Ärzte Zeitung, 16.06.2017

Honorarbericht der KBV

GKV-Umsätze: Erfreulicher Aufwärtstrend?

Um über drei Prozent ist das Budget der Kassenärzte gestiegen – und zwar zwei Quartale in Folge. Das zeigen zwei aktuelle Honorarberichte der KBV, die Frühjahr und Sommer 2015 abbilden. Das Plus entstand vor allem durch extrabudgetäre Leistungen.

Von Rebekka Höhl

GKV-Umsätze: Erfreulicher Aufwärtstrend?

© BillionPhotos.com / stock.adobe.com Grafik: ÄrzteZeitung

BERLIN. 2015 scheint kein schlechtes Jahr für die Vertragsärzte gewesen zu sein. Der KBV-Vorstand selbst erklärt im Honorarbericht der Standesvertretung für das 2. Quartal 2015, dass sich die Situation der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten "verbessert" habe. Um 292,1 Millionen Euro bzw. 3,4 Prozent ist die Gesamtvergütung in II/2015 (im Vergleich zum Vorjahresquartal) gestiegen, im dritten Quartal gab es immerhin noch 279,7 Millionen Euro mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal – ein Plus von 3,3 Prozent.

Dabei ist in beiden Quartalen vor allem das Honorarvolumen für extrabudgetäre Leistungen gewachsen: In II/2015 erhöhte sich die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) verglichen mit dem Vorjahresquartal bundesweit um 2,2 Prozent auf 6,084 Milliarden Euro und die extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) um 6,0 Prozent auf 2,841 Milliarden Euro. Im dritten Quartal stieg die MGV bundesweit um 2,3 Prozent auf 5,855 Milliarden Euro und die EGV um 5,6 Prozent auf 2,801 Milliarden Euro.

Nicht jede Region profitiert

Allerdings profitierte längst nicht jeder Arzt von den erhöhten Budgets. Das liegt allein schon daran, dass der Zuwachs der Gesamtvergütung in den einzelnen KV-Regionen sehr unterschiedlich ankam. Im dritten Quartal 2015 lag das Plus regional zum Beispiel zwischen 1,2 Prozent in Baden-Württemberg und 3,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch der Honorarumsatz je Arzt – das also, was der Arzt in seiner Praxis durch seine reine GKV-Tätigkeit erwirtschaftet – lag im Bundesschnitt unter dem Drei-Prozent-Plus.

Im zweiten Quartal 2015 erzielten die Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Schnitt über alle Fachgruppen immerhin noch ein Plus von 2,3 Prozent beim Honorarumsatz je Arzt (ebenfalls im Vergleich zum Vorjahresquartal). Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt lag bei 53.074 Euro – 1201 Euro höher als in II/2014. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall nahm sogar im 3,2 Prozent auf 64,61 Euro zu (II/2014: 62,58 Euro).

Ein ganz anderes Bild liefert jedoch der Blick in die einzelnen Fachgruppen: Im hausärztlichen Versorgungsbereich – also Hausärzte und Kinderärzte zusammen betrachtet – erhöhte sich der Honorarumsatz je Arzt um 3,5 Prozent auf im Schnitt 53.553 Euro (II/2014: 51.731 Euro). Dabei gab es mit der KV Sachsen nur eine einzige Region, in der die hausärztlich tätigen Mediziner ein Minus hinnehmen mussten – und zwar von 2,6 Prozent. Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt lag dort aber, wie in allen Ost-KVen, mit seinen 58.806 Euro auf noch relativ hohem Niveau.

Die Wirkung der Selektivverträge

Auffällig ist das hohe Plus von 11,8 Prozent beim Honorarumsatz je Arzt im zweiten Quartal 2015 im hausärztlichen Versorgungsbereich in Bayern (Honorarumsatz je Arzt: 53.118 Euro). Dieses resultiert laut der KBV jedoch aus rückläufigen Bereinigungsbeträgen aufgrund von Selektivverträgen gegenüber dem zweiten Quartal 2014. Betrachte man nur die 16 anderen KV-Regionen, so liege das durchschnittliche Honorarwachstum im hausärztlichen Bereich nur noch bei 2,0 Prozent, rechnet die KBV vor. Die Allgemeinärzte und hausärztlich tätigen Internisten allein erzielten ohne die KV Bayerns übrigens in II/2015 ein Plus beim Honorarumsatz je Arzt von 2,2 Prozent, mit der KV Bayerns waren es 4,2 Prozent (durchschnittlicher Honorarumsatz je Arzt: 52.468 Euro). Allerdings war für ein Viertel der Hausärzte nur ein Honorarumsatz von weniger als 35.785 Euro in II/2015 drin, bei einem weiteren Viertel lag er zwischen 35.785 und 49.634 Euro.

Bei den Kinderärzten gab es hingegen kaum Bewegung beim Kassenarzthonorar: Ihr Honorarumsatz je Arzt sank im zweiten Quartal 2015 um im Schnitt 23 Euro auf 54.899 Euro. Immerhin, ihr Honorarumsatz je Behandlungsfalls stiegt um 2,9 Prozent auf im Schnitt 60,32 Euro.

Im fachärztlichen Versorgungsbereich fiel das Plus beim Honorarumsatz je Arzt in II/2015 zwar mit 1,2 Prozent auf im Schnitt 50.726 Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal geringer aus. Aber hier steckt auch die ganze Bandbreite der Fachgruppen in einem Wert: So gab es für die Humangenetiker ein Plus von 15,1 Prozent – der höchste Zuwachs unter allen Fachgruppen –, für die Endokrinologen von 9,1 Prozent und für die Augenärzte von 7,0 Prozent. Den stärksten Rückgang mussten die Angiologen mit minus 7,0 Prozent hinnehmen. Doch auch die Hämato-/Onkologen verzeichneten ein Minus von noch 2,3 Prozent.

Flaute im dritten Quartal?

Im dritten Quartal 2015 flaute der Aufwärtstrend beim Kassenhonorar etwas ab, dennoch verzeichneten die Mediziner beim Honorarumsatz je Arzt noch ein leichtes Plus von im Schnitt 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt lag damit bei 51.483 Euro (III/2014: 51.142 Euro). In gleich sechs KV-Regionen entwickelten sich die Umsätze nach unten: Westfalen-Lippe (-0,5 Prozent), Bayern (-2,1 Prozent), Berlin (-0,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-0,6 Prozent), Brandenburg (-0,5 Prozent) und Sachsen-Anhalt (-0,9 Prozent).

Im hausärztlichen Versorgungsbereich erhöhte sich der Honorarumsatz im Vergleich zu III/2014 nur noch um 1,1 Prozent auf im Schnitt 51.787 Euro (III/2014: 51.240 Euro). Der Honorarumsatz je Behandlungsfall stieg um 2,1 Prozent auf 62,33 Euro. Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten für sich genommen erzielten ein Plus von 1,4 Prozent beim Honorarumsatz je Arzt – dieser lag im Schnitt bei 50.775 Euro je Arzt. Die Kinder- und Jugendmediziner mussten hingegen ein Minus von 0,7 Prozent beim Honorarumsatz je Arzt (im Schnitt 52.635 Euro) im dritten Quartal 2015 hinnehmen.

Wieder scheinbar hinten anstehen musste der fachärztliche Versorgungsbereich: Insgesamt verzeichnete dieser Bereich in III/2015 ein Plus von lediglich 0,4 Prozent beim Honorarumsatz je Arzt (im Schnitt: 49.117 Euro). Allerdings legte der Honorarumsatz je Behandlungsfall um 3,5 Prozent auf 67,93 Euro zu. Doch wie bereits im zweiten Quartal 2015 gab es auch in III/2015 deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Fachgebieten: Erneut an der Spitze beim Zuwachs des Honorarumsatzes je Arzt standen die Humangenetiker (+13,2 Prozent), gefolgt von den Augenärzten (+5,3 Prozent) und den Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen (+4,9 Prozent). Die größten Verlierer waren wiederum die Angiologen (-4,4 Prozent).

Das bescheidenere Gesamtplus beim Honorarumsatz je Arzt kann aber noch eine Ursache haben: Sowohl im zweiten wie auch dritten Quartal 2015 hat sich die Zahl der Fachärzte erhöht (in II/2015 um 2,0 Prozent, in III/2015 um 2,2 Prozent), gleichzeitig sank aber die durchschnittliche Zahl der Behandlungsfälle je Arzt (in II/2015 um 1,2 Prozent, in III/2015 um 3,0 Prozent). Mehr Ärzte haben also weniger Fälle behandelt.

Behandlungsanlässe

» Mit dem Honorarbericht fürs 2. Quartal 2015 hat die KBV erstmals die Top 20 Behandlungsanlässe für einzelne Fachgruppen erfasst.

» Die essenzielle Hypertonie führt mit 38,1 Prozent die Liste der Hausärzte an, gefolgt von Störungen des Lipoproteinstoffwechsels und sonstigen Lipidämien (22,8 Prozent) sowie Rückenschmerzen (17 Prozent).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Eine "mission impossible" für Diabetiker?

Kein Zweifel: Eine gute Blutzuckereinstellung plus Korrektur der übrigen Risikofaktoren lohnt sich. Um das zu erreichen, gilt es für Diabetiker zwei Hürden zu überwinden. mehr »

EU-Ärzte sollen bleiben dürfen

Theresa May hat ein Bleiberecht für EU-Bürger nach dem Brexit angekündigt. Betroffene Ärzte nehmen das jedoch mit gemischten Gefühlen auf. mehr »

Pfleger lernen als "Robo Cop", wie sich Altern anfühlt

In einem Modellprojekt sollen junge Menschen mit Förderbedarf für die Altenpflege gewonnen werden: Sie erleben im Simulationsanzug das Altern am eigenen Leib und üben die Pflege an lebensgroßen Puppen. mehr »