Ärzte Zeitung online, 17.06.2016

Aktueller GBA-Beschluss

Jobsharing soll für kleine Praxen reizvoller werden

Von Marco Hübner

 Jobsharing soll für kleine Praxen reizvoller werden

©Jeanette Dietl / fotolia.com

Wer mit einen Jobsharing-Partner für die eigene Praxis liebäugelt, bekommt Rückenwind. Ein aktueller GBA-Beschluss macht die Option attraktiver.

BERLIN. Mehr Zeit für die Familie, Rückzug in den Ruhestand oder ein Umverteilen der eigenen Aufgaben: Für Arbeitsplatzteilung, also Jobsharing, gibt es in Arztpraxen einige gute Gründe. Ein aktueller Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) macht die Entscheidung für dieses Modell jetzt attraktiver als bislang.

Zumindest gilt das für bestimmte Ärzte: Das geltende Limit von Plus drei Prozent beim Honorarbudget wird aufgeweicht. Kleine Praxen, die beim Honorar unter Fachgruppendurchschnitt liegen, sollen in Zukunft mit einem Jobsharing-Partner ihre Leistungsmenge steigern können, bis sie den Durchschnitt erreicht haben. Das gilt allerdings nur für jene Mediziner, die in einem überversorgten Planungsbereich arbeiten, erklärt ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Psychotherapeutische Praxen in diesen Bereichen bekommen mit der Anpassung der Regelung sogar noch deutlich mehr Spielraum. Kleine Praxen des Fachbereichs sollen nämlich von einer Ausnahmeregelung profitieren, die besagt, dass sie ihren Umsatz durch Jobsharing auf den Fachgruppendurchschnitt zuzüglich 25 Prozent ausweiten können. Diese Änderungen gelten auch für Angestellte mit Leistungsbeschränkung, heißt es.

Bei der Überarbeitung der Regelung hat der GBA zudem weitere kleine Änderungen eingefügt: Wichtig ist etwa eine Modifikation bei der Ermittlung der Obergrenze. Künftig soll bundesweit einheitlich geregelt sein, dass Jobsharing-Verhältnisse mit Quartalsanfang beginnen. Dadurch könne die Obergrenze einheitlich auf der Basis von quartalsbezogenen Abrechnungsdaten berechnet werden.

Anlass für die Veränderungen bei Jobsharing-Praxen sei die Rechtssprechung des Bundessozialgerichts gewesen (BSG). Das BSG hatte entschieden, dass Kassenärzte mit unterdurchschnittlichem Leistungsumfang die Möglichkeit haben, ihren Praxisumfang auf den Durchschnitt ihrer Fachgruppe zu steigern. Demnach müsse dies auch den Jobsharern möglich sein.

Die Änderungen sind noch nicht in Kraft. Sie stehen unter Vorbehalt der Prüfung und Nichtbeanstandung des Bundesgesundheitsministeriums. Es könne noch bis zu zwei Monate dauern, bis die Regelungen in Kraft treten, heißt es.

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