Ärzte Zeitung, 23.09.2016

10,53 Cent pro Punkt

Das ist die ärztliche Leistung 2017 wert

Um knapp eine Milliarde Euro soll 2017 das Honorar der Vertragsärzte und -Psychotherapeuten zulegen. Die Verhandlungsführer auf Ärzteseite sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Von Christoph Winnat

Das ist die ärztliche Leistung 2017 wert

© bluedesign / fotolia.com

BERLIN. Nach einem Plus von 1,6 Prozent in diesem Jahr wird der Orientierungswert 2017 lediglich um 0,9 Prozent auf 10,5300 Cent steigen. Absolut bringt das den Ärzten 315 Millionen Euro mehr. Darauf haben sich am Mittwoch KBV und GKV-Spitzenverband verständigt. Insgesamt soll das Honorar für die ambulante vertragsärztliche Versorgung 2017 um knapp eine Milliarde Euro steigen.

Weitere Bausteine des Zuwachses sind die Anhebung der morbiditätsbedingte Gesamtvergütung um 170 Millionen Euro, ein Plus von 330 Millionen Euro für extrabudgetäre Leistungen sowie 163 Millionen Euro für den Medikationsplan.

 Laut einer Berechnung der AOK könnten rund 20 Millionen gesetzlich Versicherte ab dem 1. Oktober einen Medikationsplan beanspruchen.

Das Verhandlungsergebnis gebe zwar keinen Anlass zum Jubel, kommentierte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Allerdings sei man froh, dass ein Nachfinanzierungsbedarf für die Niedergelassenen schlussendlich doch unstrittig war. Ursprünglich seien die Kassen in die diesjährigen Honorarrunde sogar mit der Forderung nach einem Abschlag gegangen.

Die Vereinbarung über den Medikationsplan bezeichnete KBV-Vize Regina Feldmann als "guten Einstieg". Das Geld für Erstellung und Pflege des Plans soll extrabudgetär fließen. EBM-technisch werde es für Hausärzte eine Einzelleistung sowie einen Zuschlag zur Chronikerpauschale geben.

Ausgewählte Facharztgruppen sollen den Medikationsplan gleichfalls als Einzelleistung abrechnen können. Die übrigen sollen einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale erhalten. Mit der vorgesehenen Dotierung der Einzelleistungsvergütung – eine konkrete Zahl wurde bis dato nicht veröffentlicht – sei man allerdings noch nicht zufrieden, so Feldmann. Hierzu wolle man noch einmal nachverhandeln.

Dr. Hans-Friedrich Spies, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), bezeichnete das Verhandlungsergebnis "angesichts des geringen Spielraums wegen der gesetzlichen Vorgaben und der aktuellen Schwäche der KBV" als "befriedigend". Die Steigerung des Orientierungswertes bilde aber die Entwicklung der Praxiskosten nicht ausreichend ab. "Jedenfalls im fachärztlichen Bereich, den ich überblicken kann, kann ich sagen, dass sich die Kosten sicher mehr als um 0,9 Prozent erhöht haben."

Vincent Jörres, Pressesprecher des Hausärzteverbands, gab sich zurückhaltend. Man habe schon früher die Erfahrung gemacht, dass verhandeltes Geld bei den Hausärzten nicht ankam, so Jörres in Anspielung auf die NäPa-Dotierung in 2015. Man müsse nun "abwarten, ob es diesmal anders ausgeht". Das gelte "vor allem für die Vergütung des Medikationsplans".

[13.10.2016, 23:07:26]
Wolfgang Ebers 
Vertragspsychotherapeuten übertreffen Kassenärzte
Vertragspsychotherapeuten übertreffen Kassenärzte noch bei weitem an Leidensfähigkeit: Sie glauben immer noch, daß für sie, trotz extremer Unterrepräsentanz in den entscheidenden KV-Gremien, Honorargerechtigkeit über Einsicht und eine, im Rechtsweg eigentlich bereits getroffene, höchstrichterliche Entscheidung durch das BSG, real durchsetzen lässt.
Man weiß ja seit Neuestem: Das Weltall ist doch unendlicher als gedacht; metaphorisch ist m.E. hierbei der falsche Komparativ durchaus angemessen.
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[24.09.2016, 10:56:20]
Dr. Henning Fischer 
immer die selbe Schmierenkomödie

seit Seehofer gibt es Budgets. Über die kann die KBV nicht verhandeln. Sondern nur über die Verteilung des Mangels (KVWL: die Kassen bezahlen 62% der erbrachten Leistungen).

Diese "Verhandlungen" sind ein reines Affentheater, das nur dazu dient, die Kassenärzteschaft einzulullen (es wird verhandelt! naja, das Ergebnis war erwartungsgemäß schlecht). Und das funktioniert. Keine Proteste, schon gar keine Streiks. Erzähl mal einem Metaller was von 0,9%!

Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: das Weltall und die Leidensfähigkeit (oder Dummheit?) der Kassenärzte.

Hallo Nachwuchs, wollt Ihr Euch das antun?
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