Ärzte Zeitung online, 22.06.2010

AOK Niedersachsen: 93 Anzeigen wegen Falschabrechnung im Gesundheitswesen

HANNOVER (cben). Die Untersuchungsgruppe der AOK Niedersachsen und anderer Krankenkassen im Land haben bei Leistungserbringern im Gesundheitswesen in den Jahren 2008/2009 Falschabrechnungen 3,6 Millionen Euro aufgedeckt.

Insgesamt wurden 871 neue Fälle angelegt. 93 Mal wurde Strafanzeige wegen Verstößen gegen das Sozial-, Straf-, Berufs- oder sonstiges Recht gestellt, so die AOK. Die Zahl der Fälle mit Schadensvolumen ab 100 000 Euro oder mehr steige stetig, hieß es, die Straftaten "erstrecken sich auf alle Bereiche des Gesundheitswesens".

Zum Vergleich: Insgesamt rechnete allein die AOK mit der KV Niedersachsen im Untersuchungszeitraum rund 2,6 Millionen Fälle ab mit einem Volumen von rund einer Milliarde Euro, so AOK-Sprecher Klaus Altmann zur "Ärzte Zeitung".

Die größte Schadenssumme verursachten Falschabrechnungen von Arzneimitteln, der Schaden betrug 1,7 Millionen Euro. Bei den Heilmitteln entstand ein Schaden von 533 000 Euro und durch Falschabrechnungen von Ärzten 390 000 Euro. Bei der Anzahl der Vergehen liegen die Ärzte mit 22 Prozent ganz vorne, gefolgt von den Patienten mit 18 Prozent aller Fälle. "Alle diese Zahlen sind nur Momentaufnahmen im Abrechnungsgeschehen", warnte Altmann, "man darf daraus nicht auf das gesamte Abrechnungsverhalten schließen."

Die Untersuchungsgruppe Falschabrechnungen stoße indessen immer öfter "auf vernetzte Strukturen bis hinein in den Bereich der organisierten Kriminalität", hieß es. So bot ein Lieferant Ärzten an, ihnen im Gegenzug für die Verordnung überhöhter Mengen Sprechstundenbedarfs teure Sachmittel oder Dienstleistungen wie medizintechnische Kontrollen zu schenken. In einem anderen Fall betrogen ein Arzt, ein Apotheker und eine Reihe Versicherter gemeinsam: Der Arzt stellte unnötig Rezepte für Arzneimittel aus, die von den Patienten nicht eingelöst wurden, sondern die ein Mittelsmann in der Apotheke gegen Geld und Waren tauschte. Auch Einzeltäter wie etwa ein Gebärdendolmetscher, der abgerechnete Leistungen gar nicht erbracht hatte, oder eine Hebamme, die nicht stattgefundene Hausbesuche abrechnete, haben Schäden von 100 000 Euro oder darüber verursacht.

Die Untersuchungsgruppe stoße vor allem durch Anzeigen, öfter auch durch Hinweise der Polizei oder rechnerische Auffälligkeiten auf die Falschabrechnungen, erklärte Altmann.

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