Ärzte Zeitung, 20.10.2010

RLV-Fallzahlen: Nur vier KVen knacken die 40-Euro-Marke

Ein RLV-Fallwert von über 40 Euro? Das ist möglich, zumindest in vier KVen. Für die meisten Regionen gilt aber auch im vierten Quartal: Das große Plus lässt weiter auf sich warten.

Von Rebekka Höhl

RLV: Ärzte müssen weiterhin genau rechnen

Plus oder Minus? Für den einen oder anderen Arzt hält der aktuelle RLV-Bescheid durchaus eine Überraschung bereit.

© Laurent Hamels / fotolia.com

Das vierte Quartal für Vertragsärzte läuft und mit ihm gibt es neue RLV-Fallzahlen. Zwar bleiben die großen Sprünge nach oben aus, aber dieses Mal auch die extremen Absacker nach unten.

Trotzdem: In neun KV-Regionen müssen Hausärzte einen sinkenden RLV-Fallwert hinnehmen. Mancherorts steigt dabei aber zumindest die Fallzahl, so dass das Minus nicht ganz so stark ausfällt.

Und es gibt ja noch die qualifikationsgebundenen Zusatzvolumina (QZV), mit ihren eigenen Fallwerten oder in so mancher KV-Region auch mit eigenen Töpfen oder Festbeträgen pro Arzt.

Doch auch hier wurde zum Teil nach unten hin berichtigt. Interessant ist: Hamburg hat in diesem Quartal Nordrhein den Rang um den niedrigsten RLV-Fallwert abgelaufen.

Wobei es durch die neuen QZV und dadurch, dass der Spielraum für die Bildung dieser QZV und auch für die Berechnung ihres jeweiligen Fallwertes so groß ist, schwierig geworden ist, die Werte aus den KVen miteinander zu vergleichen. Trotzdem lohnt der Blick in andere KVen.

Das RLV allein bestimmt nicht das Arzt-Budget

Seit dem dritten Quartal 2010 gibt es zwei feste Honorargrößen, mit denen Vertragsärzte rechnen müssen: ihr Regelleistungsvolumen (RLV) und ihre qualifikationsgebundenen Zusatzvolumina (QZV). Dabei finden sich vor allem die zuvor "freien Leistungen" wie Akupunktur oder Schmerztherapie in den neuen QZV. Teilweise wurden aber auch extra QZV für dringende Besuche oder die Unvorhergesehene Inanspruchnahme gebildet. Um zu wissen, welches Budget fest zur Verfügung steht, müssen Ärzte daher zu ihrem RLV die einzelnen QZV, die ihnen zugeteilt wurden, hinzurechnen.
Das Gute daran ist: RLV und QZV lassen sich miteinander verrechnen. Ebenso können einzelne QZV untereinander verrechnet werden, falls etwa ein QZV nicht voll ausgeschöpft ist.

Sachsen: Hausärzte in Sachsen können sich über eine steigende Durchschnitts-Fallzahl (980 statt 912 im 3. Quartal) und einen leicht steigenden RLV-Fallwert freuen. Wobei das Plus minimal ist: Statt 39,42 Euro im Vorquartal gibt es nun 39,70 Euro. Bei den QZV wird gerne leistungsfallbezogen vergütet, so gibt es für dringende Besuche auch einen QZV-Fallwert von 57,26 Euro.

Sachsen-Anhalt:

Die RLV-Fallzahl sinkt wieder leicht unter die 35-Euro-Marke (34,93 Euro), unter der sie sich bereits im zweiten Quartal 2010 befand (34,64 Euro). Aber auch im dritten Quartal wurde nur ein Fallwert von 35,64 Euro erreicht. Die Fallzahl hingegen wurde von 1073 in 3/2010 auf nun 1101 erhöht. Bei den QZV bietet Sachsen-Anhalt eine Besonderheit: Für die dringenden Besuche gibt es einen Betrag pro Arzt, und dieser ist von 690,95 Euro im dritten Quartal auf 718,11 Euro gestiegen.

Brandenburg: In Brandenburg setzt sich der leichte Aufwärtstrend aus den ersten Quartalen dieses Jahres fort. Der RLV-Fallwert knackt mit seinen 40,60 Euro dieses Quartal sogar die 40-Euro-Marke, die Fallzahl bleibt allerdings konstant bei 1001 - wie auch schon im dritten Quartal. Und auch in Brandenburg ist der Anstieg nur minimal: Der Fallwert lag in 1/2010 bei 37,43, in 2/2010 bei 39,33 und in 3/2010 bei 39,41 Euro.

Berlin: Die Berliner Hausärzte müssen erneut ein kleines Minus beim RLV-Fallwert hinnehmen. Von 38,98 Euro in 2/2010, über 38,50 Euro in 3/2010 sinkt der Fallwert in 4/2010 auf 38,09 Euro. Die Fallzahl bleibt allerdings konstant bei 900. Und bei den QZV nutzt die KV Berlin ausgiebig die verschiedenen Berechnungsmethoden. So gibt es für die Akupunktur einen leistungsfallbezogenen QZV-Wert von 147 Euro, die Langzeit-Blutdruckmessung wurde mit einem RLV-Fallbezogenen QZV-Wert von 0,13 Euro versehen und für die Dringenden Besuche gibt es einen extra Topf im Versorgungsbereich.

Thüringen: Thüringen ist von der Spitzenreiterposition bei den RLV-Fallwerten nicht wegzubekommen. Zwar sinkt der Fallwert um über drei Prozent, liegt aber noch immer bei 45,51 Euro (47,07 in 3/2010). Und die durchschnittliche Fallzahl wurde von 940 im dritten Quartal auf 974 erhöht. Die QZV werden den thüringischen Hausärzten leistungsfallbezogen zugeteilt. So verwundert es auch nicht, dass der QZV-Wert für die Akupunktur 185,88 Euro (166,75 Euro in 3/2010) beträgt. Allerdings gibt es für dringende Besuche ab diesem Quartal weniger Geld: Hier wurde der QZV-Wert von 72,10 Euro in 3/2010 auf 66,23 Euro gesenkt.

Schleswig-Holstein: Bei den Hausärzten im Norden ist das Minus mit über acht Prozent schon etwas größer als in anderen Regionen - der RLV-Fallwert wurde von 39,77 Euro im dritten Quartal auf 36,65 Euro gestutzt. Aber auch hier steigt zumindest die Fallzahl von 755 auf 814.

Hamburg: Hamburgs Hausärzte sind wie gesagt die Schlusslichter bei den RLV-Fallwerten, mit 32,98 Euro in diesem Quartal. Im dritten Quartal lag der Fallwert noch bei 35,06 Euro - also ein Minus von über sechs Prozent. Und auch die Fallzahl wurde nur leicht von 704 in 3/2010 auf nun 747 erhöht. Die QZV-Werte werden in dem Stadtstaat im Gros leistungsfallbezogen zugewiesen. Für die dringenden Besuche liegt der QZV-Wert etwa bei 42,43 Euro, aber im Schnitt werden auch nur zwölf Leistungsfälle anerkannt.

Bremen: In Bremen bleibt der RLV-Fallwert mit seinen 36,23 Euro nahezu konstant (36,73 in 3/2010). Und auch die Fallzahl schwankt nur gering: Sie steigt von 771 auf 773. Für Bremerhaven liegt die durchschnittliche RLV-Fallzahl allerdings bei 1025.

Niedersachsen: Die Hausärzte in Niedersachsen erhalten in diesem Quartal einen RLV-Fallwert von 38,05 Euro.

Westfalen-Lippe: Der RLV-Fallwert in diesem Quartal dürfte für die Hausärzte eine kleine Überraschung sein. Denn in Westfalen war der Fallwert in diesem Jahr eher rückläufig, nun liegt er bei 36,01 Euro (31,79 Euro in 2/2010).

Nordrhein: Keinen Grund zur Freude haben die Ärzte in Nordrhein, auch wenn sie nicht mehr Schlusslicht bei den RLV-Fallwerten sind. Denn ihr Fallwert sinkt wieder - aber immerhin nur im Cent-Bereich - von 33,96 Euro im dritten Quartal auf nun 33,91 Euro. Und: Für einige QZV gibt es extra Töpfe im Versorgungsbereich und keine eigenen QZV-Fallwerte, so zum Beispiel für die Akupunktur und die dringenden Besuche.

Rheinland-Pfalz: Nach zwei Quartalen mit RLV-Fallwerten über 40 Euro - in 2/2010 betrug der Fallwert 41,96 Euro und 41,12 Euro in 3/2010 - sinkt der Fallwert wieder und zwar auf 38,38 Euro.

Hessen: Hessens Hausärzte erhalten ein kleines Plus. Ihr RLV-Fallwert steigt von 38,19 Euro im dritten Quartal auf jetzt 39,82 Euro.

Baden-Württemberg: Der RLV-Fallwert bleibt weiterhin bei über 41 Euro, aber gleichzeitig hält der leichte Abwärtstrend an. Wurde im zweiten Quartal noch ein RLV-Fallwert von 41,61 Euro angesetzt, waren es im dritten Quartal noch 41,36 Euro und nun sind es 41,18 Euro.

Saarland: Im Saarland hat die KV die RLV-Fallwerte gleich für zwei Quartale festgelegt, so liegt der Fallwert wie auch schon im dritten Quartal bei 38,13 Euro. Auch die Fallzahl bleibt konstant bei 888. Die KV Saarland lässt aber auch in die Fallwerte für Fachärztliche Allgemeinärzte mit Schwerpunkten blicken: Beim Schwerpunkt Allergologie beträgt der Fallwert zum Beispiel 54,84 Euro und die durchschnittliche Fallzahl liegt bei 650.

Bayern: Die Region gehört zu den wenigen KV-Gebieten, in denen ein RLV-Fallwert über 40 Euro erreicht wird. Im vierten Quartal sind es genau 42,43 Euro, während es im zweiten Quartal 42,77 Euro waren.

Die KV Mecklenburg-Vorpommern wollte sich gegenüber der "Ärzte Zeitung" nicht zu den aktuellen Fallwerten äußern.

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