Ärzte Zeitung, 23.01.2009

Honorarreform: Was Ärzte ärgert, lässt Schmidt nicht kalt

Juristen vermuten Berechnungsfehler / Ministerium rügt KV-Informationspolitik

BERLIN (juk/HL). 2,7 Milliarden mehr Honorar im Vergleich zu 2007 - doch bei etlichen Ärzten gibt es nach den RLV-Bescheiden lange Gesichter. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt lässt das nicht kalt: Sie gibt den KVen die Schuld.

Honorarreform: Was Ärzte ärgert, lässt Schmidt nicht kalt

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Foto: eh

Dass solche Schuldzuweisungen berechtigt sein können, wird von Arztrechtlern bestätigt: Der Berliner Jurist Ronny Hildebrandt hält es für möglich, dass die RLV-Berechnungen Fehler aufweisen. "Ob die KVen die Fallwerte oder Fallzahlen richtig berechnet haben, das ist noch gar nicht klar." Auch zeigt sich, dass von den Beschlüssen des Bewertungsausschusses teilweise abgewichen wird. So werden etwa in Schleswig-Holstein Ärzten in fachungleichen Gemeinschaftspraxen für die Behandlung gemeinsamer Patienten nur halbe statt ganze Arztfälle zugestanden. Hildebrandts Empfehlung: Auf jeden Fall Widerspruch gegen den RLV-Bescheid einlegen.

Die Auswirkungen der Honorarreform sind wieder beim Urheber angekommen: der Politik. In einem Schreiben an die Abgeordneten der Koalition erläutert Schmidt, dass das Honorar der Vertragsärzte im Vergleich zu 2007 um 2,75 Milliarden Euro steigt: "Es kann nicht sein, dass dieses Geld nicht ankommt", so Schmidt. Probleme bei der Umsetzung der Reform seien bisher in sechs von 17 KVen bekannt. Vordringlich sei, dass KVen die Ärzte über die RLV-Bescheide aufklärten - vor allem auch darüber, dass neben den RLV weitere extrabudgetäre Leistungen vergütet werden.

Schmidt vermutet ein weiteres Phänomen: eine große schweigende Mehrheit von Ärzten, die finanziell erheblich von der Reform profitiert. Ein Beispiel: Kardiologen in Schleswig-Holstein ärgern sich über die öffentliche Darstellung als Reformgewinner. Tatsächlich würden nur vergangene Verluste teilweise ausgeglichen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Eigenmächtige Korrekturen

Lesen Sie dazu auch:
Stimmt alles bei den Regelleistungsvolumen? Daran haben nicht nur Ärzte Zweifel
Ulla Schmidt weist Honorar-Kritik scharf zurück
Wie werden nicht dringende Hausbesuche vergütet?
Methadon-Substitution: Trotz Aufwertung gibt es Verluste
Ist ein Langzeit-EKG auch über mehrere Tage hin abrechenbar?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »