Ärzte Zeitung, 17.05.2013

Kommentar zur PVS-Studie

Bürgerversicherung bringt Praxen herbe Verluste

Von Hauke Gerlof

Vier Monate vor der Bundestagswahl bringen sich Gesundheitspolitiker und Branchenvertreter in Stellung: Es geht - übrigens wie schon vor vier Jahren - darum, ob die Bürgerversicherung eine Alternative für das System einer Dualität von gesetzlicher und privater Krankenversicherung, GKV und PKV sein könnte.

In den vergangenen Wochen sind mehrere Studien vorgelegt worden, die der Machbarkeit eines Systemwechsels das Wort reden, zuletzt von Bertelsmannstiftung und Verbraucherschützern. Dabei wird teilweise auch über Modelle gesprochen, die Ärzten eine Kompensation der Honorarverluste durch ein Ende der PKV bringen könnten.

Wie eine solche Kompensation konkret aussehen könnte, bleibt dabei stets im Ungefähren - sie ist angesichts der Komplexität des Honorarsystems auch kaum ad hoc zu stemmen. Für Ärzte, die zumindest sukzessive einen Verlust der Privathonorare tragen müssten, ist die Einführung einer Bürgerversicherung damit angstbewehrt.

Es ist verdienstvoll, dass der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen jetzt einmal vorgerechnet hat, wie hoch der Verlust an ärztlichen Honoraren wäre, der durch Wegfall der Einnahmen durch die Behandlung von Privatversicherten entstehen würde. Dafür hat der Verband - auf Basis von Zahlen 2007 und heruntergebrochen auf die Fachgruppen - die Zusatzvergütungen berechnet, die Ärzte durch das Privathonorar erwirtschaften.

Hausärzte könnten Verluste wohl verkraften

Die Ergebnisse zeigen, dass der Kompensationsbedarf tatsächlich hoch wäre, denn einigen Fachgruppen, etwa den Dermatologen, den Orthopäden und den Radiologen, würden durch Einführung der Bürgerversicherung zunächst 30 bis 40 Prozent des Honorars wegbrechen.

Und da ein Großteil der Kosten in Arztpraxen fix ist, würde das ziemlich direkt auf die Gewinne durchschlagen. Bei Allgemeinmedizinern wären die Verluste im einstelligen Prozentbereich und wohl noch zu verkraften.

Die Studie macht damit deutlich, dass vor allem in den technischen Disziplinen die vorhandene Infrastruktur in Facharztpraxen an den Privathonoraren hängt, die mit den Geräten zu erwirtschaften sind. Wer das duale System abschaffen, die Versorgungsstruktur aber aufrecht erhalten will, müsste bei den Honoraren für Vertragsärzte also kräftig nachlegen.

Dass solche Zahlen, wie die PVS sie jetzt vorgelegt hat, aber auch anders interpretiert werden könnten, dürfte den Studienautoren klar sein: Womit ist es gerechtfertigt, dass 11,4 Prozent der Versicherten für 25 Prozent der Honorarumsätze stehen - so wichtig diese für eine gesunde Facharztstruktur sind?

Und auch für die Bundesärztekammer, die gerade einen Inflationsausgleich von 30 Prozent gefordert hat, dürfte die PVS-Studie keine Argumentationshilfe im Bundesgesundheitsministerium liefern. Denn so schlecht sieht es im Privatbereich eben doch nicht aus.

Lesen Sie dazu auch:
Einbußen errechnet: So teuer kommt Ärzte die Bürgerversicherung

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