Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

Gynäkologen fordern mit Petition Sofort-Reparaturen an Honorarreform

KÖLN (iss). Mit einer Petition an den Deutschen Bundestag sowie die Landtage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz will die frauenärztliche Genossenschaft GenoGyn auf die Benachteiligung von Frauen durch die Honorarreform aufmerksam machen.

Gynäkologen fordern mit Petition Sofort-Reparaturen an Honorarreform

Sind Brustuntersuchungen per Ultraschall als Krankenkassenleistung bald nicht mehr anzubieten?

© Klaro

In Nordrhein und Rheinland-Pfalz - der Stammregion der Genossenschaft - seien die Honorare der Frauenärzte auf ein erschreckend niedriges Niveau gesunken, beklagt GenoGyn. In Nordrhein betrage das Regelleistungsvolumen (RLV) 15,07 Euro, in Rheinland-Pfalz 13,69 Euro, das qualitätsgebundene Zusatzvolumen (QZV) durchschnittlich 1,00 Euro.

Für die Mamma-Sonografie erhielten die Gynäkologen nur noch 44 Cent, für die psychosomatische Grundversorgung 83 Cent, heißt es in der Petition. Erschwerend komme hinzu, dass die Leistungen der Empfängnisregelung, die sogenannten sonstigen Hilfen, nicht länger extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung vergütet werden.

Den Praxen drohe durchschnittlich ein Honorarverlust von 6000 Euro im Quartal. "Das kommt einer Enteignung gleich und gefährdet akut nicht nur die Existenz zahlreicher frauenärztlicher Praxen mit den damit verbundenen Arbeitsplätzen, sondern auch die flächendeckende Versorgung der Frauen."

Mit der Petition will die GenoGyn politische Änderungen am Beschluss des Bewertungsausschusses vom 26. März 2010 erreichen, der die Grundlage für die neue Honorarsystematik seit dem 1. Juli ist. Außerdem fordert die Genossenschaft die sofortige Herausnahme der Mamma-Sonografie und der psychosomatischen Grundversorgung aus den QZV. Gleichzeitig sollen die sofortigen Hilfen wieder aus den RLV und QZV entfernt werden.

Die GenoGyn hat zum ungewöhnlichen Mittel der Petition gegriffen, um auf die eklatanten Probleme der Frauenärzte aufmerksam zu machen, sagt Vorstandsmitglied Dr. Helge Knoop der "Ärzte Zeitung". "Auch alle anderen Möglichkeiten wie den Widerspruch gegen den RLV-Bescheid und die Klage vorm Sozialgericht schöpfen die Kollegen aus."

Bereits im Juni, als sich die Folgen der Honorarreform für die Frauenärzte abzeichneten, hat die GenoGyn einen offenen Brief an den Bewertungsausschuss geschrieben. "Bis heute haben wir keine Antwort erhalten", kritisiert Knoop.

Dabei sei die Lage vieler Versorgerpraxen dramatisch. "Die Honorareinbrüche kann man nicht durch Privatpatienten und individuelle Gesundheitsleistungen kompensieren." Viele Leistungen seien bei weitem nicht mehr kostendeckend", sagt der Gynäkologe, der selbst vor einem Jahr seine Praxis aufgegeben hat.

Auf Dauer könnten die Mediziner Leistungen wie den Ultraschall der Brust oder die psychosomatische Grundversorgung ihren Patientinnen nicht mehr über die gesetzliche Krankenversicherung anbieten. "Die Frauen sind die Hauptleidtragenden dieser Entwicklung", betont Knoop.

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