Ärzte Zeitung, 23.12.2015

Selektivverträge

Honorar-Kuchen wird größer, aber nur langsam

Der aktuelle Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt auch Einblicke in die Entwicklung bei den Selektivverträgen, vor allem bei den Hausarztverträgen. Die abgebildete Situation hat sich seitdem aber nochmals gewandelt.

Von Hauke Gerlof

Honorar-Kuchen wird größer, aber nur langsam

Laut KBV-Honorarbericht bleiben Internisten die Fachgruppe mit den höchsten Überschüssen aus vertragsärztlicher Tätigkeit.

© Tobias Hase / dpa

BERLIN. Das Honorarvolumen der Selektivverträge hat von 2012 bis 2014 deutlich zugenommen, die Zuwächse gingen Anfang 2012 bis Anfang 2014 allerdings noch von einem niedrigen Niveau aus.

Das zeigt der aktuelle Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der sich auf das erste Quartal 2014 bezieht. Demnach ist die Bereinigung der Gesamtvergütungen vom ersten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2014 um fast 77 Prozent auf 166,6 Millionen Euro gestiegen.

Nach wie vor spielt die selektivvertragliche Versorgung ausschließlich in Baden-Württemberg und in Bayern eine nennenswerte Rolle: Dort lag die Bereinigung der Gesamtvergütung bei 81 Millionen Euro (Baden-Württemberg) beziehungsweise bei 69,2 Millionen Euro (Bayern).

In allen anderen KV-Bezirken sind auch in den ersten Monaten des Jahres 2014 lediglich maximal einstellige Millionenbeträge bereinigt worden. Nennenswerte Zuwächse gab es nur in Westfalen-Lippe (auf 8,5 Millionen Euro), Nordrhein (auf 3,7 Millionen Euro) und in Hessen (auf 2 Millionen Euro).

1,9 Prozent der Gesamtvergütung

Im Vergleich zu den Gesamtvergütungen spielten die Selektivverträge damit beim Honorar in Q1/2014 bundesweit weiterhin eine zu vernachlässigende Rolle: 1,9 Prozent der Gesamtvergütung in Höhe von rund 8,7 Milliarden Euro wurden bereinigt.

Blickt man allerdings in die HzV-Hochburg Baden-Württemberg, dann ergibt sich dort immerhin bereits ein Anteil von fast 8 Prozent an der Gesamtvergütung von gut einer Milliarde Euro.

Die Zahlen sind seitdem allerdings stark gestiegen, wie sich aus den im Herbst vom Hausärzteverband genannten Werten ergibt. Demnach hat das Honorarvolumen in der HzV 2015 bereits bei rund einer Milliarde Euro gelegen, was aufs Jahr gerechnet nochmals einer Steigerung von rund 50 Prozent entspräche.

Die politische Unterstützung der Bundesregierung, unter anderem durch das Versorgungsstärkungsgesetz scheint sich also auszuzahlen.

Internisten bei Überschüssen vorne

Einblicke gibt der Honorarbericht auf die Situation bei den Überschüssen aus vertragsärztlicher Tätigkeit in den unterschiedlichen Fachgruppen. Die Berechnung des Überschusses erfolgt dabei durch Abzug des jeweiligen Kostensatzes der Fachgruppe vom durchschnittlichen Honorarumsatz aus GKV-Tätigkeit.

Für die Kostensätze wurden die Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels herangezogen, für das erste Quartal 2014 die Kostensätze des Jahres 2010.

Die Fachgruppe mit den höchsten Überschüssen aus vertragsärztlicher Tätigkeit bleiben demnach die Internisten mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten. So erwirtschafteten die Onkologen und Hämatologen trotz eines Rückgangs um 2,6 Prozent mit 46.456 Euro im ersten Quartal 2014 den höchsten Überschuss, gefolgt von den Gastroenterologen (+5,7 Prozent auf 41.602 Euro), Angiologen (plus 3 Prozent auf 39.730 Euro), Pneumologen (plus 2 Prozent auf 37.249 Euro) Kardiologen (plus 1,1 Prozent auf 36.088 Euro) und den Internisten ohne Schwerpunkt (plus 6,9 Prozent auf 34.994).

Neurologen verzeichneten starke Zuwächse

Den Internisten am nächsten kamen im Berichtszeitraum die Augenärzte mit 33.603 Euro und einem Plus von genau neun Prozent. Besonders starke Zuwächse verzeichneten die Neurologen mit 14,7 Prozent auf 25.173 Euro, die Psychiater (plus 12 Prozent auf 22.355 Euro) und die Hautärzte (plus 10,1 Prozent auf 26.206 Euro).

Die Radiologen, die beim Honorarumsatz mit mehr als 94.000 Euro zu den Spitzenverdienern gehörten, liegen beim Überschuss mit 29.537 Euro im oberen Mittelfeld.

Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten landeten mit einem Plus von 1,9 Prozent mit einem durchschnittlichen Überschuss von 27.931 Euro leicht dahinter. Wie sehr manchmal relative Steigerungen täuschen können zeigt sich auch bei den Psychotherapeuten: Sie kamen im ersten Quartal 2014 zwar auf Zuwächse beim Überschuss von 6,3 Prozent.

Dennoch lagen sie mit einem Überschuss von 14.118 Euro nur bei etwas über 50 Prozent des Überschusses aus vertragsärztlicher Tätigkeit aller Ärzte und Psychotherapeuten: Im Durchschnitt blieb denen nach Abzug der Kosten ein Überschuss von 28.088 Euro.

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