Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

Geteiltes Echo auf angeblich bessere Konditionen für Pharmagroßhändler

KÖLN (akr). Die Bundesregierung will die Arzneimittelhersteller zwingen, alle Pharmagroßhändler zu beliefern. Nach einem Bericht der FAZ sieht das ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor. Mit der Lieferpflicht wolle die Bundesregierung Bestrebungen großer Arzneimittelhersteller entgegentreten, den Großhandel bei hochpreisigen Produkten auszuschalten, heißt es. Die Reaktionen aus der Industrie und von Apothekern fallen unterschiedlich aus, wie eine Umfrage der "Ärzte Zeitung" zeigt.

Die Großhändler verdienen an teuren Packungen mehr als an preiswerten, denn sie bekommen für ihre Dienste einen prozentualen Anteil vom Endpreis der gelieferten Produkte. Umgehen Hersteller hochpreisiger Arzneimittel die herkömmlichen Vertriebswege, können sie viel Geld sparen. Gleichzeitig geraten die Großhändler mit ihrer Mischkalkulation in Schwierigkeiten. Das Gesundheits- und das Wirtschaftsministerium sollen dem Bericht zufolge bis 2010 einen Vorschlag zur Neugestaltung der Preise erarbeiten. Künftig soll ein Fixbetrag in Kombination mit einem prozentualem Logistikzuschlag gezahlt werden. Das Bundesgesundheitsministerium will zu den Einzelheiten keine Stellung nehmen. Der Entwurf sei in der Abstimmung, hieß es.

"Prinzipiell begrüßen wir das Modell, aber unter der Voraussetzung, dass die Apotheken nicht benachteiligt werden", sagte Dr. Ursula Sellerberg vom Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Nach jetzigem Stand wird es nach ihren Angaben weiterhin möglich sein, dass Apotheken direkt Waren vom Hersteller beziehen. Die Produzenten dürfen den Plänen zufolge aber nicht mehr Großhändler oder Apotheken exklusiv beliefern. Dadurch werde der Wettbewerb gestärkt, sagte Sellerberg. "Wir wollen keine Konzentration, wir begrüßen es, wenn es mehrere Großhändler gibt."

Der Verband Pro Generika, in dem 16 Generika-Hersteller zusammengeschlossen sind, steht der vorgesehenen Lieferpflicht leidenschaftslos gegenüber. "Wir haben kein Problem damit", sagte Geschäftsführer Peter Schmidt. Die Masse der Generika werde über Großhändler vertrieben. Der Verband lehnt aber das vorgesehene Preismodell ab. Nach seiner Auffassung ist das bisherige Modell für die Großhändler rentabel genug. Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) war für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen.

Nach Auffassung des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hätte die in § 52 b Abs. 2 des Referentenentwurfs geregelte Gewährleistung einer Belieferung der Großhändler durch die Hersteller keine Rechtsgrundlage im EU-Recht. "Hierzu und zum Referentenentwurf wird der BPI zeitnah eine rechtliche Bewertung abgeben", sagt Rechtsanwalt Norbert Klapszus, Mitglied des Vorstands und Vorsitzender des Rechtsausschusses des BPI.

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