Ärzte Zeitung App, 11.11.2014

Honorareinigung

Neue Zuschläge für Fachärzte

Fachärzte erhalten kommendes Jahr mehr Geld. KBV und GKV haben eine Erhöhung der Strukturpauschalen (PFG) beschlossen. Extrabudgetär soll es für jede fachgruppenspezifische PFG nun knapp 27 Prozent mehr geben.

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Etwas höhere Fallwerte in Sicht: Fachärzte erhalten im kommenden Jahr durch eine fixe Anhebung ihrer jeweiligen Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung 132 Millionen Euro mehr.

© Kzenon / fotolia.com

BERLIN. Die erklärte Förderung der haus- und fachärztlichen Grundversorgung ist ein Element der Honorarverhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband. 264 Millionen Euro sollen dafür aufgewendet werden.

Die eine Hälfte des Geldes wurde jetzt (wie berichtet) mit der Einführung neuer EBM-Ziffern zur Honorierung des Einsatzes nicht-ärztlicher Praxisassistentinnen verplant.

Mit der anderen Hälfte soll die Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung (PFG) aufgestockt werden. Diese Pauschale war erst im Oktober vorigen Jahres für sogenannte "Fachgruppen der Grundversorgung" eingeführt worden.

Weil die jetzt beschlossene Erhöhung - um einheitlich 26,7 Prozent - extrabudgetär erfolgen soll, werden für diesen PFG-Zuschlag auch eigene EBM-Gebührenordnungspositionen geschaffen. Ab 1. Januar 2015 erhält jede Fachgruppe der Grundversorgung eine eigene Zuschlagsziffer.

Sie wird dann automatisch durch die Kassenärztliche Vereinigung bei der Abrechnung der PFG zugesetzt. Zur Erinnerung: Die PFG selbst geht in der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) auf.

PFG für Schwerpunktinternisten

Eine weitere Neuerung der jüngsten Honorarbeschlüsse ist die Einführung einer PFG für Schwerpunktinternisten. Bislang galt nur für Internisten ohne Schwerpunkt eine solche Pauschale. (GOP 13220) Künftig erhalten auch die spezialisierten Kollegen - etwa Kardiologen, Nephrologen Onkologen - eine eigene PFG.

Sie wird mit 41 Punkten bewertet. Der extrabudgetäre Zuschlag für Schwerpunktinternisten wird mit elf Punkten bewertet.

6,64 Millionen Euro sollen den Schwerpunktinternisten auf diese Weise zusätzlich zufließen, heißt es in einer Erläuterung der KBV.

Allerdings erhalten sie die PFG nur für solche Behandlungsfälle, bei denen ausschließlich die jeweils für sie im EBM verzeichnete Grundpauschale abrechenbar ist - und/oder darüber hinaus der Laborwirtschaftlichkeitsbonus (GOP 32001).

PFG für Gynäkologen wird gesenkt

Wie es seitens der KBV heißt, soll anhand der Abrechnungsdaten des 2. Quartals 2015 überprüft werden, ob die neuen Strukturpauschalen zu einer Leistungsausweitung führen. Ergäben sich entsprechende Anzeichen, solle der Bewertungsausschuss über geeignete Gegenmaßnahmen beraten.

Eine Anpassung der Pauschalen zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung wurde bereits jetzt vorgenommen. So soll die PFG für Gynäkologen (GOP 08220) um sechs Punkte auf 24 Punkte gekappt werden. Das Honorarvolumen der Fachgruppe bleibe aber gleich, versichert die KBV.

Die Anpassung erfolge, weil die Gynäkologen bis dato häufiger als erwartet solche Fälle abgerechnet hätten, bei denen ihnen die PFG zugesetzt wird. Möglich sei das gewesen, erläutert die KBV, weil häufig die GOP 01701 (Pauschale für Laborleistungen rund um Schwangerschaft, Entbindung und Schwangerschaftsabbruch) nicht angesetzt wurde.

Gynäkologen sollen künftig die PFG auch dann erhalten, wenn sie die Laborpauschale nach GOP 01701 abrechnen.

Auch Psychiater, Nervenärzte und Neurologen müssen sich auf Änderungen einstellen. So soll die für psychiatrische und nervenheilkundliche Grundversorgung bisher einheitlich mit 40 Punkten (4,05 Euro) bewertete Strukturpauschale (GOP 21218) gesplittet und unterschiedlich bepunktet werden.

Die alte und neue PFG für die Psychiatrie (GOP 21218) bringt ab 1. Januar 44 Punkte (4,52 Euro). Die PFG für die Nervenheilkunde wird in einer neuen Ziffer (GOP 21225) mit 39 Punkten bewertet (4,01 Euro). Die PFG für Neurologen (GOP 16215) wird um einen Punkt auf 39 Punkte gesenkt.

Die übrigen Fachgruppen müssten nicht mit einer Absenkung ihrer PFG rechnen, heißt es. Im Gegenteil: Für sie erhöht sich allein schon dank besseren Punktwertes zum 1. Januar die Strukturpauschale.

Beispiel Anästhesiologen: Deren PFG bringt aktuell 7,60 Euro. Ab Januar werden es 7,70 Euro sein, zu denen sich dann noch der neue extrabudgetäre Zuschlag - für Anästhesiologen sind es 20 Punkte beziehungsweise 2,05 Euro - hinzu addiert. Daraus resultiert ein Plus von 28,3 Prozent. (cw)

Eine Übersicht der neuen Zuschlagsziffern zu den jeweiligen fachärztlichen Strukturpauschalen (PFG) sowie eine Auflistung der neuen Strukturpauschalen für Schwerpunktinternisten gibt es unter: www.kbv.de

[11.11.2014, 08:07:56]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil !
Die Gesamtzahl der innerhalb der GKV als Haus- und Fachärzte tätigen Vertragsärzte (KBV Stand 31.12.2013) beträgt:
142.660 Kolleginnen und Kollegen als Haus-, Fach- und Spezialärzte.
Davon waren 54.134 Ärztinnen und Ärzte nach eigenen Angaben rein hausärztlich tätig.

Wenn die geplante Erhöhung der Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung (PFG) ab dem Jahr 2015 einem Zusatzbetrag von 132 Millionen Euro entspricht, muss diese zumindest auf 88.526 Fachärzte verteilt betrachtet werden (die Pathologen und Laborärzte habe ich hier vereinfachend n i c h t herausgerechnet). Die andere Hälfte des Gesamtvolumens von 264 Millionen Euro wurde wie bereits in der Ärzte Zeitung berichtet mit der Einführung neuer EBM-Ziffern zur Honorierung des Einsatzes nicht-ärztlicher Praxisassistenten/-innen verplant.

Pro einzelnen Facharzt bedeutet der Gesamtbetrag von 132 Millionen Euro mehr eine jährliche Erhöhung der PFG von durchschnittlich 1.491 Euro pro Vertragsarzt. Das sind 124,26 pro Monat Praxis-Mehrumsatz.

Wenn nur grundversorgende Fachärzte ab Januar 2015 diesen festen Zuschlag je PFG bekommen und die Höhe des Zuschlags einheitlich bei 26,7 Prozent der jeweiligen PFG liegen soll, ist dies doch nach wie vor von schwankenden Fallzahlen bzw. zunehmender Inanspruchnahme-Frequenz im Quartal bzw. im Jahr abhängig.

Am Beispiel der HNO-Ärzte, die einen Zuschlag von 0,72 Cent auf ihre bisher mit 2,77 Euro bewertete PFG bekommen, ergeben sich eine Summe von 3,49 Euro, was einem monatlichen Praxisumsatz von 1,16 Euro pro Patient entspricht.

Wie KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen verkünden kann, damit sei der Einstieg in feste Preise gelungen und die Grundversorgung gestärkt worden, bleibt völlig schleierhaft. Sein Statement: „Die Pauschale zur fachärztlichen Grundversorgung ist ein erster Schritt, um die bestehende Unterfinanzierung zu beseitigen“ ist substanziell nicht quantifizier- und verifizierbar (Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60784).

Dies schreibe ich ausdrücklich als N i c h t-Facharzt, sondern als ein vom Hausarzt-EBM-Betroffener. Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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