Ärzte Zeitung, 31.05.2010

Krankenkasse setzt den Rotstift an

Allein die Techniker Kasse spart über drei Millionen Euro ein / Kürzungen bei 2,1 Prozent der Klinikrechnungen

KIEL (di). Die Kliniken im Norden mussten im vergangenen Jahr Rechnungskürzungen in Höhe von über drei Millionen Euro allein bei der Techniker Krankenkasse (TK) akzeptieren. Viele Kliniken wehren sich wegen des damit verbundenen Aufwands nicht.

Krankenkasse setzt den Rotstift an

Kassen kürzen bei Klinikrechnungen.

© Gina Sanders / fotolia.com

"Die einzige Reaktionsmöglichkeit liegt in dem Gang zu den Sozialgerichten. Die lange Verfahrensdauer und der damit verbundene Verwaltungsaufwand schrecken viele ab, diesen Weg zu gehen", sagte Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft SchleswigHolstein (KGSH).

Nach Angaben der TK im Norden hat die Kasse im vergangenen Jahr insgesamt rund 53 000 Klinikrechnungen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 150 Millionen Euro erhalten. 7,5 Prozent von ihnen enthielten nach Kassenangaben "medizinische Implausibilitäten", die vom Medizinischen Dienst geprüft wurden. Bei 2,1 Prozent aller Rechnungen nahm die Kasse schließlich Kürzungen vor. Nach KGSH-Angaben entspricht das Prüfergebnis der TK einer durchschnittlichen Rechnungskürzung von 58,49 Euro.

TK-Leiter Dr. Johann Brunkhorst hält die Prüfungen für unverzichtbar, weil "im hochkomplexen Fallpauschalensystem Fehler bei der jeweiligen Diagnose und damit Abrechnungsfehler passieren". Ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Kliniken sieht Brunkhorst in den Prüfungen nicht. Er hält die Kassen für "einseitig bestraft", wenn Prüfungen ergebnislos verlaufen. Dann müssen Kassen 300 Euro an die Kliniken zahlen. Krämer dagegen hält diese Aufwandspauschale noch für zu gering: "Sie sollte erhöht werden. Nur so kann die bürokratische und finanzielle Belastung der Kliniken durch übermäßige MDK-Prüfungen eingedämmt werden." Nach seinen Angaben sind Ärzte und andere Klinikmitarbeiter durchschnittlich zwei Stunden lang mit einer MDK-Anfrage beschäftigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »