Ärzte Zeitung online, 03.09.2009

Marburger Bund: Es darf in der Patientenversorgung keinen Platz für Bestechung geben

BERLIN (ava). Gegen jede Form von Bestechung in den Vertragsbeziehungen zwischen Ärzten und Krankenhäusern hat sich am Donnerstag der Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Rudolf Henke gewandt. "Dafür darf kein Platz sein," stellte er fest.

Patienten müssten darauf vertrauen können, dass bei allen medizinischen Entscheidungen des Arztes seine innere Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Denn, so Henke: "Wer soll noch an diese Unabhängigkeit glauben, wenn der Arzt für die Wahl einer bestimmten Behandlungsmethode, einer bestimmten Verordnung oder für die Überweisung in ein bestimmtes Krankenhaus einen finanziellen Vorteil einstreicht?" Solche Praktiken gefährden laut Henke das Grundvertrauen der Patienten in die ärztliche Tätigkeit. "Sie erzeugen Zweifel, dass der ärztliche Rat sich einzig und allein am Wohl der Patienten orientiert", kommentierte Henke Berichte über Prämien an niedergelassene Ärzte, die einige Kliniken für die Einweisung von Patienten gezahlt haben sollen.

"Nur für medizinische Leistungen, die der Arzt tatsächlich gegenüber der Klinik erbracht hat, darf auch eine Vergütung gezahlt werden," so Henke weiter. Es sei nicht akzeptabel, wenn beispielsweise auf der Grundlage eines Vertrages über integrierte Versorgung prä- oder postoperative Behandlungsleistungen überhöht vergütet werden, um dadurch nicht beteiligte Krankenhäuser auszubremsen und Zuweisungen im Rahmen des Integrationsvertrages sicherzustellen. Diese Machenschaften müssten mit allem Nachdruck unterbunden werden. "Wo Ärztekammern davon erfahren, können und müssen sie berufsrechtlich eingreifen", forderte Henke. Er wies allerdings auch darauf hin, dass den Ärztekammern keine polizeilichen oder staatsanwaltlichen Ermittlungsbefugnisse zustehen. Insofern seien zur Abwehr von Korruption auch Polizei und Staatsanwaltschaften gefragt.

Der MB-Vorsitzende erneuerte in diesem Zusammenhang aber auch seine Warnungen vor einem unkontrollierten Preiswettbewerb in den Krankenhäusern. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die staatliche Daseinsvorsorge weiter abgebaut, die Krankenhausplanung bedeutungslos und die Kassen zu Einkäufern von Krankenhausleistungen gemacht werden, die für einen Rabatt mehr zugewiesene Patienten versprechen."

Lesen Sie dazu auch:
Viele Vereinbarungen entpuppen sich als illegal
Kein gutes Bild in der Öffentlichkeit
Ärzte räumen mehrere Kanäle zur Bereicherung ein
Montgomery nimmt Ärzteschaft in Schutz
Ärzte empört über Bestechungsdebatte
Verlogene Debatte um Zuweiser

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »