Ärzte Zeitung online, 03.04.2014

Honorar in Brandenburg

Hochrechnung bestätigt Kritiker

Schon vor dem neuen Hausarzt-EBM schlugen die Kritiker Alarm: Die Behandlung von Chronikern und die sprechende Medizin würden nur ungenügend finanziert. Eine erste Auswertung aus Brandenburg bestätigt die kritischen Stimmen jetzt.

Von Angela Mißlbeck

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Bedeutet weniger Leistungsbedarf bei Hausärzten in Brandenburg auch weniger Geld? Diese Frage lässt sich noch nicht beantworten.

© thomas lehmann/istock

POTSDAM. Aus Brandenburg liegen die ersten Ergebnisse zur Honorarentwicklung nach dem neuen Hausarzt-EBM vor. Kritiker sehen sich bestätigt: Vor allem die Behandlung chronisch kranker Patienten, aber auch die Gesprächsleistungen würden nicht richtig abgebildet, meint der Hausarzt Dr. Hanjo Pohle, der in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) und im Vorstand des märkischen Hausärzteverbands (HÄVBB) sowie der Ärztekammer (ÄKBB) aktiv ist.

Pohle zeigte sich bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse in der KVBB-Vertreterversammlung entsetzt, dass die Befürchtung bestätigt werde, dass die Änderungen zu Minder-Leistungsbedarf führen würden.

"Gewisse Webfehler und gravierende Mängel, die in der Hausarztriege der KBV beschlossen wurden, schlagen nun grauenhaft bei uns durch", sagte er. Besonders an den neuen Regelungen zu den Chronikerpauschalen übte er heftige Kritik.

"Es war ein Fehler, dass nur acht Ärzte diesen Hausarzt-EBM entwickelt haben", sagte Pohle. Er kündigte an, dass der beratende Fachausschuss der Hausärzte in der KVBB ein Positionspapier erarbeiten wird.

Um sechs Prozent ist der Leistungsbedarf bei den Chronikerpauschalen nach Angaben von KVBB-Vize Dr. Peter Noack im vierten Quartal 2013 verglichen mit dem Vorjahresquartal gesunken.

Der Leistungsbedarf pro Arztfall für diese Leistung ging bei den Hausärzten von 8,69 Euro auf 8,14 Euro zurück. Bei Kinderärzten legte er um ein Prozent von 2,41 auf 2,44 Euro zu.

Bei den hälftigen Versichertenpauschalen für Vertreterfälle gab es deutliche Rückgänge, obwohl die Vertreterfälle in Brandenburg aufgrund einer Landesregelung mit 14 Euro gefördert werden.

So nahmen die Vertreterfälle bei Hausärzten um acht Prozent ab. Die Förderung bindet laut Noack rund 3,3 Millionen Euro im Jahr. "Irgendwann wird man darüber nachdenken müssen, an diese Regelung zu gehen", sagte er.

Zudem wurden Noack zufolge rund 1,5 Millionen Euro für Gesprächsleistungen nicht ausgeschöpft. Das zeigt nach Auffassung des KVBB-Vize, "dass wir hier noch Leistungsbereiche haben, die sinnvollerweise dynamischer verlaufen sollten".

Viel genutzt wurden die Abrechnungspositionen für neue Leistungen. Geriatrie rechneten 83 Prozent der Hausärzte ab, Palliativmedizin 61 Prozent der Haus- und sogar 12 Prozent der Kinderärzte. Sozialpädiatrie setzten 86 Prozent der Kinderärzte an.

Die Daten zur Honorarentwicklung im vierten Quartal 2013 in Brandenburg sind vorläufig. Für weitere Analysen müssen Honorarergebnisse abgewartet werden.

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