Ärzte Zeitung, 09.02.2015

Saarland

Honorare steigen um 2,5 Prozent

Die Honorare für Vertragsärzte an der Saar steigen in diesem Jahr um 2,5 Prozent - im Vorjahr waren es noch drei Prozent. Dies deckt sich auch mit dem Eindruck der KV, dass die Verhandlungen von Jahr zu Jahr schwieriger werden.

Von Andreas Kindel

SAARBRÜCKEN. Im Saarland müssen sich die Kassenärzte in diesem Jahr mit einem etwas geringeren Honoraraufschlag zufrieden geben als im Vorjahr: Das Honorarvolumen steigt 2015 um insgesamt 2,5 Prozent.

Das hat der KV-Vorsitzende Dr. Gunter Hauptmann bei der KV-Vertreterversammlung am Mittwochabend in Saarbrücken mitgeteilt. Im vergangenen Jahr hatte das Plus für die rund 2100 Vertragsärzte und Psychotherapeuten im Land noch drei Prozent betragen.

Nach Angaben der KV Saarland steigt die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) dieses Jahr um knapp acht Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch elf Millionen Euro.

Der Punktwert steigt demnach um 1,4 Prozent auf 10,2718 Cent. Und auch für die extra-budgetären Leistungen gibt es zukünftig mehr Geld: So steigen Impfvergütung und Wegegelder um jeweils 1,4 Prozent.

Im vergangenen Jahr wurden die Vergütungen für Schutzimpfungen und Wegegelder entsprechend der Grundlohnsummen-Entwicklung um 2,81 Prozent erhöht.

"Wir haben unser Ziel ‚drei Prozent plus x‘ in den Verhandlungen erreicht", sagte Hauptmann damals der "Ärzte Zeitung". Die Verhandlungen seien aber schwieriger gewesen als im Vorjahr, kritisierte er schon 2014 - eine Entwicklung, die sich nun fortsetzt.

Kaum Unterstützung für neue Ideen

"Die Honorarverhandlungen werden von Jahr zu Jahr schwieriger", klagte Hauptmann nun auf der diesjährigen KV-Vertreterversammlung. So habe man erst in den Verhandlungen erreicht, dass es wie bisher pro Quartal 613.000 Euro für förderungswürdige Leistungen gibt.

Die Kassen hätten diesen Posten komplett zur Disposition gestellt. Auch finde man für neue Initiativen kaum Unterstützung. "Wir wollen endlich einen Strukturvertrag zur Rheuma-Versorgung erreichen", erläuterte der KV-Chef. "Aber da gibt es bei den Kassen überhaupt keine Bewegung".

Auch ihren vor noch gar nicht so langer Zeit eingeführten Extra-Topf für Geriatrie und Palliativmedizin schafft die KV Saarland zum 1. April wieder ab. Bislang konnte die KV die Leistungen der Ärzte nicht einmal zu einem Drittel vergüten.

Pro Quartal wären über 800.000 Euro zusätzlich nötig gewesen, um den Medizinern das volle Honorar zu zahlen. Die Kassen hatten bei den Honorarverhandlungen nach KV-Angaben aber jede Erhöhung abgelehnt.

Angesichts dieser Lage beschloss die KV-Vertreterversammlung einstimmig, den Vorwegabzug lieber wieder abzuschaffen und das Geld stattdessen den Praxis-Budgets zuzuordnen.

Der KV Saarland macht außerdem noch immer die Fusion der AOKen Rheinland-Pfalz und Saarland 2012 zu schaffen. Seitdem fehlt der KV nach eigenen Angaben jedes Quartal eine Million Euro in der Kasse.

Der Grund: Gelder für Grenzgänger, die in Frankreich wohnen, aber bei der AOK versichert sind, fließen jetzt nicht mehr wie früher nach Saarbrücken, sondern nach Rheinland-Pfalz. Der Streit hat inzwischen ein juristisches Nachspiel.

Vor Gericht hat die KV nach Hauptmanns Angaben aber in erster Instanz verloren.

Hohe Steigerungsraten bei Diabetes

Zahlreiche Mediziner an der Saar fragen sich außerdem, warum das Saarland bei der Verteilung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung nicht besser abschneidet, da die Saarländer ihrer Ansicht nach deutlich kränker sind als die übrigen Westdeutschen.

"Die Steigerungsraten bei Diabetikern sind im Saarland bundesweit am höchsten", berichtete der Püttlinger Allgemeinmediziner Dr. Eckart Rolshoven.

Rolshoven ist Mitglied im Vorstand der saarländischen Ärztekammer und hat schon seit Jahren das Aufkommen von Krankheiten im Saarland untersucht.

Sein Fazit: Nicht nur bei Diabetes, sondern auch bei der Häufigkeit anderer Erkrankungen wie etwa Herzinfarkten und Krebs ist das Saarland im westdeutschen Vergleich vorn dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »