Ärzte Zeitung online, 02.01.2009

Jahresanfang mit "Schwarzem Donnerstag der Gesundheitsversorgung"

KÖLN (iss). Als "Schwarzen Donnerstag für die Gesundheitsversorgung in Deutschland" hat der Präsident der Freien Ärzteschaft Martin Grauduszus die Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 bezeichnet. 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte könnten sich ihrer gesundheitlichen Versorgung nicht mehr sicher sein, warnte er.

Der Fonds sei bereits jetzt unterfinanziert und befinde sich in bedenklicher Abhängigkeit von Steuerzuschüssen, die staatliche Reglementierungen erleichtern. "Ärzte können und dürfen für ihre Patienten nicht mehr alles tun, wofür sie ausgebildet wurden, weil das Geld fehlen wird", sagte Grauduszus.

Schon der mit der Erhebung eines Zusatzbeitrags verbundene große Verwaltungsaufwand sei ein Zeichen, wie sehr der Gesundheitsfonds mit heißer Nadel gestrickt worden sei. "Rund ein Drittel des so eingenommenen Geldes wird die zusätzliche Bürokratie verschlingen", sagte er.

Die Freie Ärzteschaft habe den Gesundheitsfonds von Anbeginn an kritisiert und werde den Kampf jetzt verstärkt fortführen, kündigte Grauduszus an. "Der beginnende Bundestagswahlkampf bietet uns dazu eine willkommene Plattform."

Gerade der Bundestagswahlkampf werde die Politiker daran hindern, sich um die Baustellen im Gesundheitswesen zu kümmern, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, befürchtet der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst. "Die Alarmglocken schrillen", sagte er.

Die Ärzte wollten im neuen Jahr keine Weltuntergangsstimmung verbreiten. "Panikmache schadet. Aber es ist unsere Aufgabe, immer wieder auf Missstände und Gefahren für die Versorgung hinzuweisen", sagte der Kammerpräsident. In allen Bereichen des Gesundheitswesens herrsche nach wie vor ein gravierender Finanzmangel. Das mache die Patientenversorgung schwierig. Hinzu komme die Besorgnis erregende Entwicklung beim ärztlichen Nachwuchs. "Ohne junge Ärztinnen und Ärzte ist die wohnortnahe Versorgung gefährdet", sagte Windhorst.

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