Ärzte Zeitung online, 08.08.2014

KBV-Honorarbericht

Hausärzte stechen erneut Fachärzte aus

In ihrem Honorarbericht für das 2. Quartal 2013 meldet die KBV unterschiedliche Entwicklungen: Während die Hausärzte beim Honorar je Behandlungsfall zulegen, verdienen Fachärzte je Fall gar weniger als ein Jahr zuvor.

Von Florian Staeck

Hausärzte stechen erneut Fachärzte aus

Wie viel Geld ein Arzt in der Tasche hat, hängt auch von seiner Fachgruppe und seinem Wohnort ab.

© Eisenhans / fotolia.com

BERLIN. Um 1280 Euro oder 2,6 Prozent ist bundesweit der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt oder Psychotherapeut im zweiten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Das geht aus dem neuen Honorarbericht der KBV hervor. Betrachtet man dagegen den einzelnen Behandlungsfall, so ergibt sich ein Zuwachs von nur 0,4 Prozent auf 60,52 Euro - das entspricht 22 Cent.

Dabei divergiert die Entwicklung zwischen Haus- und Fachärzten erheblich. Bei Allgemeinmedizinern und hausärztliche Internisten ist der Honorarumsatz je Behandlungsfall um 1,9 Prozent auf 59,58 Euro gestiegen. Bei Fachärzten hingegen fällt schon der durchschnittliche Zuwachs beim Honorar je Arzt oder Psychotherapeut mit zwei Prozent deutlich niedriger aus.

Ins Negative kippt die Entwicklung, wenn der Umsatz je Behandlungsfall betrachtet wird. Hier sinkt das Honorar der Fachärzte um 0,9 Prozent auf 64,17 Euro: Fachärzte behandeln mehr Patienten, erhalten aber weniger Geld je Patient.

Damit wiederholt sich die Entwicklung des ersten Quartals 2013 teilweise: In den ersten drei Monaten verzeichneten Hausärzte gegen den Trend ein Honorarplus von 2,3 Prozent. Gleichzeitig sind bei Fachärzten über alle Fachgruppen hinweg die Durchschnittsumsätze um 2,6 Prozent gesunken.

Dermatologen notieren beste Entwicklung

Freilich unterscheidet sich die Entwicklung auch im zweiten Quartal in den einzelnen Fachgruppen erheblich. Besonders günstig hat sich das Honorar bei Dermatologen (plus 6,7 Prozent), Augenärzten (plus 5,8 Prozent), Hausärzten (plus 4,0 Prozent) und HNO-Ärzten (plus 3,9 Prozent) entwickelt.

Auf niedrigerem Ausgangsniveau verzeichneten Psychotherapeuten einen durchschnittlichen Zuwachs von 3,9 Prozent - das entspricht 700 Euro.

Heterogen fallen bei Allgemeinmedizinern und hausärztlichen Internisten die Zuwächse je nach KV-Region aus. In Thüringen schießt der Honorarumsatz mit 11,8 Prozent (plus 6650 Euro) am stärksten in die Höhe. Mickrig fällt dagegen mit 0,1 Prozent der Zuwachs in Hamburg aus -  das sind 57 Euro.

Betrachtet man den Umsatz je Arzt in dem Quartal, liegt Thüringen mit 63.078 Euro auf Platz 1, gefolgt von Sachsen-Anhalt (62.333 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (58.665 Euro).

Das Schlusslicht bilden Hausärzte in Hamburg mit 38.097 Euro. Die Daten aus Bayern (plus 2,2 Prozent) und Baden-Württemberg (plus 5,0 Prozent) sind aufgrund der Bereinigung durch Hausarztverträge kaum vergleichbar.

Anstieg der Gesamtvergütung

Bei der Gesamtvergütung für alle Ärzte und Psychotherapeuten ergibt sich im zweiten Quartal 2013 ein Anstieg um 313 Millionen auf knapp 8,4 Milliarden Euro.

Deutlich gesunken ist erwartungsgemäß die budgetierte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV), und zwar bundesweit um 3,5 Prozent auf 5,84 Milliarden Euro. Parallel dazu schoss die extrabudgetäre Gesamtvergütung um mehr als 26 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro in die Höhe.

Ein wichtiger Grund: Zum ersten Quartal 2013 sind die antragspflichtigen Leistungen der Psychotherapie sowie der probatorischen Sitzungen in die extrabudgetäre Gesamtvergütung überführt worden.

Wenig getan hat sich bei Vergütungsbereinigung infolge von Selektivverträgen: Mit 150 Millionen sind dies sechs Millionen Euro mehr gewesen als im ersten Quartal 2013.

Übergroß ist dabei die Dominanz der Selektivverträge in Baden-Württemberg und Bayern. Beide Regionen repräsentieren 93 Prozent des insgesamt bereinigten Honorars.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »