum gefahren hat und Tod ist; bekanntermaßen sind viele ADHSler
ausgesprochene Raser und Rüppel im Straßenverkehr. Wenn den trauernden Eltern dann einfällt, dass ihr Kind schon immer schwierig war und ja auch als Kind schon Medikamente brauchte.
Dann ist der Gedanke nicht mehr weit, wenn er die Medikamente noch genommen hätte, dann würde er vielleicht noch leben ? Ganz unabhängig, ob dies stimmt, gibt dies doch Anlass für die Eltern zu fragen, warum
hat der Psychiater der seit 5 Jahren den Sohn behandlelt hat, warum hat dieser ihm kein Ritalin verschrieben ?
Zack, ist die Falle zugeschnappt !!

Wenn Sie dann ihre Berufshaftpflicht fragen, ob diese eine Haftung übernehmen, wenn sie eine rechtlich anerkannte psychische Erkrankung nicht diagnostiziert und nicht behandlet haben, dann können sie sich das
Warten auf das Antwortschreiben sparen. Vielleicht haben Sie sogar noch auf Facebook einen HassPosting
platziert, nach dem Motto: "ADHS gibt es gar nicht, F.... Pharmaindustrie".
Das Gerichtsverfahren wird zum Trauma für sie, auch wenn sie immer noch denken, dieses blöde ADHS gibt es doch gar nicht ! BG Jörg Dreher  zum Beitrag »

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