Ärzte Zeitung, 15.09.2012

Rechnungs-App

Ärzte kommen schneller zum Geld

Hanse Merkur und DKV bilden die Vorhut: Sie bieten ihren Versicherten an, Arztrechnungen per Smartphone einzureichen. Davon profitieren nicht nur Versicherer und Patienten - auch Ärzte kommen so schneller an ihr Honorar.

Von Anja Krüger

Per Rechnungs-App schneller zum Geld

Die Rechnungs-App der Hanse Merkur, die es seit einem Jahr gibt, wurde bereits 10000 mal von Kunden heruntergeladen.

© [M] imago/MiS/HanseMerkur

KÖLN. Apps für das Versenden von Arztrechnungen kommen bei den Kunden privater Krankenversicherer gut an.

Mit der DKV und der Hanse Merkur bieten aber erst zwei Gesellschaften Privatpatienten an, Arztrechnungen via Smartphone oder iPad an sie zu schicken.

Die Hanse Merkur wird in Kürze mehr Ärzten ermöglichen, ihre Rechnungen mit den erforderlichen Codes zu versehen. Ein Service, von dem letztlich auch die Ärzte profitieren.

Dabei haben sich die beiden Versicherer die Eigenschaften von Apps - die nichts anderes als spezielle Programme für Mobiltelefone oder Tablet-PC sind, mit denen Nutzer Infos abrufen, spielen oder Daten verschicken können - zunutze gemacht.

Denn mit den Rechnungs-Apps der DKV und der Hanse Merkur können Kunden Arztrechnungen fotografieren und die Infos so schneller an den Versicherer schicken.

Das funktioniert aber nur, wenn die Rechnungen bestimmte Codes aufweisen, die von den Privatärztlichen Verrechnungsstellen aufgedruckt werden.

Steigende Nutzerzahlen

Die DKV hatte zuvor bereits gute Erfahrungen mit einer anderen Lösung gemacht - nämlich der, dass Kunden ihre Rechnungen einscannen und über das Internet an sie schicken. Etwa 20.000 Belege erreichen sie so jeden Monat.

Das erspart dem Versicherer, die Unterlagen selbst einscannen zu müsssen. Seit Kurzem bietet die DKV nun auch eine App zum Rechnungsversand an.

Pro Tag laden 60 Nutzer das erforderliche Programm im App-Store herunter. "Wir sind mit der Entwicklung der Nutzerzahlen seit dem Start der Services sehr zufrieden und bekommen von den Versicherten sehr positives Feed-Back für die neuen Angebote", sagt DKV-Sprecher Birger Jaspers.

Pionier bei diesen Dienstleistungen war Hanse Merkur, die bereits seit einem Jahr eine App zum Rechnungsversand anbietet. "Wir konnten bislang weit über 10.000 Downloads verzeichnen", sagt Sprecher Heinz-Gerd Wilkens.

Ab September sollen Ärzte den Code auch über die Abrechnungsstelle Medas erstellen lassen können. Außerdem läuft zurzeit ein Test mit dem Praxissoftwarehersteller CompuGroup Medical.

Die Apps sind allerdings nur Nebenprodukte eines groß angelegten Projekts der privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS).

Matrix-Codes gegen Fehler

Deren Tochter PADline GmbH hat gemeinsam mit der DKV, IBM und den PVS ein Verfahren für eine schnellere und wenig fehleranfällige elektronische Abwicklung von Arztrechnungen entwickelt. Private Krankenversicherer verarbeiten Rechnungen elektronisch. Dazu müssen die Schreiben eingescannt werden.

"Dabei kommt es immer wieder zu Fehlern", sagt Klaus Dorwald, Geschäftsführer von PADline. Mal ist eine Seite verknickt, mal ein Kaffeefleck auf der Rechnung, mal der Brief zu eng gefaltet.

Dadurch könne es zu falschen Erstattungen kommen. Denn bei vielen Krankenversicherern entscheidet bei einfachen Sachverhalten der Computer durchaus allein, ob eine Rechnung erstattet wird. Er prüft etwa die GOÄ-Ziffern mit den genannten Beiträgen auf Plausibilität.

Um die Fehleranfälligkeit zu minimieren, hat PADline Data-Matrix-Codes entwickelt. Das sind kleine Kästchen mit maschinenlesbaren Informationen. "Ziel des Verfahrens ist, den Verarbeitungsprozess der Rechnungen bei den privaten Krankenversicherern zu optimieren", sagt er.

Die Computer einer Reihe von privaten Krankenversicherern lesen diese Codes und rufen die Infos bei den PVS ab. Die PVS drucken zwei Codes auf die Rechnungen: einen für den Namen und die Stammdaten des Kunden und einen zweiten für die eigentliche Abrechnung.

"Das ist aus datenschutzrechtlichen Gründen erforderlich", sagt Dorwald. Um auf der sicheren Seite zu sein, hat das Unternehmen das Projekt von Datenschützern beurteilen lassen.

Keine höheren Kosten für Ärzte

In den Codes selbst sind keine Informationen. Sie sind vielmehr der Schlüssel, mit dem der Computer auf die entsprechenden Daten auf den Servern der PVS zugreift. "Zurzeit werden täglich 15.000 Rechnungen abgerufen", sagt der Geschäftsführer.

Gestartet ist das System im Jahr 2009 mit der DKV. Mittlerweile beteiligen sich daran auch die Hanse Merkur, die Axa, Central, Envivas, die Hallesche, die Landeskrankenhilfe Lüneburg und die Signal Iduna. Für den niedergelassenen Arzt ändert sich durch das neue Verfahren im Verhältnis zur PVS nichts.

Die Kosten steigen für ihn nicht. Er hat aber möglicherweise Vorteile, weil die Patienten ihr Geld vom Versicherer schneller bekommen und vielleicht die Rechnung schneller zahlen.

PADline ist der Telematik-Dienstleister des Verbandes der privatärztlichen Verrechnungsstellen. In dieser Eigenschaft hat er auch die GOÄ-App für Ärzte entwickelt.

Mit der App können Ärzte GOÄ-Ziffern suchen und bekommen Nachrichten rund um die privatärztliche Honorarabrechnung.

Die Version fürs IPhone bietet der PVS-Verband seit Ende letzten Jahres an. Sie wurde bereits 8900 Mal heruntergeladen, die seit Mai erhältliche Android-Variante 1000 Mal.

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