Ärzte Zeitung, 24.09.2015

Honorarbeschluss

"Deal zu Lasten der Psychotherapie"

80 Millionen Euro zusätzlich? Die Psychotherapeuten sind mit dem Honorarbeschluss von KBV und Kassen alles andere als glücklich.

BERLIN. Der Beschluss über die Vergütung der Vertragspsychotherapeuten fiel am Dienstag, anders als bei den Vertragsärzten, im Konsens.

Doch die Vertreter der betroffenen Verbände sehen sich als Opfer eines "Deals zu Lasten der Psychotherapie".

Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Verbandsvorsitzenden der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), Barbara Lubisch, des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), Dr. Martin Kremser, und der Vereinigung analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP), Uwe Keller, hervor.

Zur Erinnerung: 80 Millionen Euro zusätzliches Honorar sollen die Psychotherapeuten bekommen, rückwirkend ab 2012.

Zuschlag bei bestimmter Mindestauslastung

Umgerechnet bedeutet dieser Beschluss, dass jede genehmigungspflichtige Leistung um 2,7 Prozent besser vergütet wird. Außerdem gibt es ab einer bestimmten Mindestauslastung der Praxis einen Zuschlag, mit dem die Finanzierung von Praxispersonal unterstützt werden soll.

"Der Beschluss interpretiert die über Jahre gefestigte Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes (BSG) neu, und zwar zu Lasten der Psychotherapeuten", schreiben die Verbandsvorsitzenden.

So reduziere sich die Summe von 80 Millionen Euro für die vergangenen Jahre auf die Hälfte, weil nur jeder zweite Psychotherapeut Einspruch gegen die alten Honorarbescheide eingelegt habe.

Hinzu komme: Der von der Praxisauslastung abhängige Zuschlag, mit dem die Finanzierung von Praxispersonal unterstützt werden soll, wirke sich ebenfalls nur auf die Hälfte der Leistungen aus.

"Laut BSG hat die Mindestvergütung nicht nur für einen Teil, sondern für alle genehmigungspflichtigen Leistungen zu gelten", heißt es in der Mitteilung weiter.

Ergebnis nicht überraschend

Angesichts der gemeinsamen Interessenlage im Erweiterten Bewertungsausschuss, die Honorarerhöhungen in engen Grenzen zu halten, sei das Ergebnis nicht überraschend.

Besonders die Krankenkassen hatten sich mit der Behauptung hervorgetan, ein Anpassungsbedarf sei nicht gegeben. Nur mit allen Kräften und mit der Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sei es überhaupt gelungen, eine Honorarerhöhung zu erwirken.

Die Selbstverwaltung sei nicht in der Lage, Honorargerechtigkeit nach geltendem Recht herbeizuführen, deshalb sei jetzt eine Unterstützung durch die Politik geboten.

Die Verbände fordern daher "klarere gesetzliche Vorgaben zur Gewährleistung angemessener Psychotherapiehonorare und eine Festlegung von Fristen, zu denen der Bewertungsausschuss tätig werden muss".

Die jahrelangen Verzögerungen und die ständige Rechtsunsicherheit seien nicht mehr länger hinnehmbar. (ger)

[25.09.2015, 00:27:54]
Dipl.-Psych. Rainer Weber-Thammasut 
Es braucht Druck von unten!
Ich gehe davon aus, daß das Ergebnis der Honorarverhandlungen im Vorfeld mit dem BMG abgestimmt wurde. Die Forderung nach klareren gesetzlichen Vorgaben ist richtig, aber sie kommt von den genannten Verbänden systemimmanent. Meint: Ein jovialer Gesundheitsminister lädt einige wenige Koryphäen aus der Verbands- und Kammerlandschaft zu einem Schnack/Snack ein, und dann wird erstmal ein Arbeitskreis gegründet...blabla.
Das Ergebnis der Honorarverbandlungen paßt zu der Entwicklung, Praxen zu zwei halben Versorgungsaufträgen zu teilen. Da kann dann die Therapeutin ein gutes Zubrot für die Familie erwirtschaften, und der Job ist frauen- und kinderfreundlich zu organisieren. Und die Honorarhöhe - Frauen-Teilzeit-Leichtlohngruppe.
Das Ergebnis verletzt den Artikel 1 des Grundgesetzes, es verletzt die Würde der gesamten Psychotherapeutenschaft und ihrer wertvollen Arbeit.
In meinen Augen ist das Verhandlungsergebnis Betrug. Eine modellhafte Berechnung des BSG mit äußerst ungünstigen Annahmen zu Lasten der Höhe eines Mindesthonorar für eine genehmigte Therapiesitzung wird vom GBA "neu interpretiert" mit dem Ergebnis: Unterschreitung des Mindesthonorars. Deutsche Sprache: M-i-n-d-e-s-t-honorar, Neusprech: für einige oder so..Ich überlege, ob ich Strafanzeige erstatte.
Es wird Zeit, daß die Psychotherapeuten ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen! Die Honorarverhandlungen zeigen im Ergebnis, was drin ist im Rahmen der herrschenden Strukturen, in denen unsere Verbandsvertreter "embedded" sind.
16 Jahre Heilberuf Psychotherapeut, das sind 16 Jahre Kampf um ein Mindesthonorar. Ich will nicht mit irgendeinem kaputtgerechneten unterschrittenen Mindesthonorar abgespeist werden. Ich will ein angemessenens Honorar, welches meinen fachlichen und persönlichen Aufwand und den gesellschaftlichen Wert meiner Arbeitsleistung abbildet.
JedeR TherapeutIn wird jetzt entscheiden, welchen Beitrag er leisten will und wird, im Verbund mit hoffentlich fast allen anderen. Wir Psychotherapeuten sind ein besonderes Völkchen, ein kreatives Völkchen, und wenn wir Druck von unten! machen, dann ist das ein vielfältiger, bunter, energischer Schrei nach Honorargerechtigkeit! Gefälligst! zum Beitrag »
[24.09.2015, 18:23:53]
Werner Schmidtke 
wie schon gesagt...
.. und erwartet, kommt von " unseren" Berufsverbänden wieder einmal nur heiße Luft in Form eines Textbausteines:" Die Verbände fordern daher "klarere gesetzliche Vorgaben zur Gewährleistung angemessener Psychotherapiehonorare und eine Festlegung von Fristen, zu denen der Bewertungsausschuss tätig werden muss" und weiter" "Die jahrelangen Verzögerungen und die ständige Rechtsunsicherheit seien nicht mehr länger hinnehmbar."
Dieses lasche Wortlüftchen höre ich nun schon seit Jahren..... Jedem, der diese Stellungnahme liest, wird die Handlungsunfähigkeit der Berufsverbände gewahr. Wie soll man das denn erst als GKV- Spitzenverband wirklich ernst nehmen?
Ohnmacht und Hilflosigkeit scheinen zu dominieren. Kommt endlich mal in die Pötte!!! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »