Ärzte Zeitung online, 01.12.2011

Was wird aus der Privatmedizin?

Wenn am Samstag der 3. Bundeskongress für Privatmedizin in Köln seine Tore öffnet, dann geht es auch um die Zukunft der Privaten Krankenversicherung in Deutschland. Eng damit verknüpft ist die Novelle der GOÄ.

Von Hauke Gerlof

Hat der Dualismus von PKV und GKV noch Zukunft?

Privateinnahmen werden für viele Ärzte zunehmend wichtig. Doch die Politik will ein Wörtchen mitreden.

© e. umdorf / imago

KÖLN. Das Signal hätte kurz vor Beginn des 3. Bundeskongresses für Privatmedizin in Köln kaum deutlicher ausfallen können: "Für den Erfolg der Praxis sind Privatpatienten wichtig oder sehr wichtig" - diese Aussage unterstützen 70 Prozent der niedergelassenen Ärzte.

Für Hausärzte spielen die Privatpatienten dabei eine geringere Rolle als für Fachärzte: 61 Prozent der Hausärzte halten Privatpatienten für den Erfolg der Praxis für wichtig oder sehr wichtig, bei den Fachärzten sind es sogar 78 Prozent - wobei 60 Prozent der Fachärzte für "sehr wichtig" optieren.

Das ist eines der Ergebnisse des MLP-Gesundheitsreports, der in der vergangenen Woche gemeinsam vom Finanzdienstleister MLP, der Bundesärztekammer und dem Institut für Demoskopie Allensbach vorgestellt worden ist.

Für den Report wurden unter anderem 522 repräsentativ ausgewählte Ärzte aus Klinik und Praxis befragt.

Wirtschaftliche Lage wird gut bewertet

Ein anderes Ergebnis des MLP-Reports ist, dass die niedergelassenen Ärzte ihre wirtschaftliche Lage weit überwiegend als gut oder sehr gut bewerten.

Der Anteil der Ärzte, die so denken, hat sich von 2010 auf 2011 sogar von 72 auf 79 Prozent erhöht. Bei den Hausärzten hat sich der Trend sogar noch stärker ins Positive gewendet - von 63 auf 76 Prozent.

Ein Fazit der repräsentativen Befragung könnte also sein, dass es den niedergelassenen Ärzten mehrheitlich wirtschaftlich gut geht - und dass die Privatpatienten dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Doch wird das so bleiben? Wie wird sich die Privatabrechnung weiter entwickeln, falls im nächsten oder übernächsten Jahr die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kommt? Was wird geschehen, wenn es 2013 zu einem Regierungswechsel in Berlin kommen sollte?

Nebeneinander ist charakteristisch

Diese Fragen werden in der zentralen Diskussionsveranstaltung des Bundeskongresses für Privatmedizin am Samstag diskutiert: "Privatmedizin - quo vadis?" lautet der Titel der Podiumsdiskussion gleich zu Beginn.

Auf dem Podium sitzen der gerade gekürte neue Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe, Zahnarzt und Bundestagsmitglied Dr. Rolf Koschorrek (CDU), Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzender des Ausschusses "Gebührenordnung" der Bundesärztekammer, sowie Dr. Wolfgang Reuter, Arzt und Leiter Medizinische Beratung DKV Deutsche Krankenversicherung AG.

Das Nebeneinander von GKV-System und Privatmedizin sei "charakteristisch für unser Gesundheitswesen", sagte MdB Koschorrek im Vorfeld des Bundeskongresses.

"Unser Ziel ist es, dass die Privatmedizin ihren Platz in unserem Gesundheitswesen behält." Koschorrek glaubt, dass sich das Potenzial von Zusatzleistungen, die über den GKV-Leistungskatalog hinausgehen, in Zukunft sogar noch erhöhen werde.

Schwarz-Gelb will Privatmedizin erhalten

Die Koalition wolle dieses Angebot der Privatmedizin "für die Patienten und Versicherten, die für ihre Gesundheit besondere persönliche Prioritäten setzen wollen, als realistische Option, zu bezahlbaren und nachvollziehbaren Preisen erhalten", so Koschorrek weiter.

Das sei auch Ziel der Koalition bei den gesetzgeberischen Initiativen zur PKV und zur privatärztlichen Abrechnung, etwa bei der Begrenzung der Abschlussprovisionen in der PKV.

Für ihn habe es auch "zentrale Bedeutung", dass die sogenannte Öffnungsklausel in der Gebührenordnung der Zahnärzte verhindert worden sei. Die Novelle der GOZ sei als "Blaupause für die anstehende Novellierung der GOÄ anzusehen".

Kostenerstattung als Option für die GKV?

In einer späteren Veranstaltung auf dem Bundeskongress kommt ein weiteres unter Ärzten viel diskutiertes Thema auf die Tagesordnung, die Kostenerstattung. MdB Lars F. Lindemann (FDP) wird die Kostenerstattung als mögliche Lösung für unterversorgte Gebiete vorstellen.

"Gerade um Unterversorgung zu überwinden, wäre es sinnvoll, wenn dem Arzt alle medizinisch notwendigen Leistungen am Patienten ohne Mengenbegrenzung und Budgetierung von der gesetzlichen Krankenkasse vergütet würden", sagte Lindemann im Vorfeld des Kongresses.

Mit Hilfe der Kostenerstattung könnten "Leistung und Vergütung wieder in einen Zusammenhang" gebracht werden. Die Versicherten müssten dabei "zu keinem Zeitpunkt in Vorleistung gehen", so Lindemann.

www.bundeskongress-privatmedizin.de

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