Ärzte Zeitung, 25.02.2015

Westfalen-Lippe

Praxisgemeinschaften im Visier der KV

In Westfalen-Lippe prüft die KV immer mehr Praxisgemeinschaften auf eine korrekte Abrechnung. Knackpunkt sind oft zu viele gemeinsame Patienten.

Von Ilse Schlingensiepen

DORTMUND. Die Abrechnung von Praxisgemeinschaften bereitet der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) Kopfschmerzen.

Ärzte, die bei den Plausibilitätsprüfungen auffällig werden, fühlen sich trotz klarer Regelverstöße ungerecht behandelt und gehen in die Offensive.

"Wir sind zur Prüfung verpflichtet, und wir sind ebenso verpflichtet, auf festgestellte Verstöße ohne Ansehen der Person zu reagieren", stellte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden bei der Vertreterversammlung in Dortmund klar.

Praxisgemeinschaften dürfen bundesweit maximal 20 Prozent gemeinsam behandelte Patienten haben. "Die Rechtsprechung sieht in einer deutlichen Abweichung von dieser Grenze einen Gestaltungsmissbrauch zu Lasten der Gesamtvergütung, damit zu Lasten aller Vertragsärzte", sagte er.

Bei den Stichprobenprüfungen stoße die KVWL auf die erstaunlichsten Konstrukte. So hätten Ehegatten eine Praxisgemeinschaft, in der die Patienten der kleineren Praxis bis zu 100 Prozent mit denen der größeren identisch sind.

Bei anderen würden die dieselben Versichertenkarten von Patienten am selben Tag von zwei Ärzten eingelesen und identische Leistungen abgerechnet.

In einem Fall seien in verschiedenen Praxen einer Praxisgemeinschaft im Umkreis von 35 Kilometern am selben Tag Versichertenkarten eingelesen und Leistungen abgerechnet worden. "Da hört es für mich auf, das noch nachvollziehen zu können", betonte Dryden.

Bei Praxen mit mehr als 60 Prozent identischen Patienten verlange die Staatsanwaltschaft, sofort in Kenntnis gesetzt zu werden. Zurzeit liegt eine Handvoll Fälle bei der Staatsanwaltschaft, sagte Dryden der "Ärzte Zeitung".

Insgesamt seien es bis zu 30 Fälle, bei denen das zulässige Maß überschritten ist. Bei ihnen fordert die KVWL nach umfänglicher Prüfung Honorar zurück. Je nach Schwere des Missbrauchs kommt ein Disziplinarverfahren hinzu.

"Die Schadensummen liegen häufig im sechsstelligen Bereich."

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