Ärzte Zeitung, 10.08.2015

KV-Vorgaben

SafeNet-Pflicht sorgt in Hessen für Unruhe

Seit diesem Quartal dürfen die Ärzte in Hessen nur noch via SafeNet ihre Abrechnungsdaten an die KV übermitteln. Doch nicht nur das ärgert viele Ärzte.

FRANKFURT/MAIN. Gerade einmal 45 Prozent der hessischen Vertragsärzte und -psychotherapeuten verfügen derzeit über einen Anschluss zum KV-SafeNet - auch als sicheres Netz der KVen (SNK) bekannt.

Und das, obwohl seit diesem Quartal die Abrechnungsdaten nur noch digital - und zwar via SafeNet - an die KV übermittelt werden können.

Ausnahmen liegen laut der KV Hessen nur in solchen Fällen vor, in denen die Praxis innerhalb von zwei Quartalen abgegeben werde oder die Leistungskapazitäten nicht ausreichten.

Dann sei eine Abrechnung über Datenträger - allerdings gegen eine höhere Gebühr möglich.

Rundschreiben gießt Öl ins Feuer

Dass die hessischen Vertragsärzte dem sicheren Netz der KVen eher skeptisch gegenüberstehen, ist bekannt. Nun gießt ein Rundschreiben der KV aber scheinbar erneut Öl ins Feuer.

Denn in diesem versucht die KV nicht nur, die Vorteile der digitalen Abrechnung herauszustellen. Sie stellt auch klar, dass das "Angebot, über ein Gesundheitsnetz oder andere Anbieter einen Sammelanschluss für KV-SafeNet zu installieren und darüber die Abrechnung zu organisieren", gegen "alle denkbaren Datenschutzauflagen" verstoße.

Das gelte auch "für den Einsatz eines sogenannten Teamviewers oder anderer Remote-Programme, um auf einen KV-SafeNet-Rechner zuzugreifen". Denn so würden "wie auf einem Silbertablett" Unbefugten Sozial- und Abrechnungsdaten geliefert.

Weiter heißt es in dem Rundschreiben, dass die digitale Vernetzung das Gebot der Stunde sei. "Wer dies verschleppt oder verhindert, sorgt perspektivisch dafür, dass weniger Honorar nach Hessen fließt."

Abstimmung mit dem Datenschutz läuft

Die KV Hessen bestätigt, dass das Rundschreiben unter den Mitgliedern für eine gewisse Unruhe sorgt - und bedauert die entstandenen Irritationen. Derzeit stimme sie sich mit dem hessischen Datenschützer ab.

Insbesondere zur strittigen Frage eines Sammelanschlusses will die KV daher noch nichts sagen, sondern das Ergebnis der Beratung abwarten.

Auch ob aus technischer Sicht bei solchen Remote-Zugängen ein höheres Sicherheitsrisiko für die Praxisdaten besteht, war bis Redaktionsschluss noch nicht klar.

Fest steht aber, dass laut dem Rundschreiben in Praxisgemeinschaften und Berufsausübungsgemeinschaften - nach vorheriger Genehmigung - eine gemeinsame Nutzung eines technischen SafeNet-Anschlusses möglich ist.

Gleiches gilt für eine bereits bestehende, sicher vernetzte Struktur. (reh)

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