Ärzte Zeitung, 15.05.2015

Arzthonorare

Mehrumsatz durch PKV legt erneut zu

Wie wichtig Privatpatienten für die Honorarbasis einer Praxis sind, bestätigt einmal mehr auch die jüngste Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV.

KÖLN. Durch die Behandlung von Privatpatienten haben die niedergelassenen Ärzte 2013 gut 5,6 Milliarden Euro mehr Honorareinnahmen erzielt, als wenn diese Patienten gesetzlich versichert gewesen wären. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

Das Institut untersucht bereits seit Jahren den Mehrumsatz durch die PKV. Die Wissenschaftler stellen die Ausgaben der PKV-Unternehmen für die Versorgung ihrer Kunden denen gegenüber, die für diese Versicherten in der GKV angefallen wären.

Dabei stützen sie sich auf Daten des Bundesversicherungsamtes und des Bundesgesundheitsministeriums. Die Analysen lassen dabei jedoch außer Acht, in welchem Umfang die PKV von den durch die GKV geschaffenen Strukturen profitiert.

Ein Plus von 700 Millionen Euro

Für 2013 hat das WIP insgesamt einen Mehrumsatz durch die PKV von 11,8 Milliarden Euro ermittelt, 700 Millionen Euro mehr als zwei Jahre zuvor. Da PKV-Kunden nicht alle Rechnungen einreichen, liegen die tatsächlichen Werte nach Schätzung des WIP noch höher.

Die 5,6 Milliarden Euro Mehrausgaben allein für die ambulante Arztbehandlung seien vor allem Folge höherer Preise in der PKV und weniger durch Mengeneffekte bestimmt, so Studienautor Dr. Frank Niehaus.

"Die Ärzte profitieren damit stark von den PKV-Versicherten." Bei älteren Versicherten seien die PKV-Ausgaben ungefähr 2,5 Mal so hoch wie in der GKV. "Frauen im gebärfähigen Alter liegen über den GKV-Werten, jüngere Männer darunter. Bei Kindern ist der Unterschied am geringsten."

Nur für Kuren zahlt die GKV mehr

Auch für Zahnmedizin müssen die Privatversicherer deutlich mehr ausgeben als die gesetzlichen Krankenkassen. Bei den Zahnärzten beziffert das WIP den Mehrumsatz auf 3,2 Milliarden Euro. Hier wirke sich auch die neue Gebührenordnung der Zahnärzte aus, die seit 2012 in Kraft ist, heißt es.

Bei Arznei- und Verbandmitteln beträgt der Mehrumsatz laut WIP 822 Millionen Euro, bei Heilmitteln 936 Millionen Euro, bei Hilfsmitteln 410 Millionen Euro, in Kliniken 580 Millionen Euro, bei Heilpraktikern 295 Millionen Euro. Nur für Kuren gibt die GKV mehr aus als die PKV: 33 Millionen Euro. (iss)

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