Ärzte Zeitung, 18.08.2016

Kassenarzthonorar 2014

Kräftiges Plus bei extrabudgetären Leistungen

Beim vertragsärztlichen Honorar spielt die Musik weiterhin im extrabudgetären Bereich. Das zeigt die Honorarentwicklung der Kassenärzte im Jahr 2014, die die KBV jetzt nachgereicht hat.

Von Hauke Gerlof

Kassenärzte erhielten 34,4 Milliarden Euro

Die Vertragsarzthonorare stiegen 2014 - vor allem wegen der extrabudgetären Gesamtvergütung.

© Tatjana Balzer / fotolia.com

BERLIN. Moderate Steigerungen in der Gesamtvergütung, aber kräftiges Wachstum bei der extrabudgetären Vergütung: Während aktuell die Honorarverhandlungen zwischen Vertragsärzten und Krankenkassen über das Honorar für das Jahr 2017 laufen, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) jetzt die Honorarbilanz für 2014 nachgereicht.

Die Zahlen des Jahresberichts 2014 bieten einen guten Einblick in die Trends der vertragsärztlichen Honorierung. Laut Honorarbericht stieg die vertragsärztliche Gesamtvergütung im Jahr 2014 auf 34,4 Milliarden Euro - ein Plus von 3,7 Prozent. Je Versichertem stand bundesweit im Schnitt eine Gesamtvergütung von 489,47 Euro zur Verfügung (plus 3,1 Prozent).

Vor allem zeigt sich, dass die extrabudgetäre Vergütung (EGV) weiterhin deutlich schneller wächst als die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV). So stieg die MGV im 2014 im Vorjahresvergleich um 2,5 Prozent auf 23,46 Milliarden Euro, die EGV jedoch um 6,3 Prozent auf 10,94 Milliarden Euro.

Das Wachstum macht sich - abgeschwächt aufgrund der steigenden Arztzahlen - auch bei den Honorarumsätzen je Arzt bemerkbar: Bundesweit stiegen sie im zweiten Quartal im Vergleich zu 2013 um 1,9 Prozent auf 209.319 Euro. Der Umsatz aus vertragsärztlichen Honoraren stieg damit 2014 absolut um 3826 Euro je Arzt. Der durchschnittliche Honorarumsatz je Behandlungsfall - also aufs Quartal gerechnet - lag 2014 bei 62,15 Euro und damit 2,6 Prozent oder 1,55 Euro über dem Fallwert im Jahr 2013.

Die Unterschiede bei den Honorarumsätzen zwischen den einzelnen KVen sind teilweise erheblich. Den niedrigsten Honorarumsatz je Arzt verzeichnete die KV Berlin mit 167.444 Euro (plus 1,3 Prozent). Beim Umsatz an der Spitze lagen einmal mehr die Ärzte aus Mecklenburg-Vorpommern mit 249.435 Euro, also fast 82.000 Euro mehr als in Berlin.

Die hohe Differenz im Umsatz je Arzt zwischen den KVen erklärt sich zum einen aus der Zusammensetzung der Fachgruppen - in Berlin ist der Anteil der Psychotherapeuten, die vergleichsweise nur sehr geringe Umsätze haben, besonders hoch. Zum anderen ergeben sich die Unterschiede auch aus der unterschiedlichen Arztdichte in den KVen, die sich in höheren Fallzahlen niederschlagen.

Der Trend zu einem leichten Wachstum war in allen KVen zu verzeichnen - mit der Ausnahme von Rheinland-Pfalz, wo die Honorarumsätze marginal um 0,2 Prozent zurückgingen auf jetzt immer noch leicht überdurchschnittliche 212.667 Euro. Das stärkste Wachstum je Arzt erzielten Ärzte in Bremen (plus 4,4 Prozent auf 229.962 Euro) und Schleswig-Holstein (plus 4 Prozent auf 202.355 Euro).

Im hausärztlichen Versorgungsbereich (Allgemeinärzte, hausärztliche Internisten, Pädiater) sind die Honorarumsätze bundesweit um 2,1 Prozent auf durchschnittlich 209.609 Euro gestiegen. Die Fallwerte lagen bei 61,95 Euro (plus 3,4 Prozent). Ärzte und Psychotherapeuten aus dem fachärztlichen Versorgungsbereich erzielten im Bundesdurchschnitt 201.262 Euro(plus 1,4 Prozent) bei einem Fallwert von 66,30 Euro (plus 2,2 Prozent).

[18.08.2016, 11:57:26]
Thomas Georg Schätzler 
Da ist sie wieder, die gute alte Falschmeldung!
Selbst die Ärzte Zeitung schreibt unter "Top-Meldungen" wörtlich als Schlageilen:
"Kräftiges Honorar-Wachstum: Kassenärzte v e r d i e n e n 34,4 Milliarden Euro. ...Das zeigt die Honorarentwicklung der Kassenärzte im Jahr 2014, die die KBV jetzt nachgereicht hat." (Zitat Ende)

Und in der Einleitung zum durchaus fundierten Artikel von ÄZ-Autor Hauke Gerlof heißt es dann etwas abgemildert: "Kräftiges Honorar-Wachstum - Kassenärzte erhielten 34,4 Milliarden Euro - Beim vertragsärztlichen Honorar spielt die Musik weiterhin im extrabudgetären Bereich. Das zeigt die Honorarentwicklung der Kassenärzte im Jahr 2014, die die KBV jetzt nachgereicht hat."

Doch da stecken bereits drei Fehler in der ÄZ-Berichterstattung:

1. "Honorar-Wachstum" kann bei Vertrags-Ärztinnen und -Ärzten durchaus eine 'Umsatz-Steigerung' bedeuten: Aber v e r d i e n t wird daran nur, wenn die Kosen für mehr erbrachte Leistungen und höhere Inanspruchnahme gleichzeitig s i n k e n und nicht erwartungsgemäß steigen.

2. v e r d i e n t wird bei selbstständig Niedergelassenen erst n a c h Abzug aller Ausgaben für Steuern, Haftpflicht- und Sach-Versicherungen, eigene Sozialversicherungen, Fort- und Weiterbildung, Finanzierungs-, Zins- und Tilgungskosen, Personal-Gehälter und Lohnneben-Kosten, Sachkosten, Miete- bzw. Gebäude-Kosten, Instandhaltung, EDV- und Geräte-Innovationen, Investitionen etc.

3. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) k a n n zwangsläufig die Honorarentwicklung der Kassenärzte für den Jahresabschluss 2014 erst wesentlich später berechnen und herausgeben, weil Vertragsärzte ihre Umsatzhonorare immer 6 Monate n a c h erbrachter Leistung abgerechnet bekommen bzw. nachträgliche Prüfverfahren mindestens 12 Monate andauern.

Aber auch wenn manche KBV- gemeinsam mit Bundesärztekammer-Experten bei EBM und GOÄ, unsere Bundeskanzlerin, manch anderer Spitzenpolitiker und auch Medien Soll und Haben, Brutto oder Netto, Umsatz bzw. Gewinn und Einnahmen-Überschuss-Rechnungen nicht richtig unterscheiden können oder wollen: Dafür hat ein Kabarettist mal vorgeschlagen, vereinfachend den Begriff "BRETTO" zu verwenden, um betriebswirtschaftliches Nichtwissen oder Ignoranz zu kaschieren.

Die KBV sprich allerdings ausdrücklich von "Entwicklung des H o n o r a r u m s a t z e s und des Ü b e r s c h u s s e s aus vertragsärztlicher Tätigkeit", kann damit aber Fehlinterpretationen keinesfalls ausschließen. http://www.kbv.de/media/sp/Honorarbericht_Quartal_4_2014.pdf

Tatsache ist und bleibt: Von einer Gesamtvergütung über 34,4 Milliarden Euro Umsatzhonorar, welches 2014 alle 164.947 vertragsärztlich niedergelassenen Kassenärzte und Psychotherapeuten erhielten, müssen im Durchschnitt aller Fachgruppen etwa 50 Prozent laufende Kosten abgezogen werden. Dann bleiben nur noch 17,2 Milliarden Euro übrig.

Das waren pro Kassenarzt/Psychotherapeut durchschnittlich 104.276 € Jahres-Überschuss im Jahr 2014 gewesen. Davon müssen bei Selbstständigen jedoch erst Steuern (ESt), die vollen Kranken- und Renten-Versicherungs-Beiträge und Tilgungskosen für evtl. Praxis-Kredite abgezogen werden.

Nur d a n a c h kann man von einem V e r d i e n s t aus vertragsärztlicher Praxis-Tätigkeit sprechen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Bergen aan Zee/NL)

Quellen:
Summe aller Arzt-Gruppen 143.635; psychologische Psychotherapeuten 21.312; Gesamt 164.947
http://www.kbv.de/media/sp/2014_12_31.pdf
- "Teilnehmende Ärzte gesamt: 143.635" (2014)
http://www.kbv.de/media/sp/2014_12_31_Statistische_Kerndaten_BAR.pdf
- "Entwicklung des Honorarumsatzes und des Überschusses aus vertragsärztlicher Tätigkeit"
http://www.kbv.de/media/sp/Honorarbericht_Quartal_4_2014.pdf
- 164.947 Vertrags-Ärzte/-Psychotherapeuten zum Ende 2014
http://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16393.php
-"Die Zahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte...Zum Stichtag waren somit 147.948 Ärztinnen und Ärzte ambulant tätig."
http://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2014/ambulant-taetige-aerzte/



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[18.08.2016, 09:17:30]
Richard Barabasch 
Da mach' ich auch mit !
Tja - WARUM ??? frage ich mnich auch, wie die Vorkommentatoren, ist die Ärztezeitung NICHT in der Lage, als Zeitung für Ärzte auch in der "Urlaubszeit" einen unmittelbaren Kommentar (MINDESTENS !!!) zu solch einer Saure-Gurken-Zeit-Meldung mit immensem Konflikt-Potential aufgrund völlig unreflektiertem rein plakativen und nachgerade Neid provozierendem Imhalt DER WAHRHEIT HALBER anzufügen ?
R.B. zum Beitrag »
[18.08.2016, 09:10:35]
Dr. Henning Fischer 
"...kräftiges Wachstum bei der extrabudgetären Vergütung..."

und wie hoch ist deren Anteil? Ich bekomme jedenfalls jedes Quartal einige Tausend Euro nicht bezahlt

"Die Fallwerte lagen bei 61,95 Euro"

Mein Fallwert >>>1990<<<: 105 DM = 53,70 Euro! zum Beitrag »
[18.08.2016, 08:04:08]
Christian Knaup 
Eine Schlagzeile, wie aus der Bildzeitung
... in der ÄrzteZeitung läuft der Beitrag auch unter "Ärzte verdienen" und "Ärzte kassieren". Das Honorarplus von 1,55€ Umsatz pro Patient wird dann aber mit der Gesamtvergütung von 34,4 Milliarden € in Zusammenhang gebracht.
Steigende Löhne, immer höher werdende Bürokratie und Anforderungen der Patienten, aber auch eine steigende Zahl von Patienten und Patientenkontakten stehen dem gegenüber.

Da hätte ich von der Ärzte Zeitung mehr erwartet - oder eben auch nicht! zum Beitrag »
[18.08.2016, 07:45:28]
Johannes Hupfer 
Wow !
Bei 34,4 Milliarden fallen doch dem deutschen Michel die Augen aus dem Kopf......
ja wir kassieren als Kassenärzte richtig ab.....
könnte man zum Vergleich mal den Umsatz von Aldi Posten ? zum Beitrag »

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