Ärzte Zeitung, 29.06.2015

Saarland

Chroniker-Zuschläge sorgen für dicke Luft

Eineinhalb Jahre nach Einführung der neuen Chroniker-Zuschläge gibt es jetzt den ersten Ärger: Im Saarland hat die KV Hunderten Vertragsärzten Korrekturbescheide zugeschickt. Die Hausärzte beklagen den bürokratischen Aufwand.

Von Andreas Kindel

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Kontinuierlicher Kontakt mit Chronikern: Die Dokumentation eines gerade vorangegangenen Hausarzt-Wechsels bereitet bei der Abrechnung vielfach noch Probleme.

© Monkey Business /fotolia.com

SAARBRÜCKEN. Die KV Saarland hat die Abrechnung der Chroniker-Zuschläge (EBM-Ziffern 03220 und 03221) für das letzte Quartal 2013 und die ersten beiden Quartale 2014 kontrolliert und im Rahmen ihrer Plausibilitätsprüfung massenhaft Fehler gefunden.

"Rund 500 Ärzte haben von uns Korrekturbescheide bekommen", so KV-Vorsitzender Dr. Gunter Hauptmann zur "Ärzte Zeitung".

70 Prozent der betroffenen Mediziner hätten beispielsweise den vorangegangenen Hausarztwechsel eines chronisch kranken Patienten nicht korrekt zu dokumentieren vermocht.

Es geht um 1,5 Millionen Euro

In den vergangenen Wochen haben die Vertragsärzte nun ihre Korrekturbescheide bekommen. Der Zuschlag beträgt pro Quartal zwar nur rund 14 Euro. Bei den Korrekturen soll es in Extremfällen aber um bis zu 20.000 Euro für die drei überprüften Quartale zusammengenommen gehen.

Insgesamt summiert sich das Korrektur-Volumen laut KV, bezogen auf die drei überprüften Quartale, auf rund 1,5 Millionen Euro.

"Das macht in der Ärzteschaft eine Menge Ärger, aber wir wollen die Abrechnungen sicher machen", begründet Hauptmann die Korrektur-Aktion. Das biete den Vertragsärzten auch Schutz vor möglichen Strafverfahren.

Hintergrund sind Erfahrungen mit zu oft abgerechneten Vorsorge-Untersuchungen vor einigen Jahren. Damals bekamen etliche Vertragsärzte im Saarland nicht nur Ärger mit der KV, sondern auch mit der Justiz.

Die Kassenärzte an der Saar hatten schon von Anfang an erhebliche Vorbehalte gegen die neuen Chronikerzuschläge. "Die Regeln sind so kompliziert, dass zwangsläufig Fehler auftreten müssen", meint KV-Chef Hauptmann.

"Das hatten wir schon von Anfang an befürchtet". So kann der Chronikerzuschlag seit 2013 nur noch abgerechnet werden, wenn eine "lang andauernde, lebensverändernde Erkrankung" vorliegt und der Patient in drei von vier zurückliegenden Quartalen tatsächlich in der Praxis war sowie dabei zweimal persönlich seinen Arzt gesehen hat.

Die KV Saarland will den betroffenen Ärzten jetzt helfen. "Die Ärzte erhalten Listen zugeschickt, um zu sehen, wo sie Fehler gemacht haben", so Hauptmann. Wurde etwa die wiederkehrende Diagnose oder die Dauer-Diagnose nur vergessen zu dokumentieren, könne dies noch korrigiert werden.

Außerdem können die Ärzte seit Jahresbeginn zur Sicherheit die Test-Abrechnung der KV nutzen. "Wer bei der Test-Abrechnung mitmacht, bekommt von uns die Fehler direkt angezeigt". "Für die Zukunft haben wir das Problem gelöst".

Einfacher im AOK-Vertrag

Dass es auch mit deutlich weniger Bürokratie geht, zeigt ein neuer Chroniker-Vertrag, den die KV jetzt mit der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland abgeschlossen hat.

"Für jeden chronisch kranken AOK-Patienten gibt es vier Euro pro Quartal extra". Dafür müsse man nur eine "Pseudoziffer" bei der Abrechnung setzen.

Bislang gibt es den Vertrag nur mit der AOK. "Aber ich bin zuversichtlich", so Hauptmann, "dass noch mehr Kassen dazukommen".

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