Ärzte Zeitung, 17.11.2014

GOÄ-Reform

Privatärzte sind gespannt auf neue GOÄ

Nullrunde oder kräftige Steigerung nach Jahren der Stagnation? Die Privatärzte stehen in Sachen GOÄ zwischen Hoffen und Bangen.

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Gebührenordnung mit Verfallsdatum? Nicht nur die Privatärzte warten auf eine neue GOÄ.

© Thomaier

FRANKFURT. Die organisierten Privatärzte sind derzeit nicht unglücklich darüber, dass sie der Kassenmedizin den Rücken gekehrt haben.

Zwar hat der Zulauf in die private Krankenversicherung zuletzt nachgelassen, doch was derzeit im GKV-System geschehe, sei nicht dazu angetan, die freie Berufsausübung von Ärzten zu fördern, sagte Dr. Norbert Franz, 1. Vorsitzender des Privatärztlichen Bundesverbandes (PBV) zur Eröffnung des Tages der Privatmedizin in Frankfurt.

"Im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz sind sehr viele Kröten für Vertragsärzte versteckt", sagte Franz. Er habe vor allem den Eindruck, dass die "flächendeckende ambulante fachärztliche Versorgung verschwinden und an die Krankenhäuser verlagert werden soll".

Franz und sein Vorstandskollege Dr. Thomas P. Ems gaben einen kleinen Ausblick auf die zu erwartende neue GOÄ. Es werde nach ihrem Wissensstand eine Aufwertung der sprechenden Medizin geben, vor allem der Gebührenordnungspositionen GOÄ-Nrn. 1, 3 und 34 um 35 bis 45 Prozent.

Dafür würden technische Leistungen leicht abgewertet, zum Beispiel der Ultraschall. Die größte Abwertung sei beim MI- und MII-Labor zu erwarten.

"Für die allgemeinmedizinische Praxis alles in allem ein Nullsummenspiel", sagte Ems, der einräumte, dass der Verhandlungsstand zwischen Bundesärztekammer und Privater Krankenversicherung "eine Blackbox" sei. Wichtig seien auch, wie die Details am Ende von der BÄK ausgehandelt würden, zum Beispiel Abrechnungsausschlüsse oder Beschränkungen der Häufigkeit der Abrechnung.

Für die Ärzte sei klar, dass die neue GOÄ nach all den Jahren eine Anhebung der Sätze bringen müsse, sagte Franz, aber die Länder, die über die Beihilfe mit im Boot sitzen, hätten bereits signalisiert, dass sie Mehrkosten nicht tragen könnten - "da drehen wir uns im Kreis".

Es bleibe aber dabei, dass die privatärztliche Vergütung immer noch deutlich besser sei als im Kassenbereich üblich.

Franz appellierte an die Privatärzte, in ihren Praxen auch ohne Regelungsdruck das Qualitätsmanagement voranzubringen und sich zertifizieren zu lassen. Zu den Kosten für die Zertifizierung könne man einen öffentlichen Zuschuss von 1500 Euro bekommen.

Es sei nicht gut für Privatärzte, wenn es von Vertragsarztseite heiße, dass es in Privatpraxen keine Qualität gebe. Franz: "Da muss man reagieren." (ger)

[17.11.2014, 15:14:10]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Der Bumerang (GOÄ) frei nach Joachim Ringelnatz !
„War einmal ein Bumerang (GOÄ);
War ein weniges zu lang.
Bumerang (GOÄ) flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang (GOÄ).“

„Wir brauchen zudem ein klares Bekenntnis der Politik zu einer grundsätzlichen Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung“, wiederholte BÄK-Präsident und Kollege, Prof. h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery noch Ende 2013 im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt. Es war und ist aber die BÄK s e l b s t, welche die zu ihrer K e r n k o m p e t e n z gehörende Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) jahrzehntelang verschlafen hat:
• GOÄ-Systematik auf dem Stand vom 16.4.1987 (BGBl. I, S. 1218)
• GOÄ-Punktwert-Anhebung in 31 Jahren (1983-2014) um 14 %
• kalkulatorischer Punktwert 10 (1983), 11 (1988), 11,4 Pfennige (1996)
• jährlicher Punktwertanstieg in 31 Jahren durchschnittlich plus 0,45% p. a.

Ex post wurde sogar ein völlig absurder Inflationsausgleich rückwirkend ab 1996 in Höhe von 30,4 Prozent vom BÄK-Vorstand 2014 ins Spiel gebracht, um ernsthafte Verhandlungen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) weiter zu torpedieren. Gleichzeitig hatte jedoch die BÄK selbst in aller Seelenruhe zugeschaut, wie es zu überwiegend Facharzt-, Technik- und Labor-lastigen, völlig unkontrollierten Mengenausweitungen mit immer obskureren Analog-Anwendungen bei den GOÄ-Abrechnungen zu Lasten der privat Krankenversicherten, der PKV und der Beihilfestellen gekommen war.

Die e i g e n t l i c h e n Ursachen für das alljährliche BÄK-Possenspiel, eine Einigung mit der PKV über eine neue GOÄ sei geradezu unaufhaltsam vertrags- und unterschriftsreif, liegen ganz woanders: BÄK und LÄKn sind mehrheitlich vom Marburger Bund (mb) dominiert und majorisiert. Der mb vertritt ausschließlich und erfolgreich die Interessen seine angestellten und beamteten Mitglieder. Damit hat der mb k e i n substanzielles Interesse mehr, die ökonomischen Bedingungen ausgerechnet bei den freiberuflich niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten verbessern zu wollen. Dies würde nicht nur seine eigenen mb-Tarifabschlüsse mindern, sondern zu einem mb-Mitgliederschwund führen, wenn Arzt-Niederlassungen in freier Praxis wieder attraktiver würden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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