Ärzte Zeitung, 08.09.2015

Windhorst verrät

Neue GOÄ beschert zweistellige Honorarsteigerung

Die neue Gebührenordnung für Ärzte wird Ärzten ein sattes Honorarplus bringen. Das hat BÄK-Verhandlungsführer Dr. Theodor Windhorst verraten. Noch ist die GOÄ-Novelle nicht in Stein gemeißelt - aber sie könnte früher als erwartet in Kraft treten.

Von Ilse Schlingensiepen

Neue GOÄ beschert Geldregen

Ein zweistelliges Honorar-Wachstum soll die GOÄ-Novelle nach Windhorsts Angaben bringen.

© Pixelot / fotolia.com

MÜNSTER. Die neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nimmt konkrete Gestalt an. Die wichtigste Nachricht für die Ärzte: Die Reform wird ihnen eine deutliche Honorarsteigerung bringen.

Das hat der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, vor Journalisten in Münster nach einer dreitägigen Arbeitssitzung von Vertretern der Bundesärztekammer (BÄK) und des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) in München berichtet.

"Über alle Bereiche hinweg werden wir einen zweistelligen Prozentzuwachs haben", kündigte Windhorst an, der Vorsitzender des BÄK-Gebührenordnungsausschusses ist.

Die Krankenversicherer haben ihren Widerstand gegen ein spürbares Honorarplus offensichtlich aufgegeben. "Die PKV findet sich mit der Arbeitshypothese ab, dass wir auf dem Weg zu einem zweistelligen Zuwachs sind", sagte er.

3000 Ziffern sind vorbereitet

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Das sei notwendig gewesen, um mit der Arbeit an der GOÄ weiterzukommen und um Akzeptanz von Seiten der Ärzteschaft zu erhalten.

"Wir haben 3000 von 4300 Gebührenordnungs-Ziffern vorbereitet für die Diskussion mit den Fachgesellschaften", sagte er.

Die Ziffern seien mit einer Legende versehen und bewertet worden - sowohl innerhalb der Fächer als auch im Verhältnis der Fächer zueinander.

Beim bisher Erreichten handele sich dabei noch nicht um die finale Version der GOÄ, betonte Windhorst. "Aber es ist das erste Mal, dass wir eine Vorstellung haben, was hinter den einzelnen Ziffern hinterlegt ist."

Basis dafür sei die betriebswirtschaftliche Grundkalkulation der ärztlichen, technischen und allgemeinen Leistungen der Ärzte sowie der Personalkosten.

Die Verhandler von Ärzteschaft und PKV seien dem politischen Willen gerecht geworden, die Zuwendungsmedizin besser zu bewerten, so Windhorst. "Das ist uns definitiv gelungen."

Drei Jahre Zeit

Seiner Einschätzung nach ist auf dem Weg zur GOÄ-Novelle bereits viel erreicht, auch wenn der jetzige Stand noch nicht in Stein gemeißelt ist.

Der Vorschlag muss noch mit dem Bundesgesundheitsministerium konsentiert werden. Das Innenministerium, das für die Beihilfe zuständig ist, sei mit dem Konzept und den damit verbundenen Ausgabensteigerungen einverstanden, sagte Windhorst.

Wichtig ist ihm: "Wenn wir die neue GOÄ bekommen, haben wir drei Jahre Zeit, um Unklarheiten zu korrigieren und um nachzubessern."

Er berichtete, dass es Bestrebungen in der Politik gibt, die neue GOÄ noch vor dem geplanten Starttermin im Oktober 2016 in Kraft treten zu lassen.

Die Union wolle wahrscheinlich vermeiden, dass die GOÄ zum Thema des nächsten Bundestagswahlkampfs wird - und damit auch die die Bürgerversicherung .

Die Problematik der Analogziffern seiist mit der neuen GOÄ nach Einschätzung des ÄKWL-Präsidenten gelöst: "Wir wollen versuchen, ein einvernehmliches Verhältnis von Leistung und Abrechnung zu erhalten, damit wir nach 30 Jahren wieder à jour sind und die GOÄ regelmäßig anpassen können."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gutes Ende bei der GOÄ?

[09.09.2015, 13:21:36]
Dr. Martin Gschwender 
GOÄ Diäten
Ein zweistelliges Wachstum zu veranschlagen ist recht und billig!

Die Verhandlungsbasis bringen die Verantwortlichen des größten Privatversicherers in Deutschland (=Bund) auch gleich mit in die Runde: unsere Abgeordneten im Bundestag haben sich seit dem Jahr 2001 eine aus ihrer Sicht "absolut angemessene und berechtigte" Diätenerhöhung von 56% zugestanden. Ich finde das sollte eine gute Verhandlungsgrundlage für 30 Jahre GOÄ Stillstand sein. Die Abgeordneten haben das bei der eigenen Bezugssteigerung immer nur als "recht und billig" angesehen, also sollten Sie das hier wohl auch so sehen.  zum Beitrag »
[08.09.2015, 18:23:40]
Dr. Henning Fischer 
wobei wir mit 40% Honorarzuwachs nur einen aktuellen Ausgleich hätten

das verlorene Honorar über 20 Jahre ist auf jeden Fall weg.

(die PKV lacht sich krank und zeigt uns die lange Nase)
 zum Beitrag »
[08.09.2015, 16:45:16]
Dr. Bernd Hegemann 
40 % sollten es schon sein,
denn soviel verdienen meine fleißigen Mitarbeiter mehr als im Jahre 2001, was ich völlig OK finde. Wir haben ihnen nahezu jährlich den Lohn erhöht- bei der GoÄ geschah nichts. Zudem liegen die KV-Erlöse auf der Höhe meines Vorgänger im Jahr 1990 (!) -trotz Zusatzbudgets in Allergologie, Phlebologie, Psychosomatik usw. -bei gesteigerter Patientenzahl. zum Beitrag »
[08.09.2015, 14:02:37]
Dr. Robert Künzel 
Das alles ist völlig nutzlos, wenn diese Ziffern letztlich kaum ein Kostenträger erstattet
Man denke nur an die Ziffern 15, 34 und viele andere mehr. Durch ellenlange Legendentexte finden doch die Kostenträger fast immer irgendein Pünktchen oder Komma, um sich vor der Bezahlung zu drücken. Unzufriedene Patienten, zermürbender Schriftverkehr und Kassen (POST-B!!), die ohne Rechtsanwalt diese Ziffern prinzipiell nicht bezahlen wollen. Ob die neue GOÄ überhaupt 1 Euro mehr auf die Habenseite der Ärzte bringen wird zeigt m.E. ein einziger Blick auf die Leistungslegenden, denn was nützen die schönsten Ziffern, wenn die Erstattung an allen Ecken und Enden klemmt. Ich befürchte ehrlich gesagt das Schlimmste. Praktikabel wäre z.B. Ziffer XY, Legende: Hausarztzuschlag, Betrag: ...Euro. Völliger Unsinn wäre etwa die Beibehaltung der Ziffer 15 nebst Legende und lediglich eine Erhöhung der Betrages.  zum Beitrag »
[08.09.2015, 12:24:33]
Dr. Henning Fischer 
zweistellig = 10% oder 99%

wieder nichts als Nebelschwaden?

Wieviel Zuwachs ist es pro Jahr auf die letzten 20 Jahre gesehen? Bei 2 Prozent Inflation müßten es dann schon mal mindestens 40% Zuwachs sein.

An den Nachwuchs: 20 Jahre keine GOÄ-Anpassung durch die Bundesregierungen demonstriert eindeutig deren Miß- oder Verachtung für uns Ärzte (und die Machtlosigkeit unserer "Verhandlungsführer")


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