Ärzte Zeitung, 02.07.2013

Dialyse

Die Finanzierung des KfH steht auf der Kippe

Im Streit um die Absenkung der Dialysepauschale hat sich das Kuratorium für Dialyse (KfH) bislang eher bedeckt gehalten. Dabei gehört der bundesweit größte Versorger rund um die Blutwäsche zu den am stärksten Betroffenen.

Von Christoph Winnat

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80.000 Bundesbürger sind dialysepflichtig. An den Ausgaben dafür wollen die Kassen jetzt 80 Millionen Euro sparen.

© Frank May / dpa

NEU-ISENBURG. Seit dem Montag (1. Juli) gilt die von KBV und GKV-Spitzenverband vereinbarte Absenkung der Dialyse-Sachkostenpauschale.

Saldiert gegen eine gleichzeitige Erhöhung des ärztlichen Honorars für die Behandlung Dialysepflichtiger ergibt sich eine Kappung des GKV-Dialyse-Budgets um 80 Millionen Euro respektive vier Prozent.

Das hatte im Vorfeld etliche Fachverbände auf den Plan gerufen, die vor einer Verschlechterung der Versorgungsqualität warnen und vor allem kleinere nephrologische Praxen existenziell bedroht sehen.

Nach erfolgreicher Petition wurde die Angelegenheit sogar im Bundestagsplenum diskutiert. Geändert hat das alles bislang nichts.

Unterdeckung steigt auf 60 Prozent

Die anhaltende Kritik der Interessengruppen ist trotzdem nicht sinnlos: zum einen, weil die Honorarkürzung jährlich überprüft werden soll. Zum anderen, weil die Selbstverwaltung bis Ende August 2014 sondieren will, ob die Sachkostenpauschale noch ein weiters Mal, und zwar in gleicher Höhe wie jetzt, beschnitten werden kann.

Inzwischen hat sich mit dem Kuratorium für Dialyse (KfH) erstmals auch ein gemeinnütziger Versorger zu Wort gemeldet. Gegenüber der "Ärzte Zeitung" erläuterte dessen Vorstandsvorsitzender Dr. Ralf Sasse, wie die Mischkalkulation des KfH durch die Kürzung der Sachkostenpauschale gefährdet wird.

Laut Sasse wird bereits heute rund die Hälfte der bundesweitmehr als 200 KfH-Nierenzentren von der anderen Hälfte mitgetragen. Durch die neue, niedrigere Pauschale nehme der Grad der Unterdeckung auf etwa 60 Prozent zu. Rund 80 Prozent aller KfH-Zentren seien kleine und mittelgroße Häuser mit weniger als 100 Patienten.

Für die Solidarfinanzierung im KfH-Verbund, so Sasse, "wird es jetzt ernst". Das Kuratorium habe es aufgrund seines Status‘ als ermächtigter Versorger ohnehin schwerer, Einbußen zu kompensieren.

Etwa, weil seine Nierenzentren nephrologische Patienten in den Vorstadien einer Dialysepflicht nicht betreuen dürfen. Zudem arbeite man mit höheren Kosten, beispielsweise wegen des Vorhalteaufwands in Zentren mit regional besonders weiträumigem Einzug oder als Betreiber von 16 auf Kinderdialyse spezialisierten Zentren.

Die Pauschale für die Dialyse von Kindern werde zwar nicht gesenkt. Gleichwohl seien diese Häuser von der abschmelzenden Querfinanzierung durch ertragstarke Zentren betroffen.

Ein Blick in den Jahresbericht des Kuratoriums bestätigt die prekäre Situation: 2012 erzielte der Ärzteverein knapp 609 Millionen Euro Umsatz. Unterm Strich blieben davon gerade mal 556.000 Euro übrig.

Mit 0,08 Prozent Nettorendite lassen sich keine nennenswerten Rücklagen bilden, um kriselnde Häuser zu subventionieren. Überschüsse in der Größenordnung um fünf Millionen Euro habe das Kuratorium schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen.

"Die zweite Stufe wäre desaströs"

Entsprechend seinem Versorgungsanteil von rund einem Viertel werde das KfH mit der verringerten Dialyse-Pauschale wenigstens 20 Millionen Euro per annum Umsatz verlieren, so Sasse.

Unnötig dramatisieren will der KfH-Chef dennoch nicht. In Gesprächen mit KBV und GKV-Spitzenverband lote man derzeit aus, ob der Versorgungsauftrag des KfH erweitert werden könnte oder wie sich die Kinderdialyse auf tragfähigere Beine stellen ließe.

Sparmaßnahmen in der KfH-Verwaltung sollen ebenfalls dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit abzusichern. Insofern sei "auch noch nicht aller Tage Abend".

Sasse lässt freilich keinen Zweifel daran, dass, sollten diese Gespräche ergebnislos verlaufen und eine erneute Absenkung der Dialysepauschale - dann ab 2015 - kommen, "wir auch über Standortschließungen nachdenken müssen".

Für das der Gemeinnützigkeit verpflichtete Kuratorium sei diese Ultima Ratio "ein Unding". Doch "die zweite Stufe der Absenkung wäre desaströs".

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Gewicht und Argumente

[09.07.2013, 11:28:42]
Christoph Winnat 
Gegen Existenzgefährdung vor Gericht ziehen
(Anmerkung der Redaktion: Dieser Kommentar erreichte uns per Post)

Mit ihrer Entscheidung, die zum Ausgleich der Dialyse-Sachkosten bestimmten Entgelte abzusenken,gefährden der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung die flächendeckende Dialyseversorgung in Deutschland. Die damit in den vergangenen 40 Jahren erreichte Sicherstellung einer auch wohnortnahen
Behandlung der Patienten ist jedoch unverzichtbar. Denn, wie bei m. W. keiner anderen Gruppe kranker Menschen ist das Leben der rund 80.000 Dialysepatienten davon abhängig, dass sie mindestens dreimal je Woche über jeweils mehrere Stunden ärztlich versorgt werden!

Vor diesem Hintergrund wird nichts anderes übrig bleiben, als der akuten Existenzgefährdung einer großen Zahl von Behandlungsplätzen, insbesondere solcher "in der Fläche", auf dem Klagewege entgegenzutreten.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. h.c. Klaus Ketzler
1969 Gründungsinitiator
des gemeinnützigen
KfH Kuratorium für Dialyse
und Nierentransplantation e.v:
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