Ärzte Zeitung online, 05.11.2013

Umfrage unter Hausärzten

Neuer EBM ein "Brandbeschleuniger"

Schlechtes Zeugnis für den Hausarzt-EBM: Eine nicht repräsentative Umfrage unter Hausärzten offenbart vor allem große Skepsis gegenüber den geplanten Änderungen. Die Initiatorin, selbst Hausärztin, wertet den neuen EBM als "Brandbeschleuniger".

Von Christian Beneker

HANNOVER. Sind die Kollegen auch so erbost über den neuen Hausarzt-EBM? Hausärztin Dr. Theresia Lautenschlager aus Hannover wollte es wissen und startete kurzerhand eine Umfrage unter rund 100 Hausarztpraxen in mehreren Bundesländern, vor allem in Niedersachsen und Hessen.

Aber auch einige Ärzte aus Bayern, Bremen oder NRW waren dabei. Die Ergebnisse zeigen große Skepsis der befragten Ärzte.

So erwarten fast alle (99,1 Prozent), dass es mit dem neuen EBM unmöglich sein wird, das Honorar zu kalkulieren, und einen hohen bürokratischen Aufwand (96, 3 Prozent). Nur 8,4 Prozent erwarten mehr Honorar.

Kein Ansporn für Berufswahl Hausarzt

Legt man die Erwartungen der Ärzte zugrunde, hätte es aus Gründen des Honorars, der Kalkulationssicherheit und des bürokratischen Aufwandes dieses EBM nicht bedurft, meint die Ärztin aus Hannover.

Null Prozent der Befragten glauben, dass der neue EBM angehende Ärzte ansporne, Hausarzt zu werden. "Ganz im Gegenteil" hätten viele Ärzte an den Rand des Fragebogens geschrieben, erklärt die Ärztin.

Ein solcher Schaden sei auch nicht durch teure Image-Kampagnen zu reparieren. "Für die Praxisinhaber ergibt sich eine weitere Konsequenz: Sie werden es noch schwerer haben, einen Nachfolger zu finden", so Lautenschlager.

"Ihr Praxiswert bei der Übergabe sinkt noch rapider. Dieser EBM wirkt wie ein Brandbeschleuniger."

Kritik: KBV handelt praxisfern

Und nur 1,9 Prozent der Befragten meinen, das geringere Honorar für die Versorgung jüngerer Patienten sei richtig. Die Entscheidung des neuen EBM zeige die "Praxisferne der "KBV-Galaxie".

Die dort handelnden Akteure träfen die Erfahrungen und die Interessen der Praxis-Ärzte nicht. "Sie kennen diese nicht einmal, weil sie uns, die wir täglich mit Patienten arbeiten, ja nicht nach unserer Meinung fragen. Hierin liegt eine Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht", so Lautenschlager.

Ähnlich pessimistisch zeigten sich die Ärzte bei der Frage, ob der neue EBM die Probleme der Land- und Stadt-Praxen in den alten und neuen Bundesländern löst. Nur zwischen null und elf Prozent beurteilten hier den neuen EBM als hilfreich.

Ärzte wollen im Vorfeld befragt werden

Die überwältigende Mehrheit der Befragten gab an, dass der neue EBM der Gemeinschaft der Hausärzte oder dem Hausärzteverband im Land und auf Bundesebene nicht genützt habe. Nur ein einziger Befragter glaubt, der neue EBM habe die Hausärzte gestärkt.

"Zur Erklärung seines Votums fügte er handschriftlich hinzu: "Solidarität der Unterdrückten", schreibt Lautenschlager. Ansonsten sei die Aufspaltung in typische und atypische Hausärzte kontraproduktiv.

96 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in Zukunft bereits im Vorfeld zu EBM-Änderungen oder vor Inkrafttreten befragt werden wollen.

"107 Arztpraxen haben sich an der Befragung beteiligt", so Lautenschlager, "das ist mehr als ich erwartet hatte." Es zeige "die Brisanz des Themas."

[05.11.2013, 19:18:49]
Dr. Michael Hill 
Neuer EBM ein "Brandbeschleuniger"
In der Tat ist diese Bezeichnung eine richtige Beschreibung für das EBM Deseaster.Er ist ist ein typisches Bürokratie Monstrum mit DDR Handschrift.Diese wird insbesondere deutlich durch die völlig unscharfen Bemerkungen der Leistungsinhalte. So ist z.B. die hausärztliche Gesprächsziffer 03230 mit der Prämisse einer lebensveränderden Erkrankung verknüpft. Analog der ehemaligen Ziffer 17 EBM 96/97. Allerdings ist aus Sicht von Frau Feldmann hier keine genaue Zuordnung gegeben. Zitat aus ihrer Präsentation bei der KVNO in 10/2013 in Düsseldorf: "Vom Fußpilz bis zum Karzinom ansetzbar", hier gäbe es keine Regularien.
Wer so etwas in die Welt stzt, hat entweder überhaupt keine Ahnung mehr über eine Sprachregelung (die Sozialjuristen werden sich freuen), geschweige denn über Gesprächsnotwendigkeiten in einer Hausarztpraxis.
Weiterhin ist die schlechte Bewertung der (volkswirtschaftlich!) relevanten Bevölkerungsgruppe der Berufstätigen (20-65)ein Abgesang über die noch existierenden Leistungsträger in der BRD. Die pekuniär geprägte Fokussierung auf Geriatrie und palliative Versorgung ist somit aus wirtschaftlicher Sicht eher eine Mißachtung dieser Gruppierung.
Das soll nicht heissen, das Ältere, multimorbide und geriatrische Patientien ausgegrenzt werden, diese haben einen eindeutlichen Anspruch auf gutes Versorgungsniveau wie bisher,aber die Divergenz in der Vergütung bzw. die Ignoranz über das Versorgungsniveau insgesamt läßt starke Zweifel aufkommen, ob hier ein richtiges Maß der Bewertungen vorgenommen worden ist.
Es musste ja Alles kostenneutral bewertet und implementiert werden.
Die Nicht-Akzeptanz dieses EBM, zumindest in den alten Bundesländern könnte in der Alliteration aus Feldmann auch schnell "Fällt man" machen! zum Beitrag »
[05.11.2013, 07:56:08]
Dr. Johannes Hupfer 
armer Hausarzt
Schaut man sich die Fallwerte der einzelnen Fachgruppen an und berücksichtigt man dann noch
die kostenintensive apparative und personelle Ausstattung einiger Gruppen, kann man das Gejammere
der Hausärzte nicht mehr ertragen.  zum Beitrag »

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