Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

Heiße Phase im Kampf um Hausarztprogramme beginnt

BERLIN (dpa). Im Wettkampf um die von Sommer an vorgeschriebenen Hausarztprogramme für die gesetzlich Krankenversicherten beginnt die heiße Phase. Der Ersatzkassenverband vdek steigt parallel zu den Verhandlungen mit dem Deutschen Hausärzteverband jetzt in Gespräche mit weiteren Anbietern ein.

An die Adresse des Hausärzteverbands sagte der vdek-Vorsitzende Thomas Ballast am Donnerstag in Berlin: "Wir beugen uns keinen Erpressungen." Im vdek sind Vertreter von Techniker Krankenkasse, Barmer, DAK, KKH-Allianz und anderen Kassen zusammengeschlossen.

Rund ein Dutzend Ärztenetze und -gemeinschaften hätten Vorschläge gemacht. "Unmittelbar nach Ostern fangen wir an, mit ihnen zu sprechen", sagte Ballast. Schwerpunktmäßig hätten sich Ärztenetze in Ost- und Norddeutschland gemeldet - "von Hessen und Niedersachsen aufwärts". Die Verhandlungen mit dem Hausärzteverband liefen weiter.

Der Abschluss solcher Verträge ist den gesetzlichen Kassen bis zum 30. Juni vorgeschrieben. Hausarztverträge sollen Versicherten gegen eine freiwillige stärkere Bindung an ihren Doktor mehr Qualität bringen. Kritiker, darunter mehrere Landesregierungen, warnen vor einer Monopolstellung des Hausärzteverbands durch das Gesetz.

Der vdek sieht im Namen von mehr als 24 Millionen Versicherten die Vertragspflicht kritisch. Wenn es bundesweit Hausarztprogramme gäbe nach dem Muster des bayerischen Abschlusses zwischen Hausarztverband und AOK drohten den Beitragszahlern Mehrkosten von bis zu vier Milliarden Euro. "Die Hausärzte bekommen dann eine höhere Vergütung, ohne dass sich für den Versicherten die Leistungen spürbar verbessern", sagte Ballast.

Der vdek-Chef warnte zudem davor, dass immer mehr Allgemeinärzte den ländlichen Regionen verloren gehen, wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ihre steuernde Funktion verlieren. "Wir sind nicht glücklich, wenn die KVen erodieren", sagte er. Andere Ärzteverbände könnten die Steuerung nicht ausreichend übernehmen. So könnten auch an den von den Ersatzkassen alternativ angestrebten Programmen Kassenärztliche Vereinigungen eingebunden sein.

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