Ärzte Zeitung, 18.04.2012

Tipps für die Abrechnung

Heuschnupfenzeit: Diese Ziffern bringen Honorar

Beim Heuschnupfen gestaltet sich nicht nur die Therapie als Herausforderung. Auch bei der Abrechnung müssen Ärzte sehr genau hinschauen.

Von Peter Schlüter

Heuschnupfenzeit: Welche Ziffern gehen?

Mit den Pollen steigt die Zahl der Heuschnupfen-Patienten.

© godfer/fotolia.com

Die Rhinitis allergica bietet diagnostisch wie auch therapeutisch ein komplexes Abrechnungsfeld. Für Praxischefs ist es daher wichtig, die verschiedenen Leistungspositionen aus EBM und GOÄ zu kennen, damit sie ihre Leistungen auch in das entsprechende Honorar umsetzen können.

Heuschnupfenzeit: Welche Ziffern gehen?

Heuschnupfen als allergische Reaktion auf Pollen stellt gerade im Frühjahr und Frühsommer ein fast alltägliches Praxisproblem dar.

Die allergische Rhinitis als solches ist definiert als eine vom Frühjahr bis zum Herbst in Form des sogenannten Heuschnupfens (Pollinosis) auftretende wässrige Rhinitis.

Diese kann auch ganzjährig (perennial) auftreten und ist verbunden mit einer Behinderung der Nasenatmung, Niesreiz und Konjunktivitis wechselnder Ausprägung. Zum Teil tritt sie auch in Kombination mit einem allergischen Asthma bronchiale auf.

Für einige Menschen beginnt die Plage mit dem Heuschnupfen schon früh im Januar mit den ersten Frühblühern, bei anderen tritt sie erst mit den blühenden Gräsern im Mai auf.

Die Ursache ist eine Atopie gegenüber Pollen (saisonale Rhinitis allergica) oder anderen inhalativen Allergenen wie etwa Hausstaubmilben, Bettfedern, Schimmelpilzen, Tierhaaren oder auch Nahrungsmitteln (ganzjährige Rhinitis allergica).

Abgrenzung zum allergischen Asthma

Wichtige diagnostische Grundlage bei der Verdachtsdiagnose Heuschnupfen ist die gezielte Anamnese. Sie umfasst die Beschwerdedauer, Begleitumstände (zum Beispiel Jahreszeit, Tageszeit, Aufenthaltsort), Begleitsymptome (etwa Husten, Auswurf, Juckreiz, Hauterscheinungen, Augenbrennen), früheres Auftreten und die Familienanamnese.

Die Inspektion von Nase, Rachen, Ohren, Konjunktiven und Haut, sowie die Untersuchung der Lungen einschließlich gegebenenfalls der Lungenfunktion helfen diagnostisch oft schon weiter, bevor mittels spezieller Testungen nach der Ursache gesucht wird.

Wichtige Anamnesefragen sind Fragen nach:

  • saisonalem Auftreten (Pollensensibilisierung)
  • Intensivierung in der Nacht (Hausstaubmilben, Bettfedern)
  • Beschwerdebesserung durch Ortswechsel/Klimawechsel
  • Haustieren, Zimmerpflanzen
  • Waschmitteln, Kosmetika, Medikamenten
  • den Ernährungsgewohnheiten

Die durchzuführende Diagnostik dient vor allem der differenzialdiagnostischen Abgrenzung des Heuschnupfens bzw. allergischen Asthmas als saisonale Erkrankung, gegenüber der chronischen allergischen Rhinitis, der medikamentös bedingten Rhinitis und einem chronischen bzw. nicht allergischen Asthma.

Abgerechnet werden Anamnese und Diagnostik gemeinsam (siehe Tabelle "Für den Prick-Test gibt es ..."): Da gibt es zunächst die Versichertenpauschale im EBM oder die Beratungsziffer 1 in der GOÄ.

Zusätzlich kommen die Grundpauschale, in der GOÄ die Organuntersuchung nach Ziffer 7 und eventuell die Lungenfunktion in EBM und GOÄ zum Ansatz.

Ist die ausführliche Anamnese - als Grundlage der Diagnostik - mit Nachweis eines zeitlichen Zusammenhangs zwischen Allergenexposition und nasalen Symptomen erfolgt, können weitere Tests durchgeführt werden.

Antihistaminika und Hyposensibilisierung

Zum Nachweis einer spezifischen allergischen Sensibilisierung wird die Hauttestung (Prickverfahren) durchgeführt.

Die Bestimmung des spezifischen Serum-IgE auf verdächtigte Allergene sollte eigentlich auf Kleinkinder und Kinder mit ausgeprägter atopischer Dermatitis beschränkt bleiben. Für die Tests sind weitere EBM- und GOÄ-Ziffern ansetzbar.

Und wie sieht nun die Therapie aus? Zu den ebenso vielfältigen, wie in ihrer Wirksamkeit eingeschränkten Therapiemöglichkeiten gehört an erster Stelle die Allergenkarenz.

So wünschenswert die absolute Allergenkarenz ist, so schwierig ist es diese einzuhalten.

Zwar ist gerade im Fall des Heuschnupfens und des allergischen Asthma die vollständige Elimination symptomauslösender Allergene das vorrangige Therapieziel, diesem sind jedoch für den Betroffenen eindeutige Grenzen gesetzt.

Medikamentös steht der Einsatz verschiedener Antihistaminika und Antiallergika mit unterschiedlichem Wirkungsspektrum zur Verfügung. Sollte die Therapie mit Antihistaminika und eventuell auch lokalen Corticoiden unzureichend bleiben, besteht die Möglichkeit der Hyposensibilisierung in Form der subkutanen Injektionen.

Dabei wird das jeweilige Allergen in ansteigender Konzentration über einen Zeitraum von drei Jahren appliziert. Wie sich die Therapie abrechnen lässt, zeigt die Tabelle unten.

Bei Allergikern ist Akupunktur in der Regel IGeL

Heuschnupfen in der Therapie: Diese Abrechnungsziffern sind in EBM und GOÄ möglich
BMÄ/EBM LeistungslegendeGOÄ
ZiffernPunkte ZiffernPunkte
--Beratung1   80
- -Erörterung 3150
--Eingehende Erörterung bei nachhaltig
lebensverändernder (Allergenkarenz) Erkrankung
34300
03212495 Betreuung chronisch Kranker15 300
30130 265Hyposensibilisierungsbehandlung 263  90
30131200 Zuschlag zu der Gebührenordnungsposition
30130 für jede weitere Hyposensibilisierungs-
behandlung durch Injektion(en)
263  90
-- Eigenblutbehandlung284   90
- -Akupunkturbehandlung (bis 20 min)269* 200
- -Akupunkturbehandlung (> 20 min) 269a*350
*) als IGeL
Quelle: Dr. Dr. Peter Schlüter, Tabelle: Ärzte Zeitung

Für den Prick-Test gibt es eigene Ziffern in EBM und GOÄ

Rhinitis allergica: So wird die Diagnostik bei GKV- und bei PKV-Versicherten abgerechnet
BMÄ/EBM LeistungslegendeGOÄ
ZiffernPunkte ZiffernPunkte
03110
03111
03112
1190
  880
1020
Versichertenpauschale (hausärztlich) / Beratung 1    80
10210
10211
10212
  365
  395
  405
Grundpauschale (dermatologisch)/Beratung
- -Organuntersuchung 7   160
03330170 Lungenfunktion (hausärztlich)
plus Flussvolumenkurve
605
+ 605a
   242
+ 140
30111 1295Prick-Testung (GOÄ: je Test) 385*
386*
45
30
301221870 Bronchialer Provokationstest397    380
--Erörterung3    150
--Eingehende Erörterung bei nachhaltig
lebensverändernder (Allergenkarenz) Erkrankung
34   300
03212 495Betreuung chronisch Kranker 15300
*) 385 GOÄ für Test 1-20 und Nr. 386 GOÄ für Test 21-40; Test je Behandlungsfall
Quelle: Dr. Dr. Peter Schlüter, Tabelle: Ärzte Zeitungter Schlüter, Tabelle: Ärzte Zeitung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »