Ärzte Zeitung online, 22.12.2014

AOK Bayern

Hausärzte sollen Millionen zurückzahlen

Böse Weihnachts-Überraschung für rund 2700 bayerische Hausärzte, die an der HzV teilnehmen: Nach Angaben des BHÄV fordert die AOK insgesamt 12,5 Millionen Euro an Honorar zurück. Schuld sind massenhaft fehlerhafte Abrechnungen, erläutert die Kasse.

Hausärzte sollen Millionen zurückzahlen

Die AOK fordert 12,5 Millionen Euro von Hausärzten in Bayern zurück.

© Stephan Thomaier

MÜNCHEN. Kurz vor Weihnachten erleben etwa 2700 Hausärzte in Bayern eine böse Überraschung. Die AOK Bayern fordert von ihnen insgesamt 12,5 Millionen Euro zurück, wie der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) berichtet.

Dabei geht es um Honorare, die die Kasse nach ihrer Ansicht im Rahmen des Moduls Pharmakotherapie des HzV-Vertrags zuviel ausbezahlt hat: Für die Arzneimitteltherapieoptimierung (AMTHO) bei Patienten, die sechs und mehr Medikamente bekommen, können die Ärzte zusätzliche Leistungen berechnen.

In den strittigen Fällen geht es um Differenzen bei den gemeldeten Patienten, die bislang nicht geklärt wurden, so der BHÄV.

Am 19. Dezember habe die AOK nun die gesammelten Forderungen aus den vergangenen zwei Jahren (2. Quartal 2012 bis 3. Quartal 2014) mit einer Frist von 30 Tagen geltend gemacht.

Bis zu 100.000 Euro pro Praxis

In Einzelfällen sollen sich die Rückforderungen nach Informationen des BHÄV auf bis zu 100.000 Euro pro Praxis belaufen. Das sei existenzgefährdend. Man werde die Rückforderungen nicht hinnehmen, erklärte der Verband.

Der Vorsitzende des BHÄV, Dr. Dieter Geis, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme empört: "Die AOK Bayern hat über mehr als zwei Jahre vermeintliche Forderungen gesammelt, um den Hausärztinnen und Hausärzten, die am HzV-Vertrag AOK Bayern teilnehmen, jetzt kurz vor den Weihnachtsfeiertagen zum Teil existenzbedrohende Forderungen samt einer kurzen Frist zustellen zu können."

Er habe bereits das Bayerische Gesundheitsministerium gebeten, aufsichtsrechtlich tätig zu werden, "um diese Geisterfahrt der AOK Bayern zu stoppen", so Geis.

AOK Bayern: "Extrem hohe Zahl fehlerhafter Abrechnungen"

Die AOK Bayern betonte demgegenüber, bemerkenswert sei nicht die Rückforderung als solche, sondern die "extrem hohe Zahl fehlerhafter Abrechnungen". Die hohe Zahl der betroffenen Ärzte sei "niederschmetternd".

Die Abrechnungsfehler wären bei ausreichender Berücksichtigung der Handlungsanleitungen des Hausärzteverbandes zu vermeiden gewesen. Möglicherweise hätte der BHÄV seine Mitglieder noch intensiver beraten müssen.

Dass die Rückforderung jetzt vor Jahresende angemeldet wurden, erklärt die AOK mit einem möglichen Fristablauf. Im Übrigen sei sie zur sachlich-rechnerischen Richtigstellung verpflichtet, ein Ermessen bestehe im Interesse der Beitragszahler nicht. (sto)

[23.12.2014, 12:28:48]
Dr. Karlheinz Bayer 
Ihr bayrischen Kollegen, kündigt die Verträge!

Wie kann man sich auch nur an eine Kasse wie die AOK binden? Wir Ärzte sínd unbelehrbar, und rechnen können wir auch nicht. Die Geschichte der ärztlichen Selbstverwaltung, die Geschichten aus dem vorletzten Jahrhundert, als sich unsere Vorfahren zusammenschlossen zu der Vereinigubng, die dann die Kassenärztliche Vereinigung geweorden ist, allein diese Geschichte und diese Geschichten hätten ausgereicht, unsere Seelen an die AOK zu verkaufen, Verträge abzuschließen mit Formulierungen, die irgendwann ganz sicher zu unseren Lasten ausgelegt werden.
"Hätten die Hausärzteverbände ihren Mitgliedern die HANDLUNGSANWEISUNGEN (!) doch nur genauer verdeutlicht" - der Satz ist so wahr, wie er wahrer nicht sein kann. Ist das Kleingedruckte nicht der AOK geradezu auf den Leib geschrieben?
Klar ist, die KV ist keine Gewerkschaft und die AOK kein Arbeitgeber. Aber ein bißchen sind sie es wohl. Es ist ein Ding, das man nicht nur in Württemberg als etwaqs bezeichnetz, das ein Geschmäckle hat, wenn sich Gewerkschaftsvertreter und Arbeuitgeber zu gut verstehen. Es kann nur auf dem Rücken der Werktätigen ausgetragen werden.
Ihr bayrischen Kollegen, hört auf, Euch um ein paar Euro zu streiten, erkennt, daß es nicht nur um läppische 12,5 Mio geht, sondern um Eure Unabhängigkeit. Und macht Schluß damit!

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