Ärzte Zeitung online, 11.09.2015

Orientierungspunktwert

KBV schmettert Kassen-Vorschlag ab

Die Verhandlungen über den Orientierungspunktwert gestalten sich schwierig: Die Krankenkassen haben ein erstes Angebot für eine Erhöhung vorgelegt - die KBV lehnt es strikt ab.

Von Anno Fricke

BERLIN. Rund 150 Millionen Euro boten die Kassen, knapp eine Milliarde Euro forderten die Ärzte: Die Positionen lagen zu weit auseinander, als dass die Verhandlungen über den Orientierungswert am Donnerstag hätten zu einem Erfolg führen können.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat das Angebot des GKV-Spitzenverbands zur Anhebung des Orientierungswertes zurückgewiesen.

Beide Seiten haben daraufhin den Erweiterten Bewertungsausschuss angerufen. Die nächste Runde der Honorarverhandlungen ist für den 22. September angesetzt.

Erweiterter Bewertungsausschuss angerufen

Der Erweiterte Bewertungsausschuss kann eine Mehrheitsentscheidung treffen - mit der Stimme seines Vorsitzenden Professor Jürgen Wasem als Zünglein an der Waage.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen bezeichnete das Angebot der Kassen im Anschluss an die Verhandlungen am Donnerstagabend als "nicht akzeptabel".

Die Kassen hatten vorgeschlagen, den Punktwert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen um 0,4 Prozent anzuheben.

Dies entspreche einem Betrag von 150 Millionen Euro, teilte die KBV mit. Derzeit liegt der Punktwert bei 10,2718 Cent.

Die Ärzteseite fordert dagegen eine Anhebung um 2,6 Prozent, was rund 975 Millionen Euro entspräche. Der Orientierungspunktwert soll unter anderem Steigerungen der Investitions- und Betriebskosten der Arztpraxen auffangen.

Erste Einigung bereits erzielt

Die Honorarverhandlungen für die rund 165.000 Vertragsärzte haben Mitte August begonnen. Eine Entscheidung über einen Ausgleich für den steigenden Behandlungsbedarf der Bevölkerung ist bereits getroffen. Dafür erhalten die Ärzte im nächsten Jahr im Schnitt 250 Millionen Euro mehr.

Keine Entscheidung ist am Donnerstag auch über eine Honorarnachzahlung für die Psychotherapeuten gefallen. Das hat die KBV mitgeteilt.

Es seien Eckpunkte vereinbart worden, die nun von den Arbeitsebenen von KBV und GKV-Spitzenverband in Beschlussvorlagen umgesetzt werden sollen. Details dazu teilten die Verhandlungspartner nicht mit.

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