Ärzte Zeitung online, 28.12.2011

Niedersachsen ohne Arznei-Regresse

Niedersachsens Ärzte bleiben vor Arzneiregressen verschont

HANNOVER (cben). Die niedergelassenen Ärzte in Niedersachsen haben die mit den Krankenkassen vereinbarten Ausgabenobergrenzen für Arzneimittel im Jahr 2010 eingehalten. Das teilte die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) mit.

Nach dem zwischen den Krankenkassenverbänden und der KVN vereinbarten Regionalpaket wird es zu keinen Arzneimittel-Richtgrößenprüfungen und damit verbundenen Regressen für das Jahr 2010 kommen, so die KVN.

Seit 2007 verabredet die KVN mit den Kassen den Verzicht auf Richtgrößenprüfungen, wenn die Verordnungen eine vereinbarte Ausgabenobergrenze nicht überschreiten. Der Handel funktionierte bisher.

Die tatsächlichen Ausgaben für Arzneimittel beliefen sich 2010 auf 2,697 Milliarden Euro, die vereinbarte Obergrenze liegt bei 2,744 Milliarden Euro.

Künftig zählt der Bundesdurchschnitt

Ob der Deal auch 2011 funktioniert, ist offen. Seit Jahresbeginn 2011 gilt ein neues, dreistufiges System in Niedersachsen. Um Richtgrößenprüfungen ausweichen zu können, müssen die Gesamtausgaben bei den Arzneimitteln in Niedersachsen prozentual mindestens 0,1 Prozent unter dem Bundesschnitt liegen.

Gelingt dies nicht, können festgelegte Zielwerte für zwölf Leitsubstanzen in den jeweiligen Arzneimittelgruppen eingehalten werden. Werden im Land alle zwölf Quoten erreicht, entfallen die Prüfungen.

Wenn diese beiden Wege versagen, kann der einzelne Arzt immer noch versuchen, die zwölf Zielwerte individuell einzulösen. So entgeht er der Prüfung selbst dann, wenn die zwölf Zielwerte im Landesschnitt nicht erfüllt werden.

Auf der Ausgabenbremse bleiben

Die Erfolge des Jahrs dürften "nicht dazu führen, dass die Ärzte wieder unkritisch zum Rezeptblock greifen", sagt der KVN-Vorsitzende, Mark Barjenbruch.

Und weiter: "Wenn wir im letzten Monat des Jahres nicht weiter auf die Ausgabenbremse treten, dann droht vielen der rund 13.200 verordnenden Kassenärzten in Niedersachsen ein Arzneimittel-Regress für das Jahr 2011."

KVN-Vize und Hausarzt Dr. Jörg Berling erklärte: "Die niedergelassenen Ärzte haben erneut gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit den knappen Ressourcen im Verordnungsbereich umgehen."

Er unterstrich jedoch auch: "Ärzte sind grundsätzlich nicht verantwortlich für die Preise von Arzneimitteln. Ihre Verantwortung liegt allein in der richtigen Indikation und der Auswahl der notwendigen Substanz zur Behandlung. Daher müssen die Arzneimittelregresse endgültig vom Tisch."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »