Ärzte Zeitung, 22.10.2014

Kommentar zu Regressen

Reine Prinzipienfrage

Von Ilse Schlingensiepen

Gesundheitspolitiker und KV-Vertreter werden nicht müde zu betonen, dass die tatsächliche Bedrohung durch Arznei- und Heilmittelregresse bei Weitem nicht so groß ist wie die gefühlte. Die nackten Zahlen geben ihnen erst einmal Recht.

Anders sieht es bei den Prüfverfahren aus. Da ist der Kreis der Betroffenen schon merklich größer. Selbst wenn die meisten Ärzte am Ende einen Regress abwenden können: Sie müssen viel Zeit und Nerven in ihre "Verteidigung" stecken.

Die Ärzte ärgert, dass sie sich in einem aufwändigen Verfahren für Verordnungen rechtfertigen müssen, die sie im Sinne ihrer Patienten ausgestellt haben. Das kann man ihnen nicht verdenken - vorausgesetzt, die Indikation und der gewählte Wirkstoff stimmen und die Verordnungen sind wirtschaftlich kein grober Unfug. Die Ärzte haben von der Verordnung keinen Nutzen, sollen im Zweifelsfall aber den finanziellen Schaden haben.

Solange dieses Prinzip bestehen bleibt - und es sieht nicht so aus, als würde sich durch das Versorgungsstärkungsgesetz Grundlegendes ändern - wird die Regressangst Ärzte weiter begleiten. Vor allem aber wird sie den Nachwuchs davon abhalten, sich als Hausarzt niederzulassen. Der Verweis auf die nackten Zahlen wird daran nichts ändern.

Lesen Sie dazu auch:
Regress: Hausarzt bläst zum Gegenangriff

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »