Ärzte Zeitung online, 27.05.2011

Pneumologen warnen: Protest gegen AKR kann teuer werden

HEIDENHEIM (mn). Der Protest gegen die Allgemeinen Kodierrichtlinien (AKR) könnte die niedergelassenen Ärzte richtig Geld kosten. Davon geht der Bundesverband der Pneumologen (BdP) aus.

Pneumologen warnen: Protest gegen AKR kann teuer werden

Fingerzeig von den Pneumologen: Protest gegen die Kodierrichtlinien kann richtig ins Geld gehen.

© Schlünz

Der Verband fordert daher, dass einzelne Fachgruppen die Kodierrichtlinien einführen dürfen, um sich von der trägen Masse der AKR-Verweigerer entkoppeln zu können, heißt es in einem Schreiben des BdP.

"Wir wollen für die Lungenfachärzte schnellstmöglich die Kodierrichtlinien umsetzen - notfalls im Alleingang", sagt Dr. Andreas Hellmann, Bundesvorsitzender des BdP.

Künftig sei es wichtig für die Krankenkassen, nachzuweisen, dass in Deutschland die Morbidität tatsächlich ansteige. Nur dann, so der Verband, erhalten die Kassen mehr Finanzmittel und die Ärzte mehr Honorar. Dazu müssten die ärztlichen Leistungen verschlüsselt werden, damit man statistische Daten zum Anstieg der Krankheitshäufigkeit habe.

Für die Kassen zähle jetzt nicht mehr "jung und gesund", sondern der Erkrankte stehe im Mittelpunkt. "Dafür haben wir lange gekämpft, jetzt sperren sich einige von uns Ärzten", sagt Hellmann.

Der Verband geht davon aus, dass wenn die Kodierrichtlinien nicht umgesetzt werden, den niedergelassenen Ärzten bundesweit 400 Millionen Euro verloren gehen würden.

Der BdP fordert daher unter anderem: eine rasche Einführung der AKR, Fachgruppen sollten selbst die AKR einführen dürfen, um sich nach Morbidität zu entwickeln, eine Erweiterung der Kodierung, um zum Beispiel den Kontrollgrad des Asthma bronchiale kodieren zu können. Nur so lasse sich der tatsächliche Aufwand für den Pneumologen dokumentieren.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt setzt sich für eine schnelle Umsetzung der AKR ein. Sie hat die Vertragsärzte in Sachsen-Anhalt aufgefordert, ab 1. Juli nach den AKR zu kodieren.

Eine Einigung, zwischen der Kassenärztlicher Bundesvereinigung und den Krankenkassen über die Umsetzung der AKR steht jedoch noch aus. Offiziell gilt zurzeit noch der Einführungstermin 1. Juli.

[27.05.2011, 21:23:22]
Dr. Bernhard Fries 
400 Millionen für Alle sind kaum 350 Euro pro Monat pro Arzt
Nehmen wir an, es gäbe für alle Niedergelassenen 400 Mio Euro extra für die Anwendung der AKR - was durchaus in Frage gestellt werden darf - dann folgert nach einfacher Rechnung :
400 Mio geteilt durch ca. 100 000 Vertragsärzte = 4 000 Euro/Arzt/anno.
4 000 Euro extra pro Jahr entsprechen 330 Euro / Monat brutto mehr.
330 Euro / Monat entspricht bei ca. 22 Arbeitstagen 15 Euro brutto mehr pro Tag - ist das eine reelle Bezahlung für den Mehraufwand, den die Anwendung der AKR für jeden Arzt mit sich bringt ?? Lohnt das all den Aufwand ?? Ist das der so immense Betrag, der uns bei Nichtanwendung verloren ginge ( siehe Überschrift des Artikels). Ein weiteres Indiz für Nichtwürdigung unserer Tätigkeit - nicht bezahlte Zeit, die für die eigentliche Arbeit am Patienten verloren geht.  zum Beitrag »
[27.05.2011, 19:10:07]
Dr. Bernhard Fries 
Wer es glaubt...
Ich finde es unfassbar, dass immer noch Ärzte im Kassensystem glauben, dass irgendwelche Massnahmen der Kassenärzte irgendwelche Vergütungsverbesserungen seitens der Kassen ermöglichen.
Woher kommt dieser Optimismus ? Welche der unzähligen Änderungen im System hat wirklich mehr Vergütung erbracht ? Was wurde alles propagiert, EBM auf betriebswirtschaftlicher Grundlage, faire Vergütung, Punktwert fest 5,1 Cent, nicht ein einziges Quartal wurde mit diesem Punktwert je abgerechnet. Es ist nicht mehr Geld im System, also nutzt keine noch so prima Umsetzung der Kodierung - wo soll denn das Geld zusätzlich herkommen ?? Wird, nur weil wir so gut und gründlich kodieren ( ich frage mich, was wir die ganzen letzten Jahre denn anders tun) der Kassenbeitrag kräftig erhöht ? Oder werden zusätzliche Steuermilliarden investiert für die Kassenarzthonorierung?? Ich kann nicht glauben, dass einigermassen mit dem System vertraute Ärzte diesen Versprechungen der Kassen und der Politik überhaupt noch Beachtung schenken. Die Realität sieht seit Jahren anders aus - Einführung der AKR führt vielleicht zu einer Umverteilung des Honorars zwischen den Fachgruppen, aber es ist doch dann auch nicht mehr Geld zu verteilen, egal wie tief die neue Kodierung denn reicht.
Die praktische Umsetzbarkeit der AKR in der jetzigen Form ist zudem zumindest für Hausärzte völlig inakzeptabel - zumal dann, wenn ich weiss, dass es eh wieder viel Aufwand für gleichen Ertrag bedeutet.
Ich halte die Einführung der AKR für ein Unding, so wie auch die Einführung neuer Lesegeräte, E-Card, Onlineanbindung etc. - Beispiele , wie Kassenverwaltungstätigkeiten auf Ärzte übertragen werden, ohne dass auch nur ein Patient besser behandelt wäre , ein Cent zusätzlich ins System kommt. Es reicht nun mit Vorschriften, Vorgaben und der neuen Reform der letzten Reform der Reform....( erwähnt sei z.B. die neue Qualitätsanforderung Sonographie - natürlich nur zur Qualitätssicherung... ein Witz bei der bekannten Punktzahl für die Durchführung sonographischer Leistungen) - wir wünschen Planungssicherheit, adäquate Finanzierung unserer Leistungen, Beständigkeit im System und echte Freiberuflichkeit. In dieser Form macht das Praktizieren keinen Spass mehr, jedes Quartal fürchtet man sich vor neuen Vorgaben, die Anforderungen seitens der Kassen, Politik und KBV steigen und steigen, alleine die Würdigung der Arbeit und das Honorar steigt nicht.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »