Ärzte Zeitung, 20.09.2016

Laborkosten

Bremen setzt Bescheide unter Vorbehalt

Betroffene Ärzte müssen keinen Widerspruch gegen den Honorarkostenbescheid einlegen, so die KV.

BREMEN. Seit Juli stellt die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) die Honorarbescheide der Hausärzte im Hinblick auf die Laborkosten unter Vorbehalt. Der Grund: Das Hickhack um die Laborkosten auf Bundesebene.

"Niemand muss nun wegen der Laborkosten Widerspruch einlegen", betont Christoph Fox, Sprecher der KVHB. Sobald die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geklärt habe, wie gegebenenfalls Defizite im Labortopf auszugleichen sind, "werden wir, wenn nötig, die Honorare automatisch korrigieren", sagt Fox zur "Ärzte Zeitung".

Trotz der Preissenkung auf die sogenannte Quote "Q" mit dem Faktor 0,9158 Prozent wird auch in Bremen immer mehr Labor angefordert. Dadurch muss in einigen Quartalen mehr Geld an die Praxen ausgezahlt werden, als im Labortopf kalkuliert war.

Tatsächlich sind in Bremen in den vergangenen Jahren die Ausgaben für Laborkosten stetig gestiegen, so die KV Bremen. In der Hansestadt waren es von 2014 auf 2015 immerhin Mehrausgaben von mehr als 200.000 Euro, hieß es.

Der Streit dreht sich um die Frage, wer das Defizit auszugleichen hat. Trotz bestehender Regelung, dass Haus- und Fachärzte mit ihren Töpfen gemeinsam zur Kasse gebeten werden – und zwar gemäß ihres Honoraranteils in der KV – streitet die KBV um ein neues Procedere. Die Hausarztfraktion argumentiert, die Laborkosten seien vor allem von den Fachärzten erzeugt, entsprechend müsste das Defizit auch aus ihrem Topf ausgeglichen werden. Das sehen die Fachärzte naturgemäß anders.

Aus dieser Gemengelage heraus hat die KVHB beschlossen, dass bis zur Klärung der Rechtslage, die Honorarbescheide der Hausärzte in diesem Punkt unter Vorbehalt gestellt werden, so die KVHB. Dies hat zur Folge, dass kein Hausarzt zu diesem Sachverhalt einen Widerspruch gegen seinen Honorarbescheid einlegen muss.

Indessen wäre der Beschluss aus finanziellen Gründen vielleicht nicht nötig gewesen. Der Fehlbetrag in Bremen für das Jahr 2015 beläuft sich auf ungefähr 250.000 Euro.

"30 Prozent davon, also 75.000 Euro, wurden nach Maßgabe des KBV-Trennungsbeschlusses dem Hausarzt-Honorarverteilungskonto entnommen", so die KVHB. "Damit war theoretisch jeder Hausarzt in Bremen mit 36 Euro je Quartal belastet worden".

Mit dem Beschluss setzt die KVHB eine Forderung der Neuen Hausarztliste Bremen um. Ab 26. Oktober wird an der Weser die neue Vertreterversammlung gewählt. (cben)

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