Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

KV Niedersachsen zurrt Ausgabengrenze für Arznei- und Heilmittel fest

HANNOVER (cben). Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat mit den niedersächsischen Krankenkassen für das Jahr 2009 die Ausgabengrenzen für Arzneimittel auf 2,274 Milliarden Euro und für Heilmittel auf rund 354 Millionen Euro festgelegt. Die KV bürgt für die Einhaltung der Regelung, um den Ärzten die Richtgrößenprüfung zu ersparen. Eine Taktik, die in den vergangenen Jahren nur halb aufging.

Die Vereinbarung entspricht einer Steigerung von 6,6 Prozent für Arzneien und 2,1 Prozent für Heilmittel gegenüber 2008, teilte die KV Niedersachsen mit. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren bürgt die KVN, falls die Kollegen im Nordwesten das Limit überschreiten sollten. Die KVN übernehme damit wie in den beiden vergangenen Jahren "die finanzielle Verantwortung für die Begrenzung der Ausgaben", hieß es. Sie hat sich verpflichtet, eine Überschreitung der Ausgabenobergrenze bei den Arzneimitteln mit bis zu sechs Millionen Euro und im Heilmittelbereich bis zu 3,1 Millionen Euro auszugleichen. Sowohl für den Arzneimittelbereich als auch für den Heilmittelbereich gilt, dass bei Einhaltung der Budgets keine Richtgrößenprüfungen für das Jahr 2009 durchgeführt werden, hieß es.

Diese speziell niedersächsische Regelung wurde 2007 erstmals als Ersatz für die Bonus-Malus-Regelung umgesetzt. Die KVN hatte sich verpflichtet, 9,5 Millionen Euro zu zahlen, sollten die Arzneimittelkosten im Jahr 2007 über die vereinbarten 2,22 Milliarden Euro steigen. Genau dies ist aber laut KVN nun eingetreten.

Ob die KV nun ins Portemonnaie greifen muss, und ob nun Richtgrößenprüfung anstehen, ist indessen offenbar noch nicht ausgemacht. Denn wie schon vor knapp einem Jahr deutlich wurde, blieben die niedersächsischen Kollegen trotz ihrer gesteigerten Ausgaben noch unter der Steigerung auf Bundesebene. "Für 2007 haben wir die Latte gerissen", sagte ein Sprecher der KVN zur "Ärzte Zeitung", "aber die Konsequenzen sind im Einzelnen noch nicht absehbar. Wir befinden uns in Verhandlungen."

Für 2008 sieht es nach anfänglich hohen Verordnungskosten offenbar besser aus. "Es zeichnet sich die Möglichkeit ab, dass wir die Vereinbarung halten können", so der KV-Sprecher. Die Arzneimittelrichtgröße lag für 2008 wie für das Jahr zuvor bei 2,051 Milliarden Euro - plus 3,5 Prozent Innovationszuschlag. Insgesamt also 2,122 Milliarden Euro. Außerdem wurden 2008 die individuellen Budgets um vier Prozent erhöht. Wenn die Kollegen in Niedersachsen unter dieser Marge bleiben, haben sie auch für 2008 keine Richtgrößenprüfungen zu fürchten. "Endgültige Zahlen für 2008 liegen aber erst im Sommer 2009 vor", sagte der KVN-Sprecher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »