Ärzte Zeitung, 30.08.2016

Spezialisierte Geriatrie

In Berlin kaum Angebote

Die neuen, seit Juli gültigen EBM-Ziffern zur weiterführenden Geriatrie stellen Hausärzte in Berlin vor ein Problem: In der Hauptstadt gibt es kaum spezialisierte Geriater, an die sie ihre Patienten überweisen können.

Von Julia Frisch

BERLIN. "Das Ganze ist eine Luftnummer", ärgert sich ein Hausarzt aus Steglitz. Die seit Juli gültigen EBM-Ziffern für die spezialisierte Geriatrie seien gar nicht umsetzbar, "da wir hier in Berlin praktisch keine Internisten oder andere Ärzte mit geriatrischem Schwerpunkt haben", schreibt der Internist in einem Fax an die "Ärzte Zeitung".

Zur Erinnerung: Die neuen Abrechnungspositionen 30980 und 30988 können von Hausärzten nur angesetzt werden, wenn auch ein weiterführendes geriatrisches Assessment durch spezialisierte Ärzte stattfindet. Diese Spezialisten müssen entweder Fachärzte für Innere Medizin und Geriatrie nach der neuen Weiterbildungsordnung (WBO) sein oder aber nach der vorherigen WBO über eine Schwerpunktbezeichnung Geriatrie verfügen oder nach der WBO vor 2003 die fakultative Weiterbildung "Klinische Geriatrie" absolviert haben.

Alternativ erfüllen auch Vertragsärzte die fachlichen Anforderungen, wenn sie unter anderem mindestens 100 geriatrische Patienten über 70 Jahre betreuen und ein Jahr in einer geriatrischen Einrichtung gearbeitet haben. Zudem dürfen auch ermächtigte geriatrische Institutsambulanzen die Diagnostik übernehmen.

In der Tat ist die Zahl der Kollegen mit geriatrischem Schwerpunkt, an die die rund 2400 Berliner Hausärzte Patienten zur weiterführenden Diagnostik überweisen können, ausgesprochen übersichtlich: Nach Angaben der KV Berlin gibt es derzeit acht Ärzte mit entsprechenden Zusatzbezeichnungen, sie alle sind als Hausärzte tätig. Anfang Juli wurde im Stadtteil Pankow zudem eine Geriatrische Institutsambulanz vom Zulassungsausschuss ermächtigt. Eine zweite Klinik hat ebenfalls einen Ermächtigungsantrag gestellt.

Hoffen auf die Zukunft

Dass es im fachärztlichen Bereich noch keine spezialisierten Geriater gibt, erklärt die KV damit, dass sich Internisten mit der Schwerpunktbezeichnung Geriatrie in der Vergangenheit als Hausärzte niederließen, weil es geriatrische Abrechnungsziffern früher nur im hausärztlichen Versorgungsbereich gegeben habe. Nach der alten Weiterbildungsordnung, so die KV, konnten im fachärztlichen Bereich Geriater nicht zugelassen werden. Das freilich könne "sich vielleicht in Zukunft ändern".

Das Ganze ist eine Luftnummer, da wir hier in Berlin praktisch keine Internisten oder andere Ärzte mit geriatrischem Schwerpunkt haben.

Ein Hausarztaus Berlin Steglitz

über die neuen EBM-Ziffern zur spezialisierten Geriatrie

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