Ärzte Zeitung, 30.04.2015

KBV-Honorarbericht

Thüringens Ärzte sahnen ab

Im Jahr 2013 sind die Honorarumsätze der Vertragsärzte insgesamt gestiegen. Das zeigt der aktuelle Honorarbericht der KBV. In den einzelnen KVen gibt es allerdings große Unterschiede.

Von Hauke Gerlof

Thüringens Ärzte sahnen ab

Mehr in der Tasche hatten im Jahr 2013 vor allem Vertragsärzte aus Thüringen, wie der aktuelle KBV-Honorarbericht zeigt. In anderen KVen fielen die Zuwächse deutlich schmaler aus.

© Tobias Hase / dpa

BERLIN. Die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten haben im Jahr 2013 leichte Zuwächse beim Honorar zu verzeichnen gehabt. Im vierten Quartal fiel die Entwicklung noch etwas besser aus als in den Vorquartalen.

Das geht aus dem Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das vierte Quartal 2013 mit einem Sonderteil zur Entwicklung des Gesamtjahres hervor.

Demnach ist der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 4269 Euro auf 205.357 Euro gestiegen, das entspricht einem Plus von 2,1 Prozent.

Hausärzte schneiden etwas besser ab

Angesichts einer Inflationsrate im Jahr 2013 von 1,5 Prozent verzeichneten die Vertragsärzte und -psychotherapeuten also einen realen Zuwachs von 0,6 Prozent.

Ärzte im hausärztlichen Versorgungsbereich schnitten mit einem Plus von 3,9 Prozent etwas besser ab als Fachärzte (plus 1,3 Prozent) und liegen jetzt bei einem durchschnittlichen Honorarumsatz von 205.357 Euro.

Auch bei den Honorarumsätzen je Behandlungsfall gab es wiederum eine leichte Steigerung: bei Fachärzten um 0,8 Prozent auf 64,85 Euro und bei den Hausärzten um 1,5 Prozent auf 59,90 Euro.

"Trotz der Zuwächse, die der Honorarbericht zeigt, darf nicht vergessen werden: Jede zehnte Leistung erbringen Ärzte und Psychotherapeuten weiterhin ohne Vergütung", sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen in einer Stellungnahme zur Honorarentwicklung. Wichtigstes Ziel der KBV bleiben laut Gassen weiterhin feste Preise.

Unterschiede in den KVen

Sehr unterschiedlich verlief die Entwicklung 2013 in den einzelnen KVen: So verzeichneten Ärzte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ein leichtes Minus beim Umsatz je Arzt. Deutlich im Plus lagen Ärzte in Thüringen (plus 6,3 Prozent), Berlin (plus 4,3 Prozent) und Rheinland-Pfalz (plus 4,2 Prozent).

Bei Hausärzten gab es in allen KVen Zuwächse zwischen 1,5 Prozent (Niedersachsen) und 10 Prozent (Thüringen). In absoluten Zahlen lag Mecklenburg-Vorpommern mit einem Honorarumsatz je Arzt von 249.256 Euro an der Spitze, in Berlin setzten die Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Durchschnitt nur 165.313 Euro um - sie lagen damit am Ende der Umsatztabelle.

[04.05.2015, 17:12:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
KBV-Honorarbericht: Neubewertung mit/ohne Thüringer Sahnehäubchen?
Bitte eine Briefmarke mitbringen -Die Interpretation im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) unter

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62663/KBV-Honorarbericht-Umsatz-der-Niedergelassenen-steigt-2013-um-66-Cent-je-Behandlungsfall

liest sich deutlich nüchterner. Auch wenn die medizin-journalistische Berichterstattung im DÄ damit anfängt, dass "die Zahl der Behandlungsfälle überproportional gestiegen" sei: Bei den Hausärzten um 2,4 Prozent, bei den Fachärzten um 2,3 Prozent.

Dies trägt m. E. jedoch doch nur der demografischen Entwicklung mit Überalterung, zunehmender Multimorbidität, bzw. erhöhter Anspruchshaltung in der medizinischen Versorgungsrealität mit "all-you-can-eat"-, "flatrate"- und kostenloser Zweitmeinungs-Mentalität Rechnung.

Deshalb ist die r e l a t i v e Erhöhung des durchschnittlichen Honorarumsatzes pro niedergelassenem Vertragsarzt/-ärztin vom Jahr 2012 auf 2013 um 2,1 Prozent nur eine Pseudoziffer. In a b s o l u t e n Zahlen ausgedrückt, ist im Jahresmittel dagegen der Honorarumsatz je Behandlungsfall nur um 1,1 Prozent gestiegen – um ganze 66 Cent auf durchschnittlich 60,56 Euro im Quartal - da hätte jeder Patient auch einfach eine Standard-Briefmarke zu 62 Cent mitbringen können.

Ein weiteres Detail: Wenn der Quartalsumsatz im 4. Quartal 2013 durchschnittlich bei 51.886 Euro gelegen hat, und der Fallwert in diesem Quartal 61,91 Euro betrug, sind durchschnittlich pro einzelnem Haus- oder Facharzt 838 Patienten behandelt worden. Dies wird der Versorgungsrealität in vielen Haus-, Fach- und Spezialarztpraxen nicht gerecht.

Bei diesen Umsatzzahlen überproportional steigende Kosten, Abgaben und Preise sind nicht mehr aufzufangen, insbesondere, wenn das geschätzte Netto-Einkommen durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes beträgt. Die Modellrechnung im DÄ mit einem durchschnittlichen Quartalsumsatz im 4. Quartal 2013 in Höhe von 51.886 Euro, einem Fallwert in diesem Quartal von 61,91 Euro und damit durchschnittlich 838 Patienten/-innen pro einzelnem Haus- oder Facharzt bedeutet bei einer 23,5 prozentigen Netto-Quote vom GKV-Praxis-Umsatz in drei Quartalsmonaten 12.193,21 Euro.

Eine monatliche Netto-Verfügbarkein n a c h Abzug a l l e r Kosten, Abgaben, Versicherungen (Krankheit, Pflege, Rente) u n d Steuern zum tatsächlichen Geldausgeben im statistischen Mittel von 4064,40 Euro für einen freiberuflich unternehmerisch tätigen GKV-Vertragsarzt erklärt natürlich die schwindende Bereitschaft zu Praxisübernahmen und Neugründungen von Ärztinnen und Ärzten, die lieber im sicheren Angestellten- oder Beamtenverhältnis verbleiben möchten.

Daran ändert auch der positive ÄZ-Blick auf das wunderschöne und abwechslungsreiche Bundesland Thüringen nichts Grundsätzliches.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[04.05.2015, 08:04:06]
Dr. Jörg Müller 
reale Zahlen aus dem Honorarbescheid der KV Thüringen
Die Zahlen eines Thüringer Vertragsarztes aus den Honorarbescheiden der KV Thüringen:

Auszahlungsquote in Prozent im jeweiligen Quartal und durchschnittlicher Auszahlungspunktwert

Quartal 1/2013 - 77,1103 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 2,7269 Cent
Quartal 2/2013 - 80,7612 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 2,8560 Cent
Quartal 1/2013 - 75,5287 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 2,6709 Cent

ab 4/13 für Kassen ausgabenneutrales Punktwertgeschiebe deshalb Quote in Prozent beachten

Quartal 4/2013 - 74,5204 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 7,4520 Cent
Quartal 1/2014 - 58,1515 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 5,8908 Cent
Quartal 2/2014 - 64,8265 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 6,5669 Cent
Quartal 3/2014 - 62,6352 % = durchschnittlicher Auszahlungspunktwert 6,3449 Cent

Das heisst von 2013 zu 2014 ein Vergütungsrückgang der Quote zwischen 13 bis 20 %

Das ist die Realität und kann aus den Honorarbescheiden schriftlich bewiesen werden. zum Beitrag »
[30.04.2015, 22:00:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bitte eine Briefmarke mitbringen?
Die Interpretation im Deutschen Ärzteblatt unter http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62663/KBV-Honorarbericht-Umsatz-der-Niedergelassenen-steigt-2013-um-66-Cent-je-Behandlungsfall

Es fängt schon damit an, dass "die Zahl der Behandlungsfälle überproportional gestiegen" sein soll: Bei den Hausärzten um 2,4 Prozent, bei den Fachärzten um 2,3 Prozent. Dies trägt doch nur der demografischen Entwicklung mit Überalterung, zunehmender Multimorbidität, bzw. erhöhter Anspruchshaltung in der medizinischen Versorgungsrealität mit "all-you-can-eat"-, "flatrate"- und kostenloser Zweitmeinungs-Mentalität Rechnung.

Deshalb ist die r e l a t i v e Erhöhung des durchschnittlichen Honorarumsatzes pro niedergelassenem Vertragsarzt/-ärztin vom Jahr 2012 auf 2013 um 2,1 Prozent nur eine Pseudoziffer. In a b s o l u t e n Zahlen ausgedrückt, ist im Jahresmittel dagegen der Honorarumsatz je Behandlungsfall nur um 1,1 Prozent gestiegen – um 66 Cent auf durchschnittlich 60,56 Euro im Quartal - da hätte jeder Patient auch einfach eine Standard-Briefmarke zu 62 Cent mitbringen können.

Ein weiteres Detail: Wenn der Quartalsumsatz im 4. Quartal 2013 durchschnittlich bei 51.886 Euro gelegen hat, und der Fallwert in diesem Quartal 61,91 Euro betrug, sind durchschnittlich pro einzelnem Haus- oder Facharzt 838 Patienten behandelt worden. Dies wird der Versorgungsrealität in vielen Haus-, Fach- und Spezialarztpraxen nicht gerecht.

Bei diesen Umsatzzahlen überproportional steigende Kosten, Abgaben und Preise sind nicht mehr aufzufangen, insbesondere, wenn das geschätzte Netto-Einkommen durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes beträgt. Das erklärt die schwindende Bereitschaft zu Praxisübernahmen und Neugründungen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[30.04.2015, 17:43:57]
Dr. Henning Fischer 
KBV mal wieder superschnell: Honorarauswertung von 2012/2013! War der Taschenrechner defekt?
wie will man mit triftigen Argumenten Politik und Kassen entgegentreten, wenn man nur die Zahlen von Übervorgestern hat?

jede 10. Leistung nicht bezahlt? Ich habe ein Plakat der KVWL, da steht: die Kassen zahlen nur 60 % der erbrachten Leistungen. Geschönt oder gelogen?

Mein Fallwert 1992: 105 DM. Fallwert 2013 59,90! Noch Fragen?

KBV: chronische Vertuschung des chronischen Versagens. Eine einzige Schande ist das!!
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