Ärzte Zeitung, 04.07.2008

Kleiner Punktevorteil für die neue U7a

Für die zusätzliche Kindervorsorge gibt es knapp 100 Punkte mehr als für die anderen Untersuchungen 

NEU-ISENBURG (juk). 01723 - das ist die neue EBM-Ziffer für die Kindervorsorgeuntersuchung U7a, die sowohl Pädiater als auch Hausärzte abrechnen können.

Die 01723 wird - wie die anderen Ziffern für die Neugeborenen-, Kinder- und Jugendlichen-Untersuchungen (01711 bis 01722) in die Präambel des Hausarztkapitels aufgenommen. Damit ist die U7a für Hausärzte berechenbar.

Mit der Bewertung von 790 Punkten liegt die EBM-Ziffer 01723 knapp 100 Punkte über den anderen U-Untersuchungen. Grund dafür ist, dass in der Untersuchung, die zwischen dem 34. und 36. Lebensmonat bei Kindern vorgenommen werden soll, auch Sehtests enthalten sind. Die U7a ist jetzt so hoch bewertet wie die Jugendgesundheitsuntersuchung J1, die zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr möglich ist.

Bei der U7a sollen Ärzte die Eltern nach Befunden wie Krämpfen und Verhaltensauffälligkeiten fragen. Zudem sollen sie die Haut der Kinder unter anderem auch auf Hämatome und Verletzungen überprüfen. Dazu soll der ganze Körper der Kinder eingehend untersucht werden. Die neue Vorsorge-Untersuchung ist seit dem 1. Juli Kassenleistung.

Die 01723 ist für Hausärzte und Kinderärzte nicht neben der orientierenden audiometrischen Untersuchung (03335 beziehungsweise 04335) berechenbar. Für Pädiater ist im Behandlungsfall zudem die Abrechnung neben der 04431 (neurologisch-motoskopische Untersuchung) ausgeschlossen.

Bis zur Vollendung ihres fünften Lebensjahrs haben Kinder jetzt also einen Anspruch auf insgesamt zehn Vorsorge-Untersuchungen auf Kassenkosten. Damit ist sichergestellt, dass Kinder ab der Geburt mindestens einmal im Jahr eine Früherkennung beim Arzt wahrnehmen können.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hatte jüngst mit Blick auf Allgemeinärzte und Praktiker einen Qualifikationsnachweis für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen gefordert. Die Weiterbildung für Allgemeinärzte biete nur "sehr geringe Anteile an Kinder- und Jugendmedizin", hatte BVKJ-Präsidenten Dr. Wolfram Hartmann kritisiert.

[06.07.2008, 09:50:05]
Dr. Carsten Scholz 
zahlreiche pädiatrische Inhalte in der WBO Allgemeinmedizin
Dr. Carsten Scholz dr.c.a.scholz@gmx.de

Der Grund, warum viele Allgemeinärzte - wie BVKJ Chef Hartmann moniert - keine explizite pädiatrische Weiterbildungszeit vorweisen können, liegt darin, dass die in der allgemeinmedizinischen Weiterbildungsordnung geforderten pädiatrischen Inhalte wie z.B. Kindervorsorgeuntersuchungen von den Weiterbildungsassistenten auch häufig in allgemeinärztlichen Praxen mit hohem Kinderanteil erworben werden also nicht in der Pädiatrie.

Die WBO Allgemeinmedizin enthält entgegen den Behauptungen von BVKJ-Präsident Dr. W. Hartmann zahlreiche pädiatrische Inhalte: Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen, Impfberatung und Impfmaßnahmen, pädiatrische Prävention, Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie von pädiatrischen Gesundheitsstörungen, Erkennung und koordinierte Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter, Langzeit- und familienmedizinische Betreuung etc.

Gerade die neuen Kindervorsorgen U7a, U10, U11 und J2 sind für uns familienmedizinsch tätigen Hausärzte und deren Patienten von großer Relevanz, weshalb ein vom BVKJ gefordertes Exklusivrecht für Pädiater unter Ausschluß der Hausärzte für uns und unsere Patienten nicht akzeptabel ist.

Die vom BVKJ befürchtete Konkurrenz und Angst, es könnten Patienten von Kinderärzten zu Hausärzten abwandern, ist völlig unbegründet, da kein Hausarzt, der nicht schon vorher regelmäßig Kindervorsorgen durchgeführt hat (und hiervon gibt es gar nicht so viele),auf die Idee käme, ohne Kompetenz, Fortbildung und Erfahrung damit, diese plötzlich anzubieten.

Eltern und Kinder sind hoch zufrieden mit uns, ansonsten würden sie uns nicht so stark frequentieren.

Dass sowohl die allgmeinmedizinische als auch pädiatrische Weiterbildungsordnung nachbesserungsbedürftig sind, steht außer Frage.

Die pädiatrische Weiterbildungsordnung bereitet z.B. hervorragend auf die spezifisch fachärztliche Tätigkeit vor, jedoch weit weniger auf die hausärztliche und präventivmedizinische Tätigkeit durch den fehlenden obligaten ambulanten Weiterbildungsabschnitt und den fehlenden Weiterbildungsabschnitt in der Chirurgie.

Anstatt uns gegenseitig Kompetenzen abzusprechen, sollten wir - was vor Ort auch gut funktioniert - zur kollegialen Zusammenarbeit zugunsten unserer Patienten zurückkehren und uns gegenseitig mehr vertrauen und zutrauen.

Dr. med. C. Scholz
Mitglied des Forum Pädiatrie des
Hausärzteverbandes
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »