Ärzte Zeitung, 30.06.2015

Wundversorgung

Ärger mit der KV lässt sich vermeiden

Widersprüchliche Angaben in den allgemeinen Bestimmungen der Wundversorgungsleistungen führen häufig zu Ärger mit der KV. Unser Abrechnungsexperte erläutert, wie sich der vermeiden lässt.

Von Peter Schlüter

Ärger mit der KV lässt sich vermeiden

In der Praxis gut versorgt: Liegt mehr als eine Wunde vor, kommt es in der Abrechnung auf die Verschlüsselung an.

© Klaro

HEMSBACH. Bei Vorliegen mehrerer Wunden kann die Wundversorgung bei gesetzlich Krankenversicherten entsprechend EBM pro Wunde abgerechnet werden.

Die Mehrfachberechnung der kleinchirurgischen Leistungen beziehungsweise der Wundversorgung nach den GO-Nrn. 02300 bis 02302, pro Wunde wird jedoch oft seitens der KVen gestrichen. Das lässt sich allerdings verhindern.

Praxisalltag ist, dass im Verletzungsfall oft mehrere Wunden zu versorgen sind. Hier ist allerdings eine Mehrfachberechnung einer der Leistungspositionen nach den GO-Nrn. 02300-02302, vordergründig nicht möglich.

Ausschlussbestimmungen in den Anmerkungen

Wundversorgung im EBM

Informationen: Eine aktuelle Übersicht zu den Leistungen der Wundversorgung und der Ausschlussbedingungen sind auf der Website von Draco zu finden: www.draco.de („Service“, „Abrechnung & Recht“, „Abrechnungsgrundlagen“.)

Das ergeben die Ausschlussbestimmungen. Diese finden sich in den Anmerkungen zu den einzelnen Leistungskomplexen.

Zur Gebühr nach GO-Nr. 02300 ist der Ausschluss der Mehrfachberechnung durch die Abrechnungsbestimmung "einmal am Behandlungstag" und das Verbot der Nebeneinanderberechnung (in derselben Sitzung) mit den GO-Nrn. 02301 bzw. 02302 in der zweiten Anmerkung begründet.

Für die Leistung nach den GO-Nrn. 02301 und 02302, die ebenfalls jeweils nur einmal am Behandlungstag berechnungsfähig sind, sind die Ausschlüsse gegenüber den GO-Nrn. 02300 und 02301 bzw. 02302 in der 5. Anmerkung zur jeweiligen GO-Nr. zu finden.

Dagegen stehen allerdings die Allgemeinen Bestimmungen zu diesem Abschnitt. Unter Punkt 4 steht dort der wertvolle Hinweis: "Die Gebührenordnungspositionen 02300 bis 02302 sind bei Patienten mit den Diagnosen Nävuszellnävussyndrom (ICD-10-GM: D22.-) und/oder mehreren offenen Wunden (ICD-10-GM: T01.-) mehrfach in einer Sitzung - auch nebeneinander, jedoch insgesamt höchstens fünfmal am Behandlungstag - berechnungsfähig."

Die Behandlung mehrerer offener Wunden, die verschlossen, oder zumindest primär versorgt werden müssen, können also bis zu fünfmal abgerechnet werden. Zu beachten ist jedoch die geforderte ICD-10-GM-Verschlüsselung nach T01.

Sie müssen also mindestens eine solche nach ICD-10-GM verschlüsselte Diagnose dokumentiert haben, damit die Mehrfachberechnung dieser Leistungspositionen anerkannt und damit nicht gestrichen wird.

Es wird noch komplizierter

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Noch komplizierter stellt sich die Ausschlussregelung der drei Leistungspositionen (Nrn. 02300 - 02302) untereinander dar. In den Absätzen 2 und 3 der Leistungsausschlüsse ist die Berechnung der jeweiligen Leistung auch noch neben den beiden anderen ausgeschlossen. Nun stehen die Begriffe "Kleiner operativer Eingriff" und "primäre Wundversorgung" im Singular.

Es muss also davon ausgegangen werden, dass es sich um die Versorgung einer Wunde handelt. Liegt eine zweite Wunde an anderer Körperstelle vor, die auch anders zu versorgen ist, so sind die entsprechenden beiden Leistungspositionen durchaus in derselben Sitzung berechnungsfähig.

Notwendigerweise müsste dann als Begründung die Lokalisation der versorgten Wunden angegeben werden. Hier ein kurzes Beispiel:

Ein Patient ist bei Gartenarbeiten gestürzt und hat sich dabei eine Platzwunde am Knie zugezogen. Zusätzlich eine Schürfwunde an einem Ellenbogen und eine kleine oberflächliche Schnittverletzung durch seine Schere. Letztere ist ohne Naht zu versorgen.

In diesem Falle könnte die GO-Nr. 02301 für die Versorgung der Platzwunde und einmal die GO-Nr. 02300 für die Versorgung der Schürfwunde und der kleinen oberflächlichen Schnittverletzung berechnet werden.

Bei guter Dokumentation der kodierten Diagnosen sollte die KV die Abrechnung so durchgehen lassen.

[30.06.2015, 11:10:26]
Dr. Henning Fischer 
welche Schwachköpfe machen solche Vorschriften?

könnte man einmal die Namen nennen?

evtl. noch Fotos dazu für Dart-Übungen

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