Ärzte Zeitung online, 31.10.2011

GOÄ: Bundesärztekammer und Internisten auf Linie

Die geplante GOÄ-Reform hatte die Internisten auf die Palme gebracht. In einem Brandbrief an die Bundesärztekammer warnten sie vor einem Desaster. Jetzt haben sich beide zusammengerauft - dank eines klärenden Gesprächs. Das große Ärgernis Steigerungssätze scheint gelöst.

GOÄ: Internisten suchen keine Konfrontation

GOÄ vor ihrer Reform: Internisten und BÄK nähern sich an.

© Thomaier

NEU-ISENBURG (ger). Bei der GOÄ-Novelle ziehen der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) und die Bundesärztekammer (BÄK) wieder an einem Strang.

Das Gespräch in der vergangenen Woche sei "in der Sache konstruktiv" gewesen, sagte der BDI-Vorsitzende Dr. Wolfgang Wesiack der "Ärzte Zeitung" auf Anfrage.

Der BDI habe sich mit dem offenen Brief vor allem deshalb "energisch zu Wort gemeldet", um der Bundesärztekammer in den Verhandlungen mit dem PKV-Verband und dem Bundesgesundheitsministerium "Rückenwind zu geben".

Darüber sei ausführlich mit dem Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery gesprochen worden.

Steigerungssätze sollen offenbar bleiben

Eine der Befürchtungen des BDI sei es gewesen, dass die Steigerungssätze wegfallen könnten, die es in der GOÄ gibt, um unterschiedlichen Aufwand bei der Behandlung von Patienten mit derselben Diagnose abbilden zu können.

Das ist jetzt offenbar vom Tisch: "Wir stellen mit Befriedigung fest, dass der Wegfall der Steigerungssätze nach Auskunft der Bundesärztekammer nicht mehr vorgesehen ist", sagte Wesiack.

"Die GOÄ darf nicht ein neuer EBM werden, das ist eine unserer Kernforderungen." Die PKV müsse sich fragen lassen, ob sie sich nicht selbst abschaffe, sagte Wesiack weiter.

Es gehe doch darum attraktive Konditionen für Patienten und Ärzte zu erhalten, damit es sich für Versicherte auch lohne, in die PKV zu gehen.

Wesiack fordert Punktwertplus

Die Ärzte hätten nach mehr als 20 Jahren ohne Anpassung "Anspruch auf eine gemäßigte, aber deutliche Erhöhung der Punktwerte", allein schon als Inflationsausgleich, betonte Wesiack.

"In diesem Punkt müssen wir auch erfolgreicher sein als die Zahnärzte", sagte der Internisten-Chef. Zur Erinnerung bei der GOZ-Novelle hat es keine Anhebung des Punktwertes gegeben.

Den Internisten sei es außerdem wichtig, dass der technische und medizinische Fortschritt auch in Zukunft schneller für Privatversicherte gebührentechnisch umgesetzt wird als für Kassenpatienten.

Ein GBA für die GOÄ?

Bisher läuft dieser Prozess über die Analogziffern. Die BÄK denke für die Zukunft offenbar eher an ein Gremium ähnlich wie der Gemeinsame Bundesausschuss in der GKV.

"Wenn das kommt, brauchen wir auf jeden Fall ein zügiges Verfahren", forderte Wesiack.

Für seine Initiative habe der BDI inzwischen viel Zustimmung aus den Verbänden erhalten, berichtete Wesiack. Der Verband wolle aber den Verhandlungsspielraum der BÄK nicht zu sehr einengen.

"Am Ende ist das Gesamtpaket entscheidend." Aber ob es bis Ende der Legislaturperiode einen Abschluss geben müsse - "das hängt vom Verhandlungsergebnis ab", so der Internistenchef.

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