Ärzte Zeitung online, 16.01.2014

Arzthonorare

2012 war ein schlechtes Jahr

Die Wirtschaftskrise von 2009 hat mit dreijähriger Verspätung die Vertragsärzte erreicht: Das Ärzte-Honorar sank im Jahr 2012, wie der KBV-Honorarbericht offenbart. Doch es gibt auch Gewinner.

Von Helmut Laschet

2012 war ein schlechtes Jahr

Durchschnittliche Einbußen von 2,6 Prozent hatten Ärzte 2012 beim Umsatz zu verzeichnen.

© Karin & Uwe Annas / fotolia.com

BERLIN. 2012 war ein schlechtes Jahr für die Vertragsärzte. Der durchschnittliche Umsatz je Arzt ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent oder 1251 Euro auf 201.087 Euro zurückgegangen.

Unter Berücksichtigung einer zweiprozentigen Inflation ergibt sich daraus ein realer Umsatzverlust je Arzt von 2,6 Prozent.

Dies geht aus dem jetzt veröffentlichten Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hervor, der quartalsweise vorgelegt werden muss und der erstmals die Gesamtentwicklung für das Jahr 2012 wiedergibt.

Ursächlich für die negative wirtschaftliche Entwicklung der Vertragsarztpraxen sind die Fernwirkungen der Finanzkrise von 2007 und ihre Effekte auf die Realwirtschaft im Jahr 2009, die zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von fast fünf Prozent geführt hatte.

In der Folge hatte der Gesetzgeber 2010 als eine der kostendämpfenden Maßnahmen den Anstieg der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, die fast drei Viertel des Honorars der Vertragsärzte ausmacht, auf 1,25 Prozent beschränkt und die Anpassung des Orientierungswertes vorübergehend ausgesetzt.

Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung stieg auf 23,8 Milliarden Euro

Tatsächlich stieg die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung 2012 lediglich um 0,7 Prozent auf knapp 23,8 Milliarden Euro, die extrabudgetäre Vergütung um 1,9 Prozent auf 8,23 Milliarden Euro.

Der geringe Anstieg der Morbi-Vergütung ist dabei auch auf ihre Bereinigung um Honoraranteile zurückzuführen, die Vertragsärzten über Selektivverträge zufließen.

Relevant ist dies nur in den KVen Baden-Württemberg und Bayerns, die denen Verträge nach Paragraf 73 b und 73 c eine größere wirtschaftliche Bedeutung haben.

So stieg in Bayern der Bereinigungsbetrag von 96,6 auf 164 Millionen Euro, in Baden-Württemberg von 233 auf 260 Millionen Euro.

Der Hauptanteil entfällt dabei auf Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung, die zwischen AOK und Hausärzteverband geschlossen worden waren.

Addiert man die Bereinigungsbeträge auf das von den KVen ausgezahlte Honorar, so kommt ein Zuwachs von 1,6 Prozent zustande.

Leichter Anstieg der Arztzahlen

Dass das Durchschnitts-KV-Honorar je Arzt 2012 gesunken ist, resultiert aus dem immer noch leichten Anstieg der Arztzahlen.

Regional sieht das Bild allerdings etwas differenzierter aus: Im Flächenland Niedersachsen verzeichneten die durchschnittlichen Umsätze von Ärzten im Schnitt ein Plus von 1,8 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern ein Wachstum von 1,6 Prozent.

Die überdurchschnittlichen Rückgänge in Baden-Württemberg und Bayern (minus 2,6 und 2,9 Prozent) sind dort im wesentlichen auf steigende Bereinigungsbeträge als Folge von Selektivverträgen zurückzuführen.

Primär davon betroffen sind Hausärzte. Allgemeinärzte und hausärztlich tätige Internisten kamen 2012 im Durchschnitt auf einen KV-Umsatz von 192.676 Euro (minus 0,5 Prozent). Sie liegen damit knapp fünf Prozent unter dem Durchschnittsumsatz aller Ärzte und Psychotherapeuten.

Spitzenreiter: Sachsen-Anhalt

Regional gibt es gerade bei Hausärzten eine breite Spreizung der Durchschnittsumsätze. Auf den höchsten Wert kommen Hausärzte in Sachsen-Anhalt mit 235.113 Euro (plus 2,3 Prozent).

Den höchsten Zuwachs verbuchten die Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern mit 6,8 Prozent. Ihr Durchschnittsumsatz erreicht 234.245 Euro. Auch in den anderen östlichen Bundesländern liegen die Umsätze der Hausärzte mindestens 30.000 Euro über dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

Am anderen Ende der Skala liegen die Hausärzte in Hamburg, die im Schnitt einen Umsatz von gut 151.000 Euro (plus 2,6 Prozent) erreichen.

Der für Baden-Württemberg ausgewiesene KV-Umsatz von 150.630 Euro verzeichnet das Bild insofern, als hier noch die relevanten Umsätze der Hausärzte aus den Selektivverträgen addiert werden müssen.

Anders als in Bayern, wo die Bereinigung der Kollektivvertragsvergütung stark gestiegen ist, scheinen in Baden-Württemberg die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung ihr Potenzial fast ausgeschöpft zu haben. Hier ist das KV-Honorar der Hausärzte nur noch um 2,5 Prozent gesunken, in Bayern jedoch um 5,6 Prozent auf immer noch fast 187.000 Euro.

Unter allen Facharztgruppen, die der KBV-Honorarbericht ausweist, kommen die Internisten mit durchschnittlich 419.462 Euro (minus 1,2 Prozent) auf die höchsten Umsätze. Auch hier liegen die neuen Bundesländer an der Spitze: Thüringen mit 541.000 Euro, Sachsen-Anhalt mit 507.000 Euro. Aber auch im Flächenland Niedersachsen schaffen die Internisten mit 471.494 Euro einen weit überdurchschnittlichen Umsatz.

Top-Umsatz bei Nephrologen

In der Gruppe der Internisten, die dem fachärztlichen Versorgungsbereich zugerechnet werden, gibt es allerdings eine große Spannbreite. Internisten ohne Schwerpunkt kamen 2012 auf einen Durchschnittsumsatz von 257.365 Euro (minus 0,7 Prozent) und lagen damit am unteren Ende der Umsatzskala unter den Ärzten für Innere Medizin.

Auf diesem Niveau rangieren auch die Angiologen mit konstanten 254.445 Euro. An der Spitze stehen die Nephrologen mit einem Durchschnittsumsatz von 906.678 Euro (minus ein Prozent).

Die Millionen-Grenze wird dabei teils deutlich in den KVen Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen überschritten.

Kinderärzte: Umsatz bei knapp 210.000 Euro

Leicht über dem Durchschnitt aller Vertragsärzte lag 2012 das Kassenhonorar der Kinderärzte mit 209.724 Euro (minus 0,4 Prozent zum Vorjahr). Anders als bei den meisten Arztgruppen ist die regionale Streuung nicht so ausgeprägt.

Die höchsten Umsätze erzielen Kinderärzte in Thüringen mit 234.000 Euro (plus 3,4 Prozent) und in Niedersachsen mit gut 225.000 Euro (minus 0,4 Prozent). Am unteren Ende liegen die Berliner Kollegen mit gut 193.000 Euro (plus 0,7 Prozent).

Im Unterschied zum Umsatz ist der Fallwert der Pädiater im Bundesdurchschnitt mit 1,7 Prozent auf 54,82 Euro leicht gestiegen.

Die höchsten Fallwerte erzielen Kinderärzte in Bayern mit 61,07 Euro, am unteren Ende liegt Sachsen-Anhalt mit 47,77 Euro.

Gynäkologen: Umsatz bei 182.429 Euro

Um etwa zehn Prozent unter dem Durchschnitt aller Fachärzte liegt der Kassenumsatz bei der Gynäkologen: 182.429 Euro, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass Frauenärzte nicht selten überdurchschnittliche Honorare mit Individuellen Gesundheitsleistungen erzielen können.

An der Spitze liegen Frauenärzte in der KV Sachsen mit 211.315 Euro (minus zwei Prozent), gefolgt von Bremen mit 201.192 Euro (plus 1,5 Prozent) und Niedersachsen mit 200.192 Euro (plus 5,5 Prozent), am unteren Ende liegen die Kollegen in Rheinland Pfalz mit 171.181 Euro (plus 0,6 Prozent) und Hessen mit 173.608 (minus drei Prozent).

Der bundesdurchschnittliche Fallwert hat sich leicht um 1,5 Prozent auf 43,26 Euro erhöht.

Die höchsten Fallwerte zahlen die KVen Berlin (49,78 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (49,01 Euro), die niedrigsten die KVen Schleswig-Holstein (40,23 Euro), Rheinland-Pfalz (40,85 Euro) und Westfalen-Lippe (40,93 Euro).

Orthopäden: Umsatz bei 213.869 Euro

Fachärzte für Orthopädie erreichten im Jahr 2012 einen Durchschnittsumsatz von 213.869 Euro und lagen damit leicht über dem Durchschnitt aller Facharzt-Kollegen.

Auffällig bei den Orthopäden ist die enorme regionale Spreizung der Honorarumsätze: So liegen die Fachkollegen in Bremen mit einem Jahresumsatz von 298.908 Euro (plus 0,9 Prozent) um fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Anders als in fast allen anderen Fachgruppen liegen die Honorare der Orthopäden in den neuen Bundesländern - mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns (233.806 Euro) - teils deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Sachsen-Anhalt bildet mit knapp 189.000 Euro sogar das Schlusslicht.

Eine wesentliche Ursache für die enormen regionalen Unterschiede sind die Fallwerte: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 48,86 Euro (minus 0,4 Prozent), an der Spitze liegt Bremen mit 62,61 Euro, am unteren Ende Brandenburg mit 34,43 Euro.

Dermatologen: Umsatz bei 189.56 Euro

Das Durchschnittshonorar der Dermatologen aus vertragsärztlicher Tätigkeit ist 2012 mit 189.516 Euro konstant geblieben. Das sind etwas fünf Prozent weniger als der Durchschnitt der Fachärzte an GKV-Umsatz erzielt.

An der Spitze liegen die Kassenumsätze von Hautärzten in Hamburg (217.517 Euro) und Westfalen-Lippe (212.233 Euro). Den niedrigsten Umsatz erzielen die Berliner Dermatologen mit 141.433 Euro (minus 1,5 Prozent).

Dermatologen gehören zu jenen Fachgruppen, die die Möglichkeit haben, auch bei Kassenpatienten zusätzliche relevante Honorare durch individuelle Gesundheitsleistungen zu generieren.

Die Fallwerte von Dermatologen zählen zu den niedrigsten aller Fachgruppen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 33,49 Euro (plus 1,3 Prozent).

Die höchsten Fallwerte zahlen die KVen Baden-Württemberg und Bayern mit knapp 39 Euro. Am unteren Ende liegt Brandenburg mit 24,13 Euro.

Nervenheilkunde/Neurologie/Psychiatrie

Im Bereich der psychiatrisch-neurologischen Versorgung existieren erhebliche Honorardivergenzen, bei Neurologen und Psychiatern chronische Unterdotierung ihrer Leistungen. Einzig Fachärzte für Nervenheilkunde kommen mit 211.760 Euro (minus 7,1 Prozent) auf ein im Vergleich zu Facharztkollegen leicht überdurchschnittliches Honorar.

An der Spitze liegen das Saarland (255.260 Euro (plus 0,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 6,5 Prozent). Berlin und Hamburg liegen am unteren Ende mit 163.841 Euro ((minus 20,6 Prozent) und 164.2304 Euro (minus 13,8 Prozent ).

Die Umsatzrückgänge resultieren überwiegend aus einer Umgruppierung von Ärzten, die ehemals als Psychiater, nun aber als Ärzte für Nervenheilkunde geführt werden.

Fachärzte für Psychiatrie kommen lediglich auf einen Durchschnittsumsatz von 131.282 Euro (minus 0,5 Prozent).

Damit gehören Psychiater zu den am schlechtesten dotierten Arztgruppen. An der Spitze liegen die Psychiater in Mecklenburg-Vorpommern mit 184.611 Euro (minus 4,5 Prozent) und Sachsen mit 166.504 Euro (plus 0,89 Prozent).

Am unteren Ende befinden sich Berlin und Bremen mit knapp 113.000 Euro. Die Fallwerte schwanken regional extrem. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 77,83 Euro (minus 2,5 Prozent), den höchsten Fallwert zahlt die KV des Saarlandes mit fast 120 Euro, den schlechtesten Thüringen mit 46,49 Euro.

Etwas günstiger sieht es bei Neurologen aus: Aber auch ihr Honorar bleibt mit 158.582 Euro (minus 1,6 Prozent) um rund 20 Prozent unter dem durchschnittlichen Facharzt-Honorar. Spitzenreiter sind Neurologen in Mecklenburg-Vorpommern (224.934 Euro) und Niedersachsen (209.912 Euro).

Am unteren Ende stehen Neurologen in Hessen und Thüringen mit 123.719 und 125.086 Euro. Auch in dieser Fachgruppe schwanken die Fallwerte extrem: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 54,43 Euro (plus 1,9 Prozent), den höchsten Fallwert zahlt die KV Schleswig-Holstein mit 74,04 Euro, den niedrigsten die KV Thüringen mit 37,06 Euro.

Urologen: Umsatz bei 197.038 Euro

Fachärzte für Urologie erzielten 2012 einen GKV-Durchschnittsumsatz von 197.038 Euro (plus 0,6 Prozent). Spitzenreiter sind die Fachkollegen in Mecklenburg-Vorpommern mit 252.855 Euro (plus 2,5 Prozent) und in Brandenburg mit 238.935 Euro (minus 0,5 Prozent), am Ende stehen die Urologen in Hamburg mit knapp 163.000 Euro (minus 5,6 Prozent).

Der bundesdurchschnittliche Fallwert beträgt 48,43 Prozent (plus 1,3 Prozent). Brandenburg liegt fast zehn Euro darunter, Baden-Württemberg und Bremen zahlen Fallwerte von 57,68 und 57,24 Euro.

2012 war ein schlechtes Jahr

[22.01.2014, 10:40:48]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dagmar Keller
Wenn Sie über die Honorarzuwächse insbesondere in den neuen Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) schreiben, entspricht das sicher der Realität.
Bedauerlich ist aber, dass sich niemand dazu äußert um welchen Preis dies so ist, nämlich wesentlich höhere Patientenzahlen pro Quartal.

Dr. Dagmar Keller,
Hausärztin
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[20.01.2014, 13:42:36]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lieber Herr Kollege Dr. Klaus Günterberg,
auch für Sie gilt mein Kommentar! Sie können doch dem ÄZ-Autor, dem hochgeschätzten Journalisten Helmut Laschet, der mehrfach auch in Zwischenüberschriften nur wahrheitsgemäß über GKV-U m s ä t z e in den Praxen berichtet, nicht die Frage stellen: "Aber vertritt die KBV mit diesen blanken Zahlen unsere ärztlichen Interessen???"

Exakt diese Frage müssen Sie an die KBV-Verantwortlichen richten, schriftlich und mit Fristsetzung für eine Antwort! Und bei Patienten, in der Öffentlichkeit und den Medien, im Freundes- und Kollegenkreis kommunizieren.

Aus Ihren 3 Punkten geht die charakteristische U n b e s t i m m b a r k e i t von zu erwartenden Praxisüberschüssen in Abhängigkeit von betriebswirtschaftlichen Analysen (BWA) und daraus sich ergebenden individuellen Arzteinkünften vor/nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben hervor.

Die von Ihnen verfasste Publikation bezieht sich auf denselben
"Datensalat", den Sie bei H. Laschet bzw. der KBV kritisieren. Ihre zitierte "Tabelle 2.1, Spalte 1 zeigt die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten vertragsärztlichen Honorare verschiedener Fachgruppen 2007" verwechselt sogar Honorare mit Umsätzen und belegt übrigens auch, dass Sie mit veralteten Zahlen argumentieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[19.01.2014, 17:26:18]
Dr. Klaus Günterberg 
Da kommen innerärztlicher Streit und Neid Außenstehender auf. Erst das letztlich verfügbare Einkommen ist vergleichbar!
Da weist der KBV-Honorarbericht ¬für 2012 die Umsätze der verschiedenen Fachrichtungen aus. Internisten erhielten durchschnittlich 257 Tsd. €, Kinderärzte in Thüringen 234 Tsd. €, Gynäkologen 184 Tsd. €, Orthopäden 214 Tsd. € usw. Unter Ärzten erzeugen diese Zahlen Konflikte, in der Öffentlichkeit kommt, trotz gesunkener Umsätze, wieder Neid auf.

Zweifellos sind die Zahlen von der KBV wahrheitsgemäß genannt. Aber vertritt die KBV mit diesen blanken Zahlen unsere ärztlichen Interessen???

Wer solche Zahlen liest, vergleicht immer Einkommen, zumindest aber immer mit dem eigenem Einkommen. Die Zahlen der HBV bedürfen deshalb einer Interpretation und der Korrektur. Drei Aspekte sind wichtig:

1.) Der betriebswirtschaftlich gebildete Leser weiß natürlich, dass UMSATZ NICHT EINKOMMEN IST, DAZWISCHEN LIEGEN KOSTEN. Die Kosten der Vertragsärzte liegen durchschnittlich bei 52 Prozent des Umsatzes, liegen bei gesprächsorientierten Fachrichtungen, deutlich niedriger, bei operativ tätigen und technisch aufwendigen Fachrichtungen wesentlich höher.

2.) Die genannten Umsätze werden bei einer DURCHSCHNITTLICHEN ÄRZTLICHEN ARBEITSZEIT VON 56 STUNDEN erwirtschaftet, lassen sich nicht einfach mit der Durchschnittsarbeitszeit der Arbeitnehmer vergleichen.

3.)Technisch ausgestattete und operativ tätige Fachrichtungen haben wegen der höheren Investitionen neben höheren Kosten auch stets noch TILGUNGEN zu leisten, die AUS VERSTEUERTEM EINKOMMEN zu zahlen sind. So ist das Einkommen der Ärzte letztlich noch um die Tilgungen auf das verfügbare Einkommen zu reduzieren. NUR DAS VERFÜGBARE EINKOMMEN IST VERGLEICHBAR.

Zu diesen Aspekten ist ausführlich publiziert worden. Wer dazu Zahlen und Einzelheiten nachlesen möchte, der findet sie auf meiner Homepage: http://www.dr-guenterberg.de/content/publikationen/2010/10/PatR_heft_1004-Text.pdf.

Die aktuellen Zahlen der ärztlichen Arbeitszeit, der Kosten, der Steuerbelastung und von Investitionen und Kosten liegen der KBV vor: Die Angabe nur der Honorare liegt nicht in ärztlichem Interesse, sie erzeugt ein völlig falsches, erst die Ergänzung, die Angabe auch des letztlich verfügbaren Einkommens der Ärzte ergibt ein realistisches Bild.

Dr. Klaus Günterberg
Frauenarzt, Berlin
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[18.01.2014, 10:01:30]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
da muss ich nun wirklich dazwischen gehen: Es ist ein Zeichen m a n g e l n d e r sozialer Achtsamkeit, Kompetenz u n d leider auch Intelligenz, ausgerechnet Helmut Laschet, der in gekonnter journalistischer Aufrichtigkeit und mit jahrzehntelangem H i n t e r g r u n d w i s s e n, an dem es den ärztlichen Vor-Kommentatoren eher mangelt, hier derart niederzumachen.

Herr Laschet hat F a k t e n berichtet, die aus dem Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervorgehen, der quartalsweise vorgelegt wird und hier erstmals die Gesamtentwicklung für das Jahr 2012 wiedergibt. Wenn Ihnen dieser KBV-Honorar-Bericht grundsätzlich nicht passt und Sie ihn für irreführend halten, dann müssen Sie als Ärzte und Psychotherapeuten an die KBV persönlich schreiben, Ihre Kritik ausformulieren u n d begründen. Stattdessen dreschen Sie auf den Journalisten als Überbringer schlechter Nachrichten ein, der Ihnen den durchaus kritikwürdigen KBV-Honorar-Bericht schon mal griffig und mit treffenden Worten zusammengefasst hat.

Also, wenn Ihnen was an der KBV nicht passt, setzen Sie sich hin, wie ich es regelmäßig tue, und intervenieren Sie schriftlich ebendort, setzen Sie Fristen und fordern Sie gleichzeitig Ihre KVen auf, sich dazu zu erklären. Dieses Gejammer und die ewigen Stellvertreter-Diskussionen, weil man sich an die eigentlich Mächtigen nicht herantraut, mag ich nicht mehr lesen.

Ich persönlich warte derzeit nur darauf, dass der GKV-Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen, die Medien, Politik und Öffentlichkeit wieder Praxis-Umsatz mit Gewinn und Arzteinkommen verwechseln. Und, wenn das Alles nicht zieht, auf die angeblich hohen Privateinkünfte verweist, die jedoch für verschieden Praxisstandorte extrem variabel und zugleich volatil sind bzw. den budgetierten und pauschalierten GKV-Bereich mitfinanzieren.

Aber wenn Sie glauben, ich hätte noch nicht genug g e g e n meine KVWL und die KBV angeschrieben, brauchen Sie ja nur nachzulesen unter
http://www.springermedizin.de/blog-schaetzlers-schafott/2856296.html
http://news.doccheck.com/de/blog/8-schaetzlers-blog-auf-doccheck/


Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[17.01.2014, 15:00:34]
Dr. Cornelia Karopka 
realistische Darstellung?
Ich muss Kollegen Kann Recht geben, dieser Artikel ist einseitig geschrieben und verzerrt die Realität.
Wäre es nicht gerade auch bei den Hausärzten ein Leichtes gewesen, die Fallwerte zu vergleichen? Dann ergäbe sich nämlich ein anderes Bild, aus dem hervorgeht, dass die Honorare zwingend mit den Fallzahlen zusammenhängen und die Kollegen aus Sachsen-Anhalt,Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg und Sachsen ihre "üppigen Honorare" nur durch übergroße Selbstausbeutung erzielen. Bei den Fallzahlen finden sich auf den Plätzen 1-5 nämlich: Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Hätten die "Honorarschlusslichter" aus Baden-Württemberg (Entschuldigung, liebe baden-württemberger Kollegen) 4238 Fälle im GKV System behandelt wie ihre sachsen-anhaltinischen Kollegen, dann würden sie ein Honorar von 259323 Euro erzielt haben und lägen damit weit an der Spitze.
Selbiges gilt für Hausärzte aller KV -en außer Hamburg und Westfalen-Lippe gemessen am Fallwert in Thüringen (drittniedrigster aller KV-en).
Die Fallwerte variieren um 22%, die Fallzahlen um 52 Prozent, die Honorare um 44 Prozent. Einfache Mathematik, die mehr aussagt als die oben dargestellte Grafik.

Bedauerlicherweise können in den Honorarberichten die Erlöse aus privatärztlicher Tätigkeit nicht eingehen. Hier ergäbe sich mit Sicherheit nochmal eine völlig andere Darstellung.

Also- wem nutzt diese einseitige Darstellung? zum Beitrag »
[17.01.2014, 12:04:43]
Dr. Michael Kann 
unsinniger Zahlensalat
Sehr geehrter Herr Laschet,

als Kenner der Materie hätte ich von Ihnen einen sinnvolleren Artikel erwartet. Der gesamte Zahlensalat und auch die Grafik sagen über die tatsächliche Situation nichts, aber auch überhaupt nichts aus. Sie dienen nur der Verschleierung der tatsächlichen Situation und dem Schüren unqualifizierter Neiddiskussionen. In jeder anderen Branche geht es bei der Beschreibung der Einkommenssituation und deren Veränderung um vergleichbare Arbeitseinheiten. Dies ist in den meißten Fällen der Stundenlohn. Hierum wird im Wesentlichen in den Tarifverhandlungen gekämpft.
Ich vermisse in den Medien, wenn es um die Einkommenssituation und deren Veränderung der Ärzte und Psychotherapeuten geht, schon seit Jahren eine dementsprechende Aufarbeitung. Insbesondere von der Fachpresse sollte dies gefordert und entsprechend dargestellt werden. Unabhängig davon müssen selbstverständlich auch die Quellen (KBV)entsprechende Daten bereitstellen.
In dem gesamten Artikel wird nicht auf Veränderungen und Unterschiede der Arbeitsbelastung (z.B. Wochenstunden) eingegangen. Ohne die konkrete Arbeitsbelastung der einzelnen Fachgruppen ist eine sinnvolle Interpretation der Zahlen nicht möglich. Auch die völlig unterschiedlichen Patientenzahlen der Praxen sowohl zwischen den Bundesländern als auch innerhalb des einzelnen Bundeslandes verzerren die angeführten Daten derart, daß ein realistischer Blick auf die tatsächlichen Einkommensverhältnisse geradezu unmöglich gemacht wird.
Als dem Stundenlohn vergleichbares Mass, muss auch für uns eine Entsprechung gefunden werden. Hierfür bietet sich zumindest näherungsweise der sogenannte Patientenfallwert an. Wenn der steigt erhöht sich auch das Honorar. Obwohl auch hier die eventuell sich verändernde Morbidität nicht berücksichtig ist. Auch durch die Hereinnahme neuer Leistungen wird das Honorar nicht erhöht, sondern lediglich die dadurch bedingte Mehrarbeit bezahlt.

Dr. Michael Kann
Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin
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[17.01.2014, 09:47:58]
Dipl.-Psych. Martin Runge 
Wut
Ich spüre nur noch Wut. Danke, Kollege Lenz!
Ausgerechnet die mit großem Abstand am schlechtesten dotierte Fachgruppe der (ärztlichen & psychologischen) Psychotherapeuten nicht mal zu erwähnen, kann man schon als Nachrichtenmanipulation bezeichnen.
Ich habe eine 55-Stunden-Woche und musste diese Woche meine Putzfrau entlassen. Psychotherapeuten, welche die Patiententoilette selber reinigen müssen kenne ich einige aber keinen einzigen Kollegen einer anderen Fachrichtung.
Ich warte dringend auf ein erneutes BSG-Verfahren und Urteil da in der ärztlichen Selbstverwaltung offensichtlich das Gesetz der Serengeti herrscht. zum Beitrag »
[17.01.2014, 07:04:47]
Gerhard Leinz 
Unärztliche "Schweigepflicht" ??
Ich bin immer wieder darüber erschüttert, wie systematisch und durchgängig die desolaten Vergütungssituation (auch der Fachärztlichen!) Psychotherapeuten unterschlagen wird. Der Umsatz der Psychotherapeuten leigt weiter hinter der schlechtest vergüteten Facharztgruppe, den Psychiatern. Der Umsatz der Psychotherapeuten schwankt Bundesweit am wenigsten. Er leigt bei ca 68000 bis 72000 Euro im Jahr. Auch dies geht aus dem Honorarbericht der KBV 21012 hervor!! Falls da jemand sagt "Ihr habt weniger Kosten" - JA!! Muss man auch haben, um da von Leben zu können. Da kann man sich keine Helferin oder Mitarbeitende Ehepartner von Leisten. Da muss der Partner selber arbeiten!

Gerhard Leinz
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zum Beitrag »

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