Ärzte Zeitung, 08.10.2010

Der Standpunkt

Arzthonorare: Neiddebatte mit Eigenbeteiligung

Von Hauke Gerlof

Arzthonorare: Neiddebatte mit Eigenbeteiligung

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Die Vertragsärzte haben wirklich keine gute Presse in diesen Tagen: Die Honorarvereinbarung für 2011 ist noch nicht einmal unter Dach und Fach, und schon beginnt die Neiddebatte über die Ärztehonorare von vorne.

"Dr. med. Nimmersatt" titelt etwa die "SZ" über ihren Kommentar, in den Nachrichten wird von "Rekordhonoraren" gesprochen, und der Deutsche Gewerkschaftsbund tönt, das Milliardenplus der Ärzte sei eine "frivole Ausschweifung".

Der Populismus in der Debatte ist nicht neu. Wenn Stahlkocher Lohnerhöhungen von mehr als drei Prozent bekommen, spricht keiner von "Rekordlöhnen", obgleich sie es genauso sind wie die Honorare der Ärzte. Und wie immer wird auch gerne mit Honorarzahlen im hohen sechsstelligen Bereich argumentiert, die Höhe der Praxiskosten wird aber gerne verschwiegen.

Die Ärzte haben in der Debatte mit einem strukturellen Problem zu kämpfen: Das komplizierte Honorarsystem führt dazu, dass eine vereinbarte Steigerung der Honorare für eine Region - anders als bei Metallarbeitnehmern - nicht linear bei allen Ärzten ankommt. Änderungen in der Honorarsystematik können bei einzelnen Arztgruppen mit einem deutlichen Umsatzminus zu Buche schlagen. Die Verlierer melden sich dann so laut zu Wort, dass es immer so aussieht, als ob die Ärzte nie mit ihren Honoraren zufrieden sind. Die Gewinner genießen derweil in der Stille.

Die Problematik dabei ist, dass die Verlierer gerne verschweigen, wenn sie bei der Runde davor kräftig gewonnen haben. Die Folge: Die Neiddebatte der Ärzte untereinander gibt dem Populismus der Politiker und in der Publikumspresse Nahrung.

Natürlich hat die Asymmetrie 2011 mit Verwerfungen der Vorjahre zu tun. Das Problem ist nur, dass kaum noch ein Arzt richtig durchblickt. Der Grund dafür ist, dass den Vertragsärzten jahrelang vorgegaukelt worden ist, es könne eine Honorarbemessung nach objektiven Kriterien geben - tatsächlich aber nach opportunistischen Erwägungen gehandelt wurde.

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