Ärzte Zeitung online, 17.10.2013

Honorarbericht

ZNS bleibt schlecht honoriert

In Reaktion auf den jüngsten Honorarbericht der KBV fordert der Spitzenverband ZNS dringend eine Korrektur des EBM. Denn Neurologen, Psychiater und Psychotherapeuten schneiden bei der Vergütung am schlechtesten unter den Arztgruppen ab.

BERLIN/AACHEN. Unter den Arztgruppen werden Neurologen mit knapp 38.900 Euro und Psychiater mit 32.017 Euro am schlechtesten vergütet. Mit knapp 17.000 Euro erzielen Psychotherapeuten den niedrigsten Quartalsumsatz.

Mit über 20.000 Euro liegt diese Gruppe in Sachsen-Anhalt und Thüringen am oberen, mit gut 15.000 Euro in Berlin und in Baden-Württemberg am unteren Ende.

Daher kommen diese Fachgruppen auch auf die niedrigsten Praxisüberschüsse: Neurologen erreichen im dritten Quartal 2012 im Schnitt 20.573 Euro, Psychiater 19.755 Euro, Nervenärzte liegen mit 28.510 Euro um etwa zehn Prozent über dem Durchschnitt aller Ärzte (25.687 Euro).

Allerdings ist der Praxisüberschuss der Nervenärzte um 8,6 Prozent eingebrochen. Am untersten Ende liegen die Psychotherapeuten mit einem Überschuss von 12.252 Euro.

In Reaktion auf diese Daten aus dem jüngsten KBV-Honorarbericht hat der Spitzenverband ZNS, unter dessen Dach sich neurologische und psychiatrische Berufsverbände zusammengeschlossen haben, eine dringende Überarbeitung der psychiatrischen und neurologischen Kapitel des EBM gefordert.

"Die ambulante ärztliche Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen wird zu schlecht bezahlt", erklärte Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des ZNS-Spitzenverbandes.

Verband fürchtet um Nachwuchs

Demenz, Depression, Sucht, Schlaganfall und Kopfschmerz gehörten zu den am stärksten belastenden Erkrankungen im Gesundheitswesen und verursachten erhebliche volkswirtschaftliche Folgekosten.

Bergmann: "Da muss etwas passieren, sonst bricht uns der Nachwuchs endgültig weg, und die Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt werden noch länger."

Im Durchschnitt kam ein Arzt im dritten Quartal 2012 auf einen KV-Umsatz von 48.700 Euro, 1,7 Prozent weniger als im gleichen Vorjahresquartal. Der Fallwert stagnierte bei 59,42 Euro.

Die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um nur 0,5 Prozent auf 5,77 Milliarden Euro, die extrabudgetäre Vergütung stagnierte bei 1,972 Milliarden Euro.

Je nach KV gab es divergierende Entwicklungen: In Baden-Württemberg ging der KV-Umsatz um 2,6 Prozent zurück, in Bayern um 7,6 Prozent. Ursächlich sind Abzüge als Folge von Selektivverträgen. Der Abzugsbetrag in Bayern stieg von knapp 22 auf nunmehr 52,3 Millionen Euro.

In Baden-Württemberg beläuft sich die Bereinigung auf inzwischen 66,1 Millionen Euro (plus zehn Prozent). Für Psychotherapeuten hat im Südwesten ein neuer Paragraf 73c-Vertrag mit der AOK Baden-Württemberg und der BKK Bosch wachsende Bedeutung. (HL)

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