Ärzte Zeitung, 27.01.2009

Kommentar

Alles richtig gemacht

Von Rebekka Höhl

Es ist immer dasselbe: Wird von nur einem Arzt bekannt, dass er unter Verdacht steht, bei der Abrechnung etwas nachgebessert zu haben, ist das Geschrei in der Öffentlichkeit groß. Alles Betrüger! Und das, obwohl Ärzte doch genug verdienten.

Aber das ist wohl etwas zu einfach gedacht. Nicht nur, weil die Honorare der Niedergelassenen weniger üppig ausfallen als oft angenommen. Sondern weil tatsächlich nur ein Bruchteil der Ärzte überhaupt jemals in den Verdacht des Abrechnungsbetrugs gerät. Die KV Rheinland-Pfalz zumindest spricht von noch nicht einmal ein Prozent ihrer Mitglieder. Und bewiesen ist bei diesen Verdachtsfällen noch gar nichts. Auch wenn die Öffentlichkeit das hin und wieder anders sieht.

Das Problem liegt auch weniger in der Gier der Ärzte nach mehr Einkommen als in der Komplexität des EBM. Wenn 99 Prozent aller falsch abgerechneten Ziffern auf Irrtümern der Ärzte beruhen - so die Erkenntnis der KV Hessen -, dann ist das Regelwerk für ärztliche Vergütung vielleicht zu undurchsichtig, und es bräuchte eventuell an dieser Stelle eine Nachbesserung.

Die Niedergelassenen haben sich zumindest nichts vorzuwerfen: Sie haben zu fast 100 Prozent alles richtig gemacht.

Lesen Sie dazu auch:
So wird nach Abrechnungsbetrügern gefahndet

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